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Interview mit Friseurmeisterin Edith Milchmeier-Merl 10 Fragen, die Sie einem Friseur immer mal stellen wollten

Wie sage ich meinem Friseur am besten, was ich haben will und warum haben viele Omas lila Haare? Wer zum Friseur geht hat viele Fragen, die er dann aber oft doch nicht stellt. Im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung gibt Friseurmeisterin Edith Milchmeier-Merl Antworten auf die spannendsten Fragen.

1. Was war die emotionalste Reaktion, die Sie von einem Kunden je nach einem Haarschnitt bekommen haben?

Edith Milchmeier-Merl: Eine Kundin hatte vor Freude ein Tränchen in den Augen, weil sie sich wie ein "neuer Mensch" gefühlt hat.

2. Wie sage ich meinem Friseur am besten, welche Frisur ich haben will?

Milchmeier-Merl: Am besten vorher ein Foto für den gewünschten Haarschnitt suchen. Der Friseur schaut dann, ob der Schnitt zum Typ und zur Haarstruktur passt. Bei der Wunschhaarfarbe ist es immer etwas komplizierter. Man kann dem Friseur die Wunschhaarfarbe auf einem Foto zeigen, nur wird das Ergebnis oft anders, oder es ist sehr aufwendig die Farbe nachzumachen. Zum Beispiel wünschen sich vor allem jüngere Menschen aktuelle grau-gefärbte Harre. Der "Granny-Style" funktioniert aber nur bei hellen Haaren. Bei Kundinnen mit schwarzen Haaren muss ich erstmal blondieren und dann grau färben. Das strapaziert die Haare sehr.

3. Und wenn sich jemand eine Frisur wünscht, die überhaupt nicht zu seinem Typ passt? Sagen Sie das dann?

Milchmeier-Merl: Ja natürlich. Es ist schließlich unser Job die Menschen zu verschönern. Nicht jeder Trend passt auf jeden Kopf. Die beste Visitenkarte für unseren Salon ist, wenn jemand nach dem Besuch zur Kundin sagt: "Du siehst aber toll aus, bei welchem Friseur warst du denn?"

4. Wenn einem die neue Frisur nicht gefällt. Was soll man dann machen?

Milchmeier-Merl: Durch eine vorherige ausführliche, professionelle Beratung sollte das nicht geschehen. Wenn einem das Ergebnis aber nicht gefällt, muss man das dem Friseur sagen. Er kann Styling-Tipps geben oder direkt nochmal nacharbeiten bis der Kunde zufrieden den Salon verlässt.

5. Gibt es etwas, das Sie an Kunden ärgert?

Milchmeier-Merl: Vor allem Preisdiskussionen mit Kunden sind ärgerlich. Wir sind genauso Dienstleister wie andere Handwerker auch und handwerkliche Leistung und Qualität sind immer ihren Preis wert.

Edith Milchmeier-Merl

6. Wie viele Ihrer Kunden färben sich die Haare?

Milchmeier-Merl: Bei den Frauen sind es etwa 60 bis 65 Prozent. Bei den Männern hingegen nur fünf bis zehn Prozent.

7. Und welche Haarfarbe ist am beliebtesten?

Milchmeier-Merl: Im Trend liegt der Ombre-Look – oben dunkel und helle Spitzen, aber auch rote und violette Töne sowie schimmernde Nuancen, wie man sie in den großen Modemagazinen bei den Stars sehen kann.

8. Warum haben so viele Omas lila Haare?

Milchmeier-Merl: Das liegt daran, dass sie zu viel Haarfestiger benutzen. Es gibt speziellen Haarfestiger für helle und graue Haare. Er soll die Haare zum Leuchten bringen und gelbe Töne überdecken. Im Festiger sind allerdings auch violette Töne als Gegenfarbe zum Gelb beigemischt. Wenn man den Festiger dann zu oft anwendet, überlagern sich die Farbpigmente, der Ton wird dunkler und das Lila kommt zum Vorschein.

9. Sind Sie froh, wenn Leute nicht mit Ihnen reden wollen und einfach schweigen?

Milchmeier-Merl: Dann hätte ich den falschen Beruf. Natürlich spreche ich gerne mit meinen Kunden, nur beim Föhnen ist das ungeschickt. Dann ist es eher schwierig den Kunden zu verstehen.

10. Wenn ich in dem Salon eine Friseurin sehe, die mir vom Stil und von der Art her irgendwie sympathischer ist als die, die mir zugeteilt wurde, darf ich das dann sagen oder ist das eine Beleidigung?

Milchmeier-Merl: Nein. Immer raus mit den Wünschen, schließlich ist der Kunde König und darf sich natürlich seine Friseurin aussuchen. Gerade in unserem Job geht es um Fingerspitzengefühl und die Kunden kommen nicht nur wegen des fachlichen Könnens, sondern auch wegen der Sympathie zu den bestimmten Mitarbeitern.

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