Das Handwerk kann noch Lehrlinge gebrauchen. 10.000 Ausbildungsplätze sind weiterhin frei. Die Chancen, dass sie bis Jahresende noch besetzt werden können, scheinen gering.
Burkhard Riering
Deutsche Handwerksbetriebe haben gegenwärtig noch rund 10.000 Ausbildungsplätze zu vergeben. In Westdeutschland gibt es noch 7.000 und in Ostdeutschland noch 3.000 Lehrstellen, die weiter frei sind. Insgesamt hat das Handwerk zum Ausbildungsstart dieses Jahres laut dem Deutschen Handwerkskammertag 152.479 neue Verträge abgeschlossen.
"Nach den Erfahrungen der Vorjahre werden die offenen Plätze kaum im Rahmen der Nachvermittlung noch kurzfristig besetzt werden können", teilte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, mit. Es melden sich seiner Aussage nach nur noch wenige Jugendliche für diese gemeinsame Aktion der Arbeitsvermittlung, der Handwerkskammern und der IHK. "An der wirtschaftlichen Attraktivität der angebotenen Berufe kann es nicht liegen – die Bau- und Ausbauhandwerke boomen derzeit ebenso wie Elektrotechniker, Kälteanlagenbauer, Anlagenmechaniker SHK oder Feinwerkmechaniker", sagte Schwannecke. In diesen Zukunftsberufen falle die Fachkräftesicherung künftig schwerer.
Nachwuchsprobleme im Osten
Vor allem in Ostdeutschland, wo der Nachwuchs fehlt, finden die Betriebe immer weniger Auszubildende. "Das Hauptproblem ist die innerhalb von zehn Jahren halbierte Zahl der Schulabgänger", sagte Schwannecke. Passende Bewerber sind hier Mangelware. Die Zahl der neuen Verträge sank um mehr als sechs Prozent.
Handwerksorganisationen und Betriebe versuchten das wett zu machen, indem sie verstärkt auch Jugendlichen eine Chance geben, denen eigentlich die Ausbildungsreife nach dem Schulbesuch fehlt. "Leider ist damit auch das Risiko verbunden, dass mehr Ausbildungsverhältnisse nicht erfolgreich zu Ende geführt werden können. ", betonte Schwannecke.
Alternative zum Hörsaal
In Westdeutschland kann das Handwerk in diesem Jahr von den doppelten Abiturjahrgängen in Bayern und Niedersachsen profitieren. "Für viele Abiturienten ist die Ausbildung im Handwerk mit ihren Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten also eine Alternative zu überfüllten Hörsälen an der Universität", kommentiert man dies beim ZDH. Das sorgt für ein leichtes Plus bei den Neuverträgen (0,3 Prozent).
Doch angesichts der zurückgehenden Zahl der Schulabgänger auch in Westdeutschland, so fordert der ZDH, müsse die Attraktivität der dualen Ausbildung im Vergleich zu schulischen oder akademischen Ausbildungsgängen gesteigert werden.
Heute morgen wird dazu in Berlin eine Informationsoffensive von Seiten der Bundesregierung vorgestellt, mit der die Attraktivität der dualen Ausbildung stärker in die Öffentlichkeit getragen werden soll. Schwannecke: "Die duale Ausbildung hat weltweit einen ausgezeichneten Ruf. In der Europäischen Union gilt die Verbindung von theoretischer Unterrichtung in der Berufsschule und praktischer Anwendung im Betrieb als best practice."
