Das Ifo-Institut erwartet für 2012 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent für Deutschland. Damit ist die Erwartung nun deutlich verhaltener als noch in einem ersten Gutachten von Oktober dieses Jahres und liegt zudem weit unter den Ankündigungen der Bundesregierung. Dennoch werde Deutschland im europäischen Vergleich weiter gut dastehen, prognostizieren die Fachleute.

Bei der Vorstellung ihrer Prognose betonte das Ifo-Institut, dass Deutschland einer Rezession im nächsten Jahr entgehen könnte. Vorausgesetzt, die Eurokrise verschärfe sich nicht weiter und insbesondere Italien könne sich weiter am Markt finanzieren. Doch auch wenn es so kommen sollte, gehen die Analysten nur von einem Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 0,4 Prozent aus. Deutlich weniger als die 0,8 Prozent, die die Wissenschaftler in einem Gemeinschaftsgutachten vom Oktober dieses Jahres erwartet hatten. Die Bundesregierung rechnet sogar mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. Zum Vergleich: In diesem Jahr wuchs die deutsche Wirtschaft um 3,0 Prozent.
Beim Beschäftigungsaufbau erwartet das Institut ebenfalls eine deutliche Verlangsamung. Gestützt von demographischen Faktoren dürfte die Arbeitslosenzahl 2012 noch um 140.000 auf etwa 2,8 Millionen im Jahresschnitt zurückgehen.
Mehrere Faktoren begründen Prognose
Das Ifo-Institut begründete die Prognose mit mehreren, sich teilweise gegenseitig verstärkenden Faktoren. So habe sich das weltwirtschaftliche Expansionstempo in den zurückliegenden Monaten verlangsamt. Nach den Ergebnissen des World Economic Survey hat sich das ifo Weltwirtschaftsklima in allen großen Wirtschaftsräumen verschlechtert. Der Stimmungseinbruch reflektiere die im Herbst 2011 drastisch gestiegene Unsicherheit bezüglich des Ausblicks für die Weltwirtschaft. Die Verunsicherung dürfte im Prognosezeitraum einer der zentralen Belastungsfaktoren für die Konjunktur sein.
Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erklärte zu den Zahlen: "Der Aufschwung ist zu Ende. Aber 2008 wird sich nicht wiederholen, wir fahren nicht vor die Wand, es geht glimpflich aus." Maßgeblich für das geringere Wirtschaftswachstum seien die Abkühlung der weltweiten Konjunktur und die Euro-Schuldenkrise.
Die Weltwirtschaft werde im nächsten Jahr nur noch um 3,3 Prozent wachsen, die Wirtschaft in der EU um lediglich 0,2 Prozent, und der Euroraum rutsche sogar in eine leichte Rezession, sagte Sinn. Die deutsche Wirtschaft sei in diesem Jahr um 3,0 Prozent gewachsen. Das für 2012 prognostizierte deutlich geringere Wachstum sei im europäischen Vergleich "ein gutes Ergebnis".
sg / dapd