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Während und nach der Corona-Krise Hygienezertifikate: So gewinnen Handwerker Kundenvertrauen

Noch immer sind Kunden vorsichtig, bevor sie sich in die Hände eines Friseurs begeben. Auch Arbeiten von Schreinern, Malern und Parkettlegern werden aus Angst vor einer Corona-Ansteckung verschoben. Die Folge: Umsatzrückgang bei Handwerksbetrieben. Hygienezertifikate können dabei helfen, das Vertrauen der Kunden zurück zu erkämpfen.

In den Salons von "Bernd Frisuren" im Raum Göppingen ist derzeit deutlich weniger los als sonst. "Anfang Mai hatten wir natürlich den großen Run, als nach sieben Wochen wieder geöffnet werden durfte. Die gute Auslastung hat den ganzen Mai über angehalten und im Juni geht es aktuell wieder schleppend", gibt Geschäftsführer Max Heinzmann Auskunft. Grund sind zum einen die strengen Hygienevorschriften: Die Verweildauer pro Kunde ist länger, sodass insgesamt am Tag weniger Menschen gefärbt, geschnitten und gestylt werden können.

Auch wegen der Abstandsregelungen werden nicht so viele Menschen gleichzeitig abgefertigt. Manche Kunden seien außerdem nach wie vor vorsichtig und vermeiden Friseurbesuche aus Angst vor Ansteckung, das sei auch ein Vertrauensthema. "Wobei es bei uns auch mehrmals schon andersrum lief. Da wechselten Kunden explizit deshalb zu uns, weil sie in anderen Geschäften mit der Hygiene nicht zufrieden waren", berichtet der junge Chef. Der Grund für das Vertrauen seiner Friseurkunden: Heinzmann hat in seine Salons ein offizielles Hygiene-Konzept integriert.

Hygienekonzept macht Desinfektion und Reinigung nachvollziehbar

"So wie 'Bernd Frisuren' geht es derzeit allen Handwerkern, die am Menschen arbeiten, mit Lebensmitteln zu tun haben oder Kunden in ihrem Zuhause besuchen", beobachtet Markus Sobau. Der Unternehmensberater glaubt, dass es nun für die meisten Betriebe, darum ginge, das Vertrauen der Menschen zurück zu gewinnen. Ein offizielles Hygiene-Konzept, das beweiskräftig untermauert, wie zuverlässig das Team tatsächlich ist, könne helfen. "Der Vorteil eines Hygiene-Konzeptes ist es, dass jederzeit nachgewiesen werden kann, wer beispielsweise wann was desinfiziert und gereinigt hat", sagt Sobau. So seien Dienstleister wie Auftraggeber auf der sicheren Seite. Der Auftraggeber kann sich die Dokumentation und auch die Bestätigung, dass ansteckungssicher gearbeitet wird, jederzeit zeigen lassen.

Der Einsatz von Schutzmitteln sei inzwischen bei fast allen Handwerksbetrieben Alltag, beobachtet Sobau. Nur die Dokumentation und Nachweispflicht fehle mancherorts. Mit Hygienekonzepten werde ein systematischer Rahmen für das richtige Verhalten geschaffen. "Das sind in aller Regel Kleinigkeiten, die Menschen gerne mal vergessen", fasst der Experte zusammen. Thomas Brommer, Technischer Berater bei der Handwerkskammer (HWK) Region Stuttgart, kann sich vorstellen, dass solche Hygienezertifikate für Handwerksbetriebe nützlich sein können. Vor allem wenn sie auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten kleinerer Betriebe zugeschnitten seien. "Ich empfehle aber auch, sich bei der jeweiligen Innung oder dem Fachverband über dort angebotene, branchenspezifische Schulungen und Möglichkeiten zu informieren."

Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium

Das individuell angepasste Hygiene-System und der zugehörige Eintrag ins deutsche Hygiene-Register werden derzeit vom Bundeswirtschaftsministerium als Sonderprogramm gefördert. Außer einem Einsatz von drei bis vier Stunden Schulung und Ortsbegehung haben Handwerksbetriebe in der Regel einen Selbstbehalt zwischen 500 und 900 Euro zu leisten. Die restlichen Kosten der insgesamt rund 3.000 Euro übernimmt die Bundesregierung im Rahmen der Wirtschaftshilfen. HWK-Experte Brommer, der Handwerksbetriebe im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz berät, gibt jedoch zu bedenken, dass eine jährliche Re-Zertifizierung unter Umständen mit Kosten verbunden sein könne, die die Bundesregierung nicht mehr trägt. "Prüfen Sie genau, für welches Siegel oder für welche Maßnahme Sie sich entscheiden. Für den Einstieg ist ein öffentlich gefördertes Konzept sicher nicht schlecht."

Weitere Informationen zum Hygienekonzept, dem genauen Ablauf sowie der Förderung im Rahmen des Sonderprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, erhalten Interessierte auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Hygieneberatung unter www.hygiene-schafft-vertrauen.de.

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