Personal + Management -

Infektionen vermeiden Hygiene im Betrieb: Wie Sie Oberflächen richtig reinigen

Seit Corona vermeiden wohl die meisten Menschen, Oberflächen und Türklinken in Geschäften anzufassen. Obwohl eine Infektion auf diesem Weg als unwahrscheinlich gilt, können Handwerksbetriebe doch etwas tun, um ihren Kunden "hygienische" Sicherheit zu geben. Dazu braucht es in der Regel keine Desinfektion.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

"Vor dem Essen Hände waschen" ist ein oft gehörter, aber verhasster Satz in der Kindheit. Welches Kind tappt dann nicht muffelig ins Badezimmer? Wie richtig und wichtig dieser Satz ist, wurde vielen vielleicht erst in Zeiten von Corona bewusst. Hände sind die häufigsten Überträger von Krankheitserregern, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Diese Erkenntnis ist nicht neu. Deshalb wird in Deutschland seit vielen Wochen auf das Händeschütteln verzichtet.

Aber auch gemeinsam benutzte Gegenstände können als Überträger fungieren. Also Oberflächen, die in handwerklichen Ladengeschäften zu finden sind, wie Türklinken und Theken. Zwar ist laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) keine Infektion durch kontaminierte Lebensmittel, kontaminierte Gegenstände oder trockene Oberflächen bekannt. Man geht vielmehr davon aus, dass die Infektiosität des Coronavirus auf Oberflächen abnimmt.

Verlängerte Infektiosität auf angeschmutzter Oberfläche

Nicht auszuschließen ist jedoch, dass das Virus übertragen wird, wenn die Oberfläche kurz zuvor kontaminiert wurde. Auch auf einer angeschmutzten Oberfläche verlängert sich die Infektiosität des Virus. Hält jemand dann nicht die Händehygiene ein, sondern fasst sich ins Gesicht, kann das Virus über die Schleimhäute in den Körper eindringen.

Händehygiene ist zwar nach Expertenmeinung die wirksamste Maßnahme gegen die Übertragung von Krankheitserregern auf oder durch Oberflächen. Doch verständlicherweise haben Menschen im öffentlichen Raum derzeit ein darüber hinaus erhöhtes Sicherheitsbedürfnis. Handwerksbetriebe müssen, um diesem Bedürfnis ihrer Kunden gerecht zu werden, nun jedoch keine Desinfektionsmaßnahmen in ihren Geschäften ergreifen. Denn es ist ein Trugschluss, dass Desinfektion mehr Sicherheit gibt. Entscheidend ist die Hygiene (= Gesundheitsschutz). Desinfektion ist keine Steigerung der Hygiene, also keine "bessere Hygiene", sondern nur eine Maßnahme des Gesundheitsschutzes.

Sach- und fachgerechte Reinigung

Unter Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln sind sich Experten - darunter das Robert Koch-Institut (RKI) - einig: Eine sach- und fachgerechte Reinigung ist zum Schutz vor Corona ausreichend und außerhalb von Gesundheitseinrichtungen müssen in der Regel keine Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt werden.

"Die entscheidende Frage ist daher nicht, Desinfektion ja oder nein, sondern wie häufig soll gereinigt werden", sagt Ilka Geske-Schumann, Diplom-Wirtschaftsingenieurin Reinigungs- und Hygienetechnik. Handwerksbetriebe sollten die Häufigkeit der Reinigung von hochfrequentierten Oberflächen erhöhen, um eine eventuelle Tröpfchenkontamination zu beseitigen.

"Gerade Kontaktflächen mit häufigem Handkontakt durch viel Publikumsverkehr müssen wesentlich häufiger abgewischt werden. Da reicht einmal täglich nicht aus." Das Risiko, sich durch Kontakt der Hände mit einer Oberfläche zu infizieren, hat sich durch die Maskenpflicht weiter verringert. "Doch es schadet sicherlich nicht, bei hoher Kundenfrequenz stündlich die Handkontaktflächen zu reinigen", so die Expertin.

Tensidhaltige Reinigungsmittel zerstören Lipidhülle

Oberflächen und Türklinken sollten nur mit tensidhaltigen Mitteln gereinigt werden. "Dies bietet ausreichenden Schutz, da die Lipidhülle des Coronavirus durch Tenside sehr gut durchbrochen wird", erklärt Ilka Geske-Schumann.

Für eine ausreichende Oberflächenhygiene genügt es aber nicht, einfach nur öfter zu reinigen. "Die Reinigung muss unter Beachtung der guten Hygienepraxis stattfinden", sagt Ilka Geske-Schumann. Es darf nur mit frischen und sauberen Reinigungstextilien gearbeitet werden. "Es wäre ein Fehler, den ganzen Tag nur ein Tuch zu verwenden."

Ein einmal benutztes Tuch darf nicht wieder in die Reinigungslösung eingetaucht, ausgewrungen und weiter verwendet werden. Für eine ausreichende Hygiene heißt das: pro Fläche nur ein Tuch. Für die nächste Fläche oder die nächste Reinigung muss dann wieder ein frisches Tuch benutzt werden.

Auch regelmäßiges und ausreichendes Lüften des Ladengeschäfts, der Werkstatt oder des Büros trägt dazu bei, das Infektionsrisiko durch Oberflächenkontamination zu senken.

Desinfektionsmaßnahmen von Fachbetrieb durchführen lassen

Tritt in einem Betrieb ein Infektionsfall auf, muss die Erkrankung dem Gesundheitsamt gemeldet werden (Infektionsschutzgesetz). In der Regel ist dann trotzdem nicht zu erwarten, dass behördlich Desinfektionsmaßnahmen angeordnet werden.

Dennoch sind beispielsweise im Nahrungsmittelhandwerk entsprechende Maßnahmen denkbar. Denn laut RKI könne es Sinn machen, Oberflächen zu desinfizieren, die häufigen Kontakt mit den Händen einer erkrankten Person hatten. Da Desinfektionsmaßnahmen jedoch nur wirksam sind, wenn sie sach- und fachgerecht durchgeführt werden, empfiehlt Ilka Geske-Schumann sie von einem Fachbetrieb des Gebäudereiniger-Handwerks durchführen zu lassen.

Serviceline für BIV-Mitgliedsbetriebe

Ilka Geske-Schumann betreut aktuell im Auftrag des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) die Serviceline zur fachlich-technischen Beratung der BIV-Mitgliedsbetriebe im Zusammenhang mit der Covid19-Pandemie.

Weitere Schutzmaßnahmen

  • Wie immer und weiterhin gilt: Nicht mit den Händen Mund, Nase oder Augen anzufassen. Denn über die Schleimhäute können Erreger in den Körper eindringen.
  • Nach dem vom Bundesarbeitsministerium veröffentlichten Sars-CoV-2-Arbeitsschutzstandard sollen Arbeitsmittel und Werkzeuge nur personenbezogen verwendet werden. Wo das nicht möglich ist müssen sie regelmäßig gereinigt oder mit Handschuhen verwendet werden.
  • Und die drei wichtigsten Regeln, um eine Übertragung von Coronaviren zu verhindern:
  1. Ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Personen
  2. Husten- und Niesregeln beachten
  3. Gute Händehygiene. Die BZgA empfiehlt 20 bis 30 Sekunden für das Einseifen. Das ist zweimal "Happy Birthday" singen. Gründliches Händewaschen soll übrigens auch das Risiko von Durchfallerkrankungen nahezu halbieren.
Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten