Trotz der immer noch schwierigen Lage in vielen Euroländern wuchs die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent. Damit erzielte der Staat erstmals seit Beginn der Finanzkrise wieder einen Überschuss. Der robuste Arbeitsmarkt ist der Grund dafür.

Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im sechsten Jahr in Folge auf den Rekord von 41,6 Millionen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.
Die Rekordbeschäftigung ist dafür verantwortlich, dass die Steuereinnahmen des Staates hoch und die Sozialausgaben niedrig waren. Erstmals seit 2007 machte der Staat per saldo ein Plus von 0,1 Prozent.
Schäuble will Haushalt ausgleichen
Dazu gehören Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen. Der Bund allerdings machte nach wie vor Schulden, mit 22,5 Milliarden Euro aber zumindest 5,6 Milliarden Euro weniger als geplant, wie das Bundesfinanzministerium mitteilte.
Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht dennoch keinen Raum für Geschenke an die Bürger und will stattdessen bis 2014 den Haushalt ausgleichen.
Die Experten rechnen für das laufende Jahr mit einer schwachen Entwicklung in den Wintermonaten, dann aber mit einem stärker werdenden Aufschwung. Außerdem ist die Hoffnung groß, dass die chinesische Wirtschaft wieder stärker zulegen wird. Das käme dem deutschen Außenhandel sehr gelegen.
Inflation sinkt auf zwei Prozent
Das BIP-Wachstum von 0,7 Prozent im vergangenen Jahr war deutlich geringer als die Anstiege um 3,0 Prozent im Jahr 2011 und um 4,2 Prozent 2010.
In diesen beiden Jahren hatte sich die deutsche Wirtschaft von dem Einbruch in der Wirtschaftskrise 2009 erholt, als das BIP um 5,1 Prozent gesunken war.
Das Wachstum ist von vielen Einflüssen abhängig und lässt sich kaum bis auf die Nachkommastelle vorhersagen. So wies die BayernLB darauf hin, dass im vergangenen Jahr das Wachstum 0,9 Prozent betragen hätte, wenn die Feiertage weniger arbeitnehmerfreundlich gelegen hätten und mehr gearbeitet worden wäre.
Das schwächere Wirtschaftswachstum und geringere Anstiege der Rohstoffpreise führten 2012 dazu, dass auch die Lebenshaltungskosten für die Bundesbürger etwas langsamer stiegen. Für das Gesamtjahr errechneten die Statistiker einen Wert von 2,0 Prozent.
Damit lag die Inflationsrate unter dem Niveau von 2011, als sich die Lebenshaltung im Jahresvergleich um 2,3 Prozent verteuert hatte. 2010 hatten die Verbraucherpreise lediglich um 1,1 Prozent und 2009 nur um 0,4 Prozent zugelegt.
Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte erreicht trotzdem immer neue Höhen. Ende September 2012 hatten Bund, Länder und Kommunen 2,064 Billionen Euro an Schulden aufgetürmt, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das entsprach einer Zunahme um 1,6 Prozent beziehungsweise 32,9 Milliarden Euro im Vergleich zum Ende des dritten Quartals 2011. dapd