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Studie von Bitkom und ZDH Kosten und Personalmangel bremsen Digitalisierung im Handwerk aus

Handwerksbetriebe machen Fortschritte bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse. Allerdings bewegt sich die Verbreitung digitaler Technologien noch auf relativ niedrigem Niveau. Es gibt gleich mehrere Hürden, die den Betrieben im Weg stehen.

Auf den ersten Blick scheinen die Zahlen erfreulich: Laut der neuesten Untersuchung vom Digitalverband Bitkom und dem Zentralverband Deutsches Handwerk hat sich der Digitalisierungsgrad im Handwerk verbessert. So kommt eine repräsentative Befragung von 502 Handwerksbetrieben zu dem Ergebnis, das mehr als jedes zweite Unternehmen (53 Prozent) digitale Technologien oder Anwendungen einsetzen. Gegenüber der letzten Erhebung im Jahr 2017 ist das eine Steigerung von acht Prozent. Das deckt sich mit der Aussage von 66 Prozent der Betriebe, dass sie die Digitalisierung als Chance ansehen.

KI und Robotik im Handwerk kaum genutzt

Schaut man sich die Zahlen jedoch etwas genauer an, ist festzustellen, dass im Handwerk komplexe und kostenintensive Zukunftstechnologien wie KI und Robotik, Drohnen oder 3D-Druck noch kaum Anwendung finden. Hier geben nur zwischen fünf und sieben Prozent der Handwerksunternehmen an, diese Anwendungen bereits im Einsatz zu haben. Auch Trackingsysteme (12 Prozent) sowie Sensoren und Datenanalysen zur vorausschauenden Wartung (10 Prozent) sind weniger verbreitet.

Wenn im Handwerk von Digitalisierung gesprochen wird, ist damit hauptsächlich die digitale Kommunikation und Büroorganisation gemeint. So gibt fast jeder Betrieb an, eine eigene Homepage zu besitzen (97 Prozent). Immerhin 84 Prozent der Firmen sind in Online-Diensten wie Google Maps präsent. Schon deutlich geringer ist die Social-Media-Präsenz der Betriebe. Nur drei von zehn Befragten sind bei Facebook, Instagram oder YouTube aktiv. Auch nur gut zwei von zehn Betrieben präsentieren sich auf Bewertungsplattformen. Oft ist die Präsenz in digitalen Kanälen noch Chefsache im Handwerk. Mehr als jeder dritte Betriebsinhaber (34 Prozent) gibt an, sich selbst um die Online-Aktivitäten seiner Firma zu kümmern. Weitere 43 Prozent setzen auf externe Hilfe. Eigenes Personal für diese Themen ist dagegen selten, besonders bei den kleineren Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern.

Bei der Büroorganisation haben 64 Prozent der Betriebe digitale Anwendungen im Einsatz. Eine Steigerung von sieben Prozent gegenüber 2017. Beliebt sind CRM-Software zur Verwaltung der Kundenbeziehungen (52 Prozent), ECM-Programme zur Dokumentenorganisation (31 Prozent) und Cloud-Dienste (27 Prozent). Jedes fünfte Unternehmen nutzt zudem HR-Anwendungen zur Personalplanung.

Kein Geld für Digitaloffensive

Doch warum beschränkt sich die Digitalisierung im Handwerk vor allem auf Kommunikation und Bürosoftware, obwohl zwei Dritteln der Betriebe die Chance der Digitalisierung durchaus bewusst sind? Warum beeinflusst die Digitalisierung bisher kaum die Geschäftsmodelle (19 Prozent) und warum bieten nur wenige Betriebe auf Grundlage der Digitalisierung neue Produkte und Dienstleistungen an (21 Prozent)? Auch hierzu liefert die Studie Antworten. Demnach gibt es wesentliche Gründe, die Betriebe von einer Digitalisierungsoffensive abhalten.  

Dazu zählen etwa die mit der Digitalisierung verbundenen Investitionskosten, die aus Sicht von mehr als drei Viertel aller Betriebe (76 Prozent) zu hoch sind. Zwar wollen die Unternehmen ihre Ausgaben in diesem Bereich 2020 auf durchschnittlich 2.110 Euro steigern (1.460 Euro in 2016), allerdings reichen solche Beträge bei weitem nicht aus, um Roboter oder andere Highend-Technologien in die Geschäftsprozesse einzubinden. Folgerichtig räumen 47 Prozent der befragten Handwerker ein, sich viele digitale Anwendungen nicht leisten zu können.

Die Kosten sind aber nicht der einzige Hinderungsgrund. Eine mangelnde Digitalkompetenz der Mitarbeiter (65 Prozent) wird ebenso als wichtiger Faktor benannt. Für die Betriebe ist es offenbar nicht einfach an dieser Situation etwas zu ändern. So berichten 72 Prozent von großen Problemen, qualifizierte Mitarbeiter mit Digitalkompetenz finden. Viele Unternehmen setzen deshalb darauf, gezielt in die digitale Fortbildung ihrer bestehenden Angestellten zu investieren (37 Prozent).

Neben den genannten Gründen steht der Digitalisierungsoffensive häufig auch eine unzureichende Internetversorgung (53 Prozent) im Weg. Ein wichtiger Hemmschuh bleibt weiterhin auch die Sorge um IT- und Datensicherheit (74 Prozent).

ZDH will Betriebe unterstützen

"Wichtig ist, dass sich alle Betriebe mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen, um auch künftig am Markt bestehen zu können. Wir müssen und werden unsere Handwerksbetriebe noch stärker bei der Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen unterstützen“, sagt ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte. Hier liege noch großes Potential. Die Unternehmen könnten ihre Produkte und Dienstleistungen durch die Digitalisierung auf ganz neue Weise anbieten. Dadurch würden sie nicht nur serviceorientierter, sie blieben vor allem wettbewerbsfähig. Darüber müss sich jeder Handwerksbetrieb heute im Klaren sein, so Schulte weiter.

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