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Höheres Nettogehalt durch Lohnsteuerfreibetrag Lohnsteuerfreibetrag: Was für 2019 gilt

Arbeitnehmer, die dem Finanzamt frühzeitig die voraussichtlichen Steuerausgaben 2019 auflisten, bekommen im nächsten Jahr Monat für Monat mehr Gehalt. Die Zauberworte lauten "Lohnsteuerfreibetrag" und "Lohnsteuerermäßigung". Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Lohnsteuerermäßigung
Mehr Netto vom Brutto: Bis 30. November 2019 können Arbeitnehmer einen Lohnsteuerfreibetrag 2019 beantragen. -

Der Lohnsteuerfreibetrag wird definiert als ein Freibetrag, den der Gesetzgeber eingeführt hat, um einen finanziellen Ausgleich für Steuerpflichtige zu schaffen. Er ist im deutschen Einkommensteuerrecht festgelegt. Die monatliche Bemessungsgrundlage, also das steuerpflichtige Bruttogehalt, wird durch den Lohnsteuerfreibetrag gesenkt. 

Seit 1. Oktober 2019 haben Arbeitnehmer sowie GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer die Möglichkeit, dem Finanzamt ihre Steuerausgaben im Lohnsteuerermäßigungsverfahren 2019 zu präsentieren. Das Finanzamt ermittelt einen Lohnsteuerfreibetrag, den der Arbeitgeber 2019 bei Ermittlung der Lohnsteuer aufs Gehalt abruft. Das Nettogehalt steigt dadurch. Bei der Lohnsteuerermäßigung gelten 2019 einige steuerliche Besonderheiten.

Die Antragsformulare für 2019 sehen übrigens ganz anders aus als die Formulare bis zum Jahr 2019. Die Antragsformulare 2019 bestehen aus einem zweiseitigen Antrag und aus verschiedenen Anlagen, die wie die Anlagen in der Einkommensteuer aussehen (die Formulare dazu finden Sie hier).

Praxis-Tipp: Der Lohnsteuerfreibetrag gilt für zwei Jahre. Ändern sich die steuerlichen Verhältnisse 2020 nicht gravierend, gilt der Lohnsteuerfreibetrag 2019 also auch noch im nächsten Jahr.

Lohnsteuerermäßigung: So funktioniert's

Bei der Lohnsteuerermäßigung 2019 beantragt der Arbeitnehmer einen Lohnsteuerfreibetrag. Der Lohnsteuerfreibetrag setzt sich aus den voraussichtlichen Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen sowie aus der Steueranrechnung für Handwerkerleistungen und haushaltsnahen Dienstleistungen zusammen. Der Arbeitgeber zieht diesen Freibetrag bei Ermittlung der Lohnsteuer vom Arbeitslohn ab und das Nettogehalt steigt durch den geringeren Lohnsteuereinbehalt. Arbeitgeber sollten ihre Mitarbeiter auf dieses Steuerprivileg hinweisen.

Voraussetzung für das Lohnsteuerermäßigungsverfahren ist, dass der Arbeitnehmer dem Finanzamt (voraussichtliche) Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen präsentiert und wie in der Steuererklärung plausibel erläutert. Die Auflistung dieser steuersparenden Ausgaben geschieht durch Abgabe eines amtlichen Formulars zur Lohnsteuerermäßigung.

Eine Checkliste zum Lohnsteuerfreibetrag gibt es hier.>>>

Antrag zur Lohnsteuerermäßigung 2019

Arbeitnehmer beantragen den Lohnsteuerfreibetrag 2019 beim Finanzamt. Bewilligt dieses den Freibetrag, wird er bei Ermittlung der Lohnsteuer für das Dezembergehalt abgezogen.

Lohnsteuerermäßigung 2019 – so wird gerechnet

Seit Oktober 2018 können Arbeitnehmer dem Finanzamt im Lohnsteuerermäßigungsverfahren 2019 die voraussichtlichen steuersparenden Kosten für 2019 auflisten. Den Lohnsteuerfreibetrag, den das Finanzamt für 2019 gewährt, wird gezwölftelt.

Das bedeutet im Klartext: Ein Lohnsteuerfreibetrag 2019 in Höhe von 3.600 Euro, der bis zum 31. Dezember 2018 beantragt wurde, bedeutet bei Ermittlung der Lohnsteuer 2019 von Januar 2019 bis Dezember 2019 einen monatlichen Lohnsteuerfreibetrag von 300 Euro und somit einen geringeren lohnsteuerpflichtigen Arbeitslohn von 300 Euro (3.600 Euro : 12 Monate). Beantragen Sie den Lohnsteuerfreibetrag erst im Mai 2019, winkt Ihnen ab Juni 2019 ein monatlicher Freibetrag von 514,28 Euro.

Der Lohnsteuerfreibetrag ist für zwei Jahre gültig.

Das bedeutet im Klartext: Beantragt ein Arbeitnehmer für 2019 einen Lohnsteuerfreibetrag, bliebt dieser auch 2020 gültig. Der Freibetrag 2020 muss jedoch von Ihnen mit einem neuen Antrag angepasst werden, wenn die Ausgaben 2020 deutlich unter den Ausgaben 2019 liegen.

Tipp: Einen kleinen Wermutstropfen müssen Arbeitnehmer jedoch schlucken. Gewährt das Finanzamt im Lohnsteuerermäßigungsverfahren einen Lohnsteuerfreibetrag, muss für dieses Jahr normalerweise zwingend eine Einkommensteuererklärung eingereicht werden. Schließlich möchte das Finanzamt wissen, ob die aufgelisteten – geschätzten – Steuersparkosten tatsächlich angefallen sind. Sind tatsächlich niedrigere Kosten angefallen, drohen durch die Einkommensteuerpflicht Steuernachzahlungen.

Doch auch hier gibt es eine Ausnahme: Beträgt der Arbeitslohn 2019 nicht mehr als 11.600 Euro/22.050 Euro (Ledige/zusammenveranlagte Eheleute), verzichtet das Finanzamt darauf, dass eine Steuererklärung abgegeben werden muss.

Die Antworten auf die häufigsten Fragen zum Lohnsteuerfreibetrag:

Eine Checkliste zum Lohnsteuerfreibetrag gibt es hier.>>>

Wie wirkt sich der Lohnsteuerfreibetrag 2019 aus?

Der Arbeitgeber behält 2019 weniger Lohnsteuer ein, wenn ein Lohnsteuerfreibetrag beantragt wird. Die ­Sozialversicherungsbeiträge, die vom Bruttogehalt abgezogen werden, ändern sich durch den Lohnsteuerfreibetrag nicht.

Konkret: Ein Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von 3.000 Euro und einem Lohnsteuerfreibetrag von 400 Euro im Monat kann sich 2019 über 86 Euro mehr Nettogehalt freuen.

Woher weiß mein Arbeitgeber, dass er einen Lohnsteuerfreibetrag berücksichtigen muss?

Der Arbeitgeber muss jeden Monat für die Ermittlung der korrekten Lohnsteuer die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) eines Arbeitnehmers beim Finanzamt abrufen. Beantragt ein Arbeitnehmer also im Januar 2019 erstmals einen Lohnsteuerfreibetrag, ist dieser erstmals im Februar 2019 zu berücksichtigen. Der Arbeitgeber erfährt davon durch Abruf der ELStAM für Februar 2019.

Wie beantrage ich den Lohnsteuerfreibetrag?

Den Lohnsteuerfreibetrag beantragen Sie durch das Ausfüllen des Formulars "Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung".   Für das Lohnsteuerermäßigungsverfahren 2019 ist Folgendes zu beachten:

  • Das bis 2017 bekannte sechsseitige Antragsformular wurde ersetzt durch einen Hauptvordruck und Anlage-Vordrucke. Letztere brauchen nur ausgefüllt und abgegeben werden, wenn sie tatsächlich benötigt werden.
  • Die Abfragen in den neuen Ermäßigungsvordrucken sind weitestgehend an die Vordrucke zur Einkommensteuererklärung angepasst.
  • Der Vordruck "Vereinfachter Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung" entfällt. Er ist in den neuen Hauptvordruck (Zeile 17 bis 19) integriert.

Der Lohnsteuerfreibetrag 2019 gilt dann automatisch auch für 2020. Der Lohnsteuerfreibetrag gilt also immer zwei Jahre lang. Erst im Lohnsteuerermäßigungsverfahren 2021 müssen Sie neue Angaben machen, sollten die steuerlich abziehbaren Ausgaben 2020 im Vergleich zu 2019 nicht drastisch zurückgehen..

Woher kenne ich meine Steuerausgaben für 2019?

Im Lohnsteuerermäßigungsantrag 2019 geht es um die voraussichtlich in 2019 anfallenden Ausgaben, die steuermindernd abgezogen werden können. Orientieren Sie sich dabei an den Steuerausgaben 2018 und erläutern Sie zusätzliche Ausgaben, die 2019 erstmals anfallen werden.

Wie überprüft das Finanzamt, ob meine Angaben zutreffen?

Sind Ihre Angaben halbwegs plausibel, wird das Finanzamt den Lohnsteuerfreibetrag für 2019 unproblematisch feststellen. Überprüfen wird es Ihre Angaben in der Einkommensteuererklärung 2019. Denn beantragen Sie einen Lohnsteuerfreibetrag 2019, ist die Abgabe einer Steuererklärung 2019 normalerweise Pflicht. Ausnahme: Nur wenn Ihr Bruttogehalt 2019 maximal 11.600 Euro/22.050 Euro (ledig/verheiratet) beträgt, verzichtet das Finanzamt auf eine Steuererklärung.

Für welche Ausgaben kann ich einen Lohnsteuerfreibetrag 2019 geltend machen?

Typisch sind für Arbeitnehmer Werbungskosten (Fahrtkosten zur Arbeit, Ausgaben für Meisterkurs, etc.), Sonderausgaben (Spenden, Kinderbetreuungskosten, etc.) und außergewöhnliche Belastungen (selbst getragene Kosten für Medikamente oder ärztliche Behandlungen). Zwei Besonderheiten sind bei diesen drei Ausgabenarten zu beachten:

  1. Von den erklärten Werbungskosten zieht das Finanzamt den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro ab, weil dieser Pauschbetrag in die Lohnsteuertabellen bereits eingearbeitet ist.
  2. Ein Lohnsteuerfreibetrag wird nur festgestellt, wenn diese drei Ausgabenarten (Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen) zusammen mehr als 600 Euro betragen.

Beispiel: Sie beantragen einen Lohnsteuerfreibetrag für ­Werbungskosten (Fahrtkosten) von a) 1.500 Euro oder von b) 3.000 Euro. Variante a: Nach Abzug des Arbeitnehmerpauschbetrags von 1.000 Euro bleibt nur noch ein Freibetrag von 500 Euro übrig. Da es nicht mehr als 600 Euro sind, wird für diese Werbungskosten kein Lohnsteuerfreibetrag gewährt. Variante b: Da nach Abzug des Arbeitnehmerpauschbetrags von 1.000 Euro noch 2.000 Euro Werbungskosten übrig bleiben, setzt das Finanzamt für 2019 einen Lohnsteuerfreibetrag fest.

Kann ich auch ­Vermietungsverluste präsentieren?

Ja, es ist nur eine Besonderheit zu beachten, wenn Sie planen, 2019 eine Immobilie zu kaufen oder zu bauen und voraussichtlich 2019 Vermietungsverluste erzielen. Für Vermietungsverluste im Jahr des Kaufs beziehungsweise der Herstellung gibt es keinen Lohnsteuerfreibetrag. Nur für die Vermietungsverluste ab dem zweiten Jahr der Vermietung winkt auf Antrag ein Lohnsteuerfreibetrag.

Kann ich Verluste aus einer gewerblichen Tätigkeit beantragen?

Ja. Im Gegensatz zu den Vermietungsverlusten im Jahr des Kaufs der Immobilie gewährt das Finanzamt für voraussichtliche Anlaufverluste im Jahr der Existenzgründung einen Lohnsteuerfreibetrag. Dasselbe gilt, wenn Sie sich 2019 eine Photovoltaikanlage auf dem Dach Ihres Eigenheims installieren lassen und hieraus 2019 erstmals gewerbliche Verluste geltend machen.

Meine Frau bekommt 2019 ein Kind. Kann ich ihre Steuerausgaben in meinem Lohnsteuerfreibetrag beantragen?

Das funktioniert. Doch es gibt eine Ausnahme: Werbungskosten aus nicht selbständiger Arbeit werden nur dem Ehegatten als Lohnsteuerfreibetrag zugerechnet, bei dem sie anfallen. Alle anderen Kosten können verteilt werden.

Beispiel: Hat Ihre Ehefrau einen Lohnsteuerfreibetrag von 6.000 Euro (2.000 Euro Werbungskosten und 4.000 Euro Sonderausgaben und Vermietungsverluste), dürfen nur 4.000 Euro auf Ihren Lohnsteuerfreibetrag übertragen werden.

Bin ich benachteiligt, wenn der Freibetrag abgelehnt wird?

Insgesamt betrachtet nein. Denn Sie haben ja die Möglichkeit, eine Steuererklärung für 2019 beim Finanzamt einzureichen. Dann zahlen Sie genau so viele Steuern wie mit dem Lohnsteuerfreibetrag.

Einziger Nachteil: Sie bekommen nicht Monat für Monat mehr Nettogehalt, sondern die Steuererstattung winkt erst Monate nach Ablauf des Steuerjahrs 2019 durch den Steuerbescheid für 2019.

Wie lange habe ich 2019 noch Zeit,  einen Lohnsteuer­freibetrag zu beantragen?

Arbeitnehmer und angestellte Gesellschafter-Geschäftsführer können für 2019 bis spätestens 30. November 2019 einen Lohnsteuerfreibetrag beantragen. Der gesamte Lohnsteuerfreibetrag 2019 wird dann vom Arbeitgeber im Monat Dezember 2019 berücksichtigt.

Das bedeutet im Klartext: Vom Dezembergehalt werden dann deutlich weniger Steuern einbehalten.

Downloads
  • Checkliste: Lohnsteuerfreibetrag (PDF, 200 kB)

    Die DHZ-Checkliste zeigt, wie hoch ihre Werbungskosten mindestens sein müssen, damit das Finanzamt einen Freibetrag für den Lohnabzug gewährt. mehr...

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