Änderung der 1. BImSchV Höhere Schornsteine bei Neubauten seit 2022 Pflicht

Feinstaub, der beim Heizen mit Holzöfen entsteht, soll die Luft in Wohngebieten weniger stark belasten. Deshalb müssen Schornsteine in einigen Fällen seit dem 1. Januar 2022 höher gebaut werden. Das bedeutet Mehrarbeit für Schornsteinfeger. Das sehen die neuen Ableitbedingungen vor.

Höhere Schornsteine Pflicht
Häuslebauer, die als Heizung einen Holzofen nutzen, müssen nun darauf achten, dass der Schornstein hoch genug ist. - © Natalia – stock.adobe.com

Beim Verbrennen von Holzscheiten, Pellets und Hackschnitzeln setzen Heizungsanlagen Feinstaub frei. Feinstaub konkreter gefasst meint gesundheitsgefährdende Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Dioxine und Furane. Diese gelangen durch die Schornsteine ins direkte Wohnumfeld. Um hier einen besseren Schutz zu gewährleisten, haben Bundestag und Bundesrat 2021 gemeinsam eine Änderung der Ersten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV) beschlossen. Im Fokus steht dabei §19 mit Festlegungen für die Ableitbedingungen für Abgase aus dem Verbrennen der Feststoffe.

Die Ableitbedingungen wiederum sind durch Höhe und genaue Lage der Schornsteine auf dem Dach eines Gebäudes bestimmt. Die Schornsteine sollen die Abgase so in die Umgebungsluft leiten, dass sie möglichst weit nach oben gelangen und nicht zur Belastung der Gebäudebewohner und deren Nachbarn werden. Genau hier hat der Gesetzgeber nachgebessert bzw. die vorherigen Bedingungen präzisiert.

Höhere Schornsteine für weniger Feinstaub

Mitte Oktober 2021 ist die Änderung der Verordnung im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden. Damit ist die Änderung am 1. Januar 2022 in Kraft getreten. Die angepasste Verordnung lässt zwar die vorherigen Vorgaben in großen Teilen bestehen, doch sie führt Angaben viel konkreter aus und legt neue Grenzen fest.

Eine wesentliche Änderung der Ableitbedingungen ist allerdings vorgesehen durch die Festlegung, dass die Öffnung neu errichteter Schornsteine am Dachfirst, dem höchsten Punkt des Hauses, angebracht sein muss. Den First muss der Schornstein hier um mindestens 40 Zentimeter überragen. Bis zum Jahreswechsel konnten Schornsteine auch an anderen Stellen auf dem Dach hinausragen. Diese Neuerung bringt aus Sicht von Michael Erlhof, Vorstand Technik des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks, mit sich, dass Häuslebauer bei der Planung und Neuerrichtung eines Gebäudes der Lage des Schornsteins mehr Bedeutung beimessen müssen. "Ein nachträglicher Einbau wird in der Regel aufwendiger und möglicherweise auch kostenintensiver", sagt er.

Änderung der 1. BImSchV: Diese Anlagen sind betroffen

Von der Neuregelung betroffen sind Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe. Das können sein: Holzheizungsanlagen für Scheitholz, Pellets oder Hackschnitzel, und Einzelraumfeuerungsanlagen wie Kaminöfen für Scheitholz oder Pellets, Herde, Kamineinsätze, Grundöfen oder auch Räucherschränke. Gewerblich genutzte Anlagen für feste Brennstoffe wie Holzkohlegrillanlagen oder Räucherkammern, für die Schornsteine neu errichtet werden sollen, unterliegen auch den neuen Regelungen.

Unterschiede zwischen der alten und neuen 1. BImSchV gibt es außerdem bei Vorgaben hinsichtlich der Schornsteinhöhen je nach Dachneigung, also je nachdem, wie steil oder flach das Dach ist. Der Gesetzgeber unterscheidet nach den Anlagengrößen. Umso mehr Gesamtwärmeleistung in Kilowatt eine Anlage aufweist, umso höher muss auch der Schornstein gebaut werden. Dabei gibt es genaue Abstufungen der Anlagengrößen und Vorgaben bezüglich der Höhen und wie weit Oberkanten von Lüftungsöffnungen, Fenstern und Türen der Nachbargebäude in einem bestimmten Umkreis überragt werden müssen. Die neuen Abstufungen und Höhenvorgaben kann man hier nachlesen.>>>

Höhere Schornsteine: Statische Prüfung eventuell erforderlich

Dadurch ergeben sich in bestimmten Fällen sehr große Schornsteinhöhen. Diese ermittelt man nach einer bestimmten Berechnungsformel, erklärt Michael Erlhof. Durch die Neuregelungen wird aus Sicht des Schornsteinfegerhandwerks der Beratungsbedarf steigen, in der Planungs- und Errichtungsphase eines Gebäudes, genauso wie bei der Neuerrichtung von Schornsteinen bei bestehenden Gebäuden. Michael Erlhof nennt als Problem, das sich ergeben kann, dass die höheren Schornsteine dann auch in den Geltungsbereich der freistehenden Schornsteine kommen könnten. Dann seien statische Nachweise zu erbringen.

Grundsätzlich wichtig zu wissen ist allerdings, dass die neuen Vorgaben nur bei Neubauten und nicht bei bereits errichteten Schornsteinen greifen. "Die neuen Anforderungen gelten nicht für bestehende Anlagen – auch nicht, wenn eine wesentliche Änderung vorgenommen wird wie etwa der Austausch eines Kaminofens oder eines Holzheizkessels", sagt Michael Erlhof. Das greift sogar dann, wenn ein Öl- oder Gasheizkessel gegen einen Heizkessel für Scheitholz, Pellets oder Hackschnitzel ausgetauscht wird. Zudem sieht die Verordnung vor, dass in Fällen eines unverhältnismäßigen Aufwands generell die bisherigen Regelungen Anwendung finden können. "Allerdings sind hier enge Grenzen gesetzt", sagt der Verbandsvertreter.

Höhere Schornsteine – weniger Nachbarschaftsbeschwerden

Die Neuformulierung der 1. BImSchV war deshalb nötig geworden, um die Luftverschmutzung mit gesundheitsgefährdenden Stoffen zu reduzieren. Durch die Neuregelungen soll laut Begründung des Bundesrates ein besserer Abtransport der Abgase in die freie Luftströmung erfolgen. Ein Ansammeln von Abgasen in dichter Wohnbebauung würde somit verhindert. Außerdem sollen es zu weniger Nachbarschaftsbeschwerden durch Rauchbelästigung kommen.

Kritik an den Neuerungen gab es allerdings bereits in der Bundesratssitzung, die dennoch zum Beschluss führte. Die Länder kritisierten, die Bundesregierung habe es versäumt, in der Verordnung bestimmte Passagen zu relevanten Normen auf den aktuellsten Stand zu bringen. So enthalte die neue Verordnung noch Bezüge auf ältere DIN-Normen und europäische Rechtsnormen, die etwa das verwendete Material oder die Temperaturbedingungen beim Bau von Schornsteinen betreffen. Auch hier sollten Aktualisierungen vorgenommen werden.

Der Bundesrat hat die Bundesregierung aufgefordert, die genannten Bezüge zu den Normen schnellstmöglich zu aktualisieren. Michael Erlhof weist darauf hin, dass sich einige Normenbezüge durch Überarbeitung und Neuerscheinung geändert haben. "Wenn es statische Verweise sind, müsste bei Vollzug der 1. BImSchV auch auf den dann veralteten Stand der Normen zurückgegriffen werden", warnt er.

Bis heute hat allerdings keine Überarbeitung der Normen stattgefunden. Soll dies geschehen, müsste der Gesetzgeber die Verordnung nochmals anpassen.