Konjunkturspiegel im Handwerk Höchstes Umsatzplus seit Einheit erwartet

Das deutsche Handwerk ist weiterhin in Hochform und erwartet auch im vierten Quartal 2011 trotz schlechterer Bedingungen einen positiven Geschäftsverlauf. Die Umsätze werden auch in diesem Quartal deutlich über dem Vorjahresniveau liegen, wie der aktuelle Konjunkturspiegel der Deutschen Handwerks Zeitung zeigt.

Bauwirtschaft: "Betongold" in Zeiten der Finanzkrise attraktive Anlagealternative. - © dapd

Der Handwerksumsatz nahm den Angaben zufolge in den ersten neun Monaten 2011 um nominal rund sieben Prozent zu. Damit wird das Handwerk aller Voraussicht nach 2011 das höchste Umsatzplus seit dem Einheitsboom vor 20 Jahren erzielen. Das Handwerk wachse damit auch schneller als die Gesamtwirtschaft.

In der Bauwirtschaft hat sich der Aufwärtstrend im 3. Quartal 2011 fortgesetzt. Als stärkster Wachstumsträger erwies sich weiterhin der Wohnungsbau. Dafür spricht das kräftige Plus von 29 Prozent bei den Baugenehmigungen in der ersten Jahreshälfte, das nun nach und nach produktionswirksam wird.

Zudem haben die günstigen Rahmenbedingungen – wie das historisch niedrige Zinsniveau und die wachsende Arbeitsplatzsicherheit – die Wohnungsbautätigkeit gefördert. Schließlich scheinen viele Anleger angesichts der Finanzkrise das „Betongold“ wieder als attraktive Alternative in Erwägung zu ziehen.

Auch die Bestandsinvestitionen nahmen spürbar zu, wovon insbesondere das Ausbauhandwerk profitierte. Die gewerblichen Baumaßnahmen stiegen infolge des Konjunkturaufschwungs ebenfalls, wobei vor allem bei den Fabrikgebäuden überdurchschnittliche Zuwächse zu beobachten waren. Im öffentlichen Bau macht sich das Auslaufen der Konjunkturpakete negativ bemerkbar. Andererseits wirkt die inzwischen verbesserte Finanzlage der Kommunen investitionsstützend.

Weniger Wachstum beim gewerblichen Bedarf

Im Maschinen- und Werkzeugbau verdichten sich die Anzeichen, dass die Branche auf einen flacheren Wachstumspfad einschwenkt. So nehmen die Bestellungen jetzt langsamer zu als noch zu Jahresbeginn. Die nachlassende Dynamik ist aber im Wesentlichen eine zyklische Reaktion auf die stürmische Aufholjagd und somit eher als Normalisierungsprozess zu interpretieren. Dämpfungseffekte infolge der Staatsschuldenkrise sowie der globalen Konjunkturabkühlung waren bisher kaum festzustellen.

Getragen wird die Entwicklung nach wie vor von der Auslandsnachfrage und der hohen Investitionsbereitschaft der Inlandskunden. Die Produktion lief dank der prall gefüllten Auftragsbücher unverändert auf Hochtouren. Die Landmaschinenmechaniker befinden sich gleichfalls weiter im Aufwind. Ein Beleg hierfür ist der deutliche Anstieg der Traktoren-Zulassungen.

Belebung des Neuwagenabsatzes

Der Automarkt setzt seinen Erholungskurs fort. Die Pkw-Neuanmeldungen von Juli bis September haben den Vorjahreswert um 11,6 Prozent übertroffen. Gefragt waren insbesondere die – umsatzträchtigen und vorwiegend gewerblich genutzten – Modelle der oberen Mittelklasse und des Premiumsegments.

In den ersten drei Quartalen 2011 haben sich die Neuzulassungen um 10,8 Prozent erhöht. Das Privatkundengeschäft wuchs dabei um fünf Prozent und die gewerblichen Anmeldungen um 15 Prozent.

Erfreulicherweise ging die Belebung des Neuwagenabsatzes mit einem massiven Rückgang der Insolvenzen einher: Die Zahl der Pleiten in der Kfz-Branche ist im 1. Halbjahr 2011 um gut ein Viertel gegenüber dem Vorjahr gesunken. Der Gebrauchtwagenhandel hat ebenfalls angezogen und verzeichnete für die ersten neun Monate einen Anstieg der Besitzumschreibungen um 3,6 Prozent. Schließlich erbrachten auch das Service- und das Teilegeschäft steigende Umsatzergebnisse.

Grillmarkt bricht ein

Bäcker, Metzger und Konditoren waren mit ihren Verkäufen der vergangenen Monate weitgehend zufrieden. Allerdings dürfte die Saisonbelebung wegen des zum Teil verregneten Sommers etwas schwächer als üblich ausgefallen sein. So brach der Grillmarkt um 22 Prozent ein, wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ unter Hinweis auf Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) berichtete. Betroffen waren hiervon insbesondere Metzgerbetriebe und Brauereien.

Im Bäckerhandwerk kann die positive Grundtendenz nicht darüber hinwegtäuschen, dass steigende Rohstoff- und Energiepreise die Fachgeschäfte belasten. Zudem macht ihnen der nicht immer faire Konkurrenzkampf durch die großen Discounter zu schaffen.

Nachfrageimpulse fehlen

Gewerbe für privaten Bedarf: Die Gesundheitshandwerker verzeichneten im Sommerquartal urlaubsbedingt einen verhaltenen Geschäftsverlauf. Unabhängig davon setzen sie ihren moderaten Wachstumskurs fort. Der Umsatz stieg – ähnlich wie in der ersten Jahreshälfte – um zwei bis drei Prozent. Auf dem Friseurmarkt kommt der Stabilisierungsprozess mühsam voran, für eine nachhaltige Trendwende fehlen nach wie vor die entscheidenden Nachfrageimpulse. In den übrigen konsumnahen Handwerkszweigen nahmen die Umsätze weiter zu. Dabei erzielten Uhrmacher, Juweliere und die Goldschmiede aufgrund der Gold-Hausse zum Teil wieder zweistellige Zuwachsraten.