Arztkosten bei Heuschnupfen absetzen Heuschnupfen: Pillen gegen Pollen

Sie fliegen wieder: Als erstes kommen Hasel- und Erlenpollen, dann folgt die Birke. Auch wenn sich die meisten Menschen zu Ende des Winters nach Frühling sehnen, ist die Freude für Allergiker nicht ungetrübt. Zur Atemnot kommen mitunter hohe Behandlungskosten. Welche Mittel wann helfen, was Sportler beachten müssen und was das Finanzamt dazu sagt.

Schon ab Januar fliegen die ersten Pollen. - © Jürgen Fälchle/fotolia.com

Mit steigenden Temperaturen beginnt die Heuschnupfenzeit. Schon jetzt sind Hasel- und Erlenpollen in der Luft. Die aggressiven Birkenpollen werden in Kürze folgen, warnt der Apothekerverband Nordrhein.

Über 25 Prozent der Deutschen leiden demnach unter Allergien. Welches Medikament für welchen Patienten am besten geeignet ist, hängt unter anderem von der Stärke der Allergie ab, erläutert Werner Heuking, Pressesprecher der Apotheker in Nordrhein.

Leichter Heuschnupfen: Nasensprays und Augentropfen helfen

Für leichte Beschwerden kommen antiallergische Nasensprays und Augentropfen in Frage. Sie wirken direkt dort, wo die Symptome auftreten. Außerdem können sie mehrfach täglich eingesetzt werden. Im Gegensatz zu abschwellenden Schnupfensprays, die nur maximal eine Woche angewendet werden dürfen, weil sie den Nasenschleimhäuten schaden können, haben antiallergische Nasensprays diese Nebenwirkung nicht.

Bei stärkeren Beschwerden können auch Sprays mit Kortison eingesetzt werden. Bei Kortisonen handelt es sich um Hormone aus der Nebennierenrinde, die unter anderem entzündungshemmend wirken. Durch ihren direkten, lokal begrenzten Einsatz entfalten die Sprays ihre positive antiallergische Wirkung nur im Nasen-Rachen-Raum.

Antihistaminika gegen Heuschnupfen

Wer trotz Nasenspray und Augentropfen weiter leidet, kann versuchen, ob ihm Tabletten helfen: "Die Wirkstoffe in den Tabletten heißen Antihistaminika. Sie blockieren den körpereigenen Botenstoff Histamin, der die allergischen Symptome entscheidend mit auslöst“, erklärt Werner Heuking. Aber: Die Mittel haben häufig Nebenwirkungen. Statt wegen des Heuschnupfens abgeschlagen zu sein, fühlen sich die Patienten dann wegen der Tabletten müde, ihr Reaktionsvermögen ist oft eingeschränkt.

Sport trotz Heuschnupfen

Sport trainiert die Lungen, was gerade Allergikern gut tut. In der Heuschnupfensaison sind viele Betroffene aber verunsichert, ob die Fitnesseinheit im Freien sinnvoll für sie ist. Utta Petzold, Allergologin bei der Barmer Versicherung, gibt Entwarnung: „Allergiker können in der Heuschnupfensaison ohne größere Einschränkungen Sport treiben, wenn sie zum Beispiel vor dem Training ein Antihistaminikum einnehmen und nach dem Training die Kleidung sofort wechseln und sich gründlich abduschen.“

Folgende Punkte sollten sportliche Allergiker außerdem beachten:

  • Pollenflugvorhersage verfolgen und die Trainingseinheiten in eine belastungsarme Zeit legen
  • vor dem Training gründlich aufwärmen
  • eine Sportbrille tragen, um die Augen zu schützen
  • Sportstrecken meiden, die an blühenden Bäumen, Wiesen oder Feldern vorbeiführen
  • optimal sind Sporteinheiten nach Regenschauern oder in Nadelwäldern

Zeigen sich trotz der Vorsichtsmaßnahmen Symptome wie Reizhusten und -schnupfen, geschwollene Augenlider oder gar Atemnot, sollte der Allergiker seine Sporteinheit abbrechen, rät Petzold. Treten solche Symptome zum ersten Mal auf, sollte der Betroffene den Rat eines Arztes einholen.

Etagenwechsel: Asthma droht

Auch die beste Therapie gegen Heuschnupfen schützt nicht vor einem "Etagenwechsel“. Die Allergie "wandert“ dann von den Augen über die oberen Atemwege in die Lunge und Bronchien und löst dort Asthma aus.

Wer dieses Risiko so weit wie möglich ausschließen möchte, sollte sich bei seinem Arzt nach einer spezifischen Immuntherapie oder Hyposensibilisierung erkundigen. Bei dieser langfristig angelegten Behandlung wird der Körper über eine längere Zeit an die Allergieauslöser gewöhnt. Die überschießende Reaktion des Immunsystems kann dadurch langfristig deutlich gemildert werden.

Schnupfen oder Heuschnupfen unterscheiden

Wer sich nicht sicher ist, ob seine laufende Nase von einer Erkältung herrührt oder allergisch bedingt ist, kann folgende Punkte als Unterscheidungsmerkmale berücksichtigen.

  • Zeitpunkt: November und Dezember gelten als Zeit ohne Pollenflug. Wer hier unter einer laufenden Nase leidet, hat eher eine echte Erkältung - oder eine Allergie gegen Hausstaubmilben. Ab Januar verstärkt sich der Pollenflug. Ein Überblick zum Pollenflug steht hier. Der Deutsche Wetterdienst hat einen Gefahrenindex zum Pollenflug .
  • Juckreiz und Niesen sind typische Merkmale einer Allergie
  • Fieber und Schüttelfrost treten bei Allergie normalerweise nicht auf und deuten auf eine Erkältung.
  • Nasensekret: allergischer Schnupfen ist meist klar und wässrig. Bei einer klassichen Erkältung verfärbt sich das Sekret eher gelb-grün.

Arztkosten von der Steuer absetzen

Viele Allergiker bekommen nicht alle Medikamente und Therapien gegen ihren Heuschnupfen voll von der Krankenkasse ersetzt. Sie können versuchen, einen Teil der Ausgaben von der Steuer abzusetzen.

Allerdings wirken sich bei vielen Steuerzahlern die eigentlich absetzbaren Kosten nicht Steuer mindernd aus. Der Grund ist, dass das Finanzamt beim Abzug außergewöhnlicher Belastungen erst eine zumutbare Belastung nach § 33 EStG berechnet. Danach muss jeder Steuerzahler nach Höhe seiner Einkünfte und Familienstand einen Teil selbst bezahlen und nur die übersteigenden Arzt- oder Arzneikosten sind steuerlich absetzbar. Faustformel: Je höher der Einkünfte, desto höher fällt diese zumutbare Eigenbelastung aus.

Je höher die Kosten, desto wichtiger das Attest

Beispiel: Ein Handwerker leidet fürchterlich unter Heuschnupfen. Die Krankenkasse übernimmt von einer kostspieligen Behandlung beim Heilpraktiker mit Eigenblutbehandlung nur zwanzig Euro pro Sitzung, so dass er 1.000 Euro aus eigener Tasche zahlen muss. Folge: Ermittelt das Finanzamt nun eine zumutbare Eigenbelastung von 1.500 Euro, wirkt sich kein Cent seiner Zuzahlungen Steuer mindernd aus.

Tipp: Dass sich das Finanzamt auch an ungewöhnlichen Kosten im Zusammenhang mit Heuschnupfen beteiligt, beweist ein Urteil des Bundesfinanzhofs aus dem Jahr 2007. Hier ließen Eltern auf ihrem Grundstück für 7.700 Euro 67 Birken in ihrem Garten fällen, weil ihre Tochter unter einer nachweisbaren Allergie gegen Pollen dieser Bäume litt (Urteil v. 15.3.2007, Az. III R 28/06). Je höher die Kosten, desto wichtiger ist es, vor Beginn der Behandlung ein amtsärztliches Attests einzuholen, das die Notwendigkeit einer medizinischen Behandlung bestätigt. dhz

Weitere Steuertipps gibt es imDHZ-Steuerarchiv .

Dieser Artikel wurde am 13. März 2017 aktualisiert.