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UV-Strahlung Hautkrebs: Azubis nehmen Gefahr nicht ernst – Chefs in der Pflicht

Keine andere Berufskrankheit kommt in der Bauwirtschaft häufiger vor als der weiße Hautkrebs. Die BG BAU hat nun Azubis befragt, was sie über die Gefahren durch UV-Strahlung wissen und wie sie sich schützen. Ergebnis: Die meisten Azubis kennen zwar die Gefahr, handeln aber offenbar nicht. Was Arbeitgeber dagegen tun können und müssen.

Zu viel Sonnenbaden ist gefährlich, darüber sind sich neun von zehn Auszubildende bewusst. Jedoch wird die Gefahr massiv unterschätzt, wie die BG BAU in einer Befragung von 113 Auszubildenden aus unterschiedlichen Gewerken der Baubranche feststellen musste. So gab ein Drittel der Befragten an, dass UV-Strahlung erst nach einigen Stunden schädigend auf die Haut wirkt – oder dass Wolken einen ausreichenden Schutz gegen die UV-Strahlung bieten können.

Die Realität sieht anders aus: So können bestimmte Wolkenformationen die Wirkung der Sonne sogar verstärken. Die Dauer, wie lange sich ein Mensch ohne Schutz in der Sonne aufhalten kann, ist abhängig vom Hauttyp, liegt jedoch bei den meisten Deutschen zwischen zehn und 30 Minuten.

Nur 17 Prozent der Befragten nutzen Sonnenschutzcreme

Wissenslücken wie diese und fehlendes Risikobewusstsein führen dazu, dass nur 20 Prozent der jungen Menschen den Schutz vor Sonnenstrahlen ernst nehmen. Lediglich 17 Prozent der Befragten nutzen Sonnenschutzcreme, einen Sonnenbrand halten 57 Prozent für nicht gefährlich. Entsprechend haben nur 25 Prozent Bedenken, den ganzen Tag in der Sonne zu arbeiten. Immerhin: 83 Prozent wissen, dass richtige Bekleidung vor den Strahlen schützt. Dennoch tragen nur spärliche 15 Prozent bei der Arbeit im Sommer lange, abdeckende Kleidung – ein Drittel bedeckt zumindest den Kopf.

"Vor dem Hintergrund, dass gerade Verbrennungen in jungen Jahren schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können, sind die Ergebnisse besorgniserregend", sagt Anette Wahl-Wachendorf, Leiterin des Arbeitsmedizinischen Dienstes der BG BAU. "Durch UV-Strahlung geschädigte Haut vergisst nichts, Hautkrebs kann die Folge sein", warnt sie.

Hautkrebs häufigste Krebsart in Deutschland

Tatsächlich ist Hautkrebs die häufigste Krebsart in Deutschland. Insgesamt erkranken jährlich rund 270.000 Menschen in Deutschland neu. Die Ursachen – zu viel UV-Strahlung – liegen meist schon Jahrzehnte zurück, denn es dauert 20 bis 30 Jahre, bis sich der Krebs entwickelt. Auch in der Statistik der Berufsgenossenschaften ist der weiße Hautkrebs die am häufigsten gestellte Verdachtsmeldung. Seitdem dieser im Jahr 2015 als Berufskrankheit anerkannt wurde, sind bereits mehr als 3.000 Anzeigen eingegangen. Durch den Klimawandel nimmt die Gefahr weiter zu. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz feststellt, sind die Zahlen UV-bedingter Hautkrebs-Erkrankungen seit Jahren steigend.

Sonnenschutz am Arbeitsplatz: Wozu Arbeitgeber verpflichtet sind

Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip ergreifen

Besonders gefährdet sind Personen, die viel im Freien arbeiten. Dazu gehören Beschäftigte der Bauwirtschaft und baunaher Dienstleistungen. Arbeitgeber sind verpflichtet, geeignete Sonnenschutzmaßnahmen in die Gefährdungsbeurteilung aufzunehmen. Dies gilt vor allem für Mitarbeiter, die regelmäßig länger als eine Viertelstunde direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, so die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV).

Technische Schutzmaßnahmen sollten insbesondere in den Monaten von März bis September bei regelmäßigem Aufenthalt an sonnigen Tagen im Freien von mindestens einer Stunde in der Zeit von ca. elf bis 15 Uhr ergriffen werden, empfiehlt die DGUV. Wie bei allen Schutzmaßnahmen gilt laut Arbeitsschutzgesetz das TOP-Prinzip. Bedeutet: Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen haben immer Vorrang vor persönlichen Schutzmaßnahmen.

Als Beispiel für eine technische Maßnahme nennt Frank Werner, stellvertretender Präventionsleiter der BG BAU, Sonnenschirme oder Sonnensegel, mit denen Arbeitgeber für Schatten am Outdoor-Arbeitsplatz sorgen können. Organisatorisch empfiehlt er zu prüfen, ob Tätigkeiten in den Schatten oder in weniger sonnenintensive Zeiten verlegt werden können. "Zu den persönlichen Schutzmaßnahmen gegen solare UV-Strahlung zählen das Tragen langer Kleidung und einer geeigneten Kopfbedeckung (Helm bei Helmpflicht) mit Nackenschutz sowie das regelmäßige Eincremen exponierter Stellen wie Gesicht, Ohren und Handrücken", so Werner. Die DGUV bietet auf ihrer Seite ein ausführliches FAQ zu den TOP-Schutzmaßnahmen vor Sonnenstrahlung.

Das UV-Schutz-Mittel für die persönlichen Schutzmaßnahmen muss vom Arbeitgeber bereitgestellt werden. Bieten Mitgliedsunternehmen ihren Beschäftigten darüber hinaus spezielle Schutzkleidung, beteiligt sich die BG BAU auf Antrag mit bis zu 50 Prozent der Kosten.

Arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten

Arbeitgeber, deren Mitarbeiter und Auszubildende "Tätigkeiten im Freien mit intensiver Belastung durch natürliche UV-Strahlung von regelmäßig einer Stunde oder mehr je Tag" ausüben, müssen diesen Beschäftigten zudem eine arbeitsmedizinische Vorsorge durch den Betriebsarzt anbieten, erklärt Werner. So schreibt es die 2019 geänderte Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung (ArbMedVV) vor. Die BG BAU bietet hierzu ein Musteranschreiben an.

Arbeitsanweisung ausarbeiten und unterzeichnen lassen

Darüber hinaus müssen Arbeitgeber eine Arbeitsanweisung ausarbeiten und diese von allen Beschäftigten unterzeichnen lassen. Auch hierzu findet sich eine Muster-Betriebsanweisung auf der Website der BG BAU.

Was tun, wenn sich Mitarbeiter weigern?

Sollten Auszubildende und Mitarbeiter trotz der getroffenen Schutzmaßnahmen mit Unverständnis auf die Vorgaben reagieren, empfiehlt Werner das persönliche Gespräch. Als Argumentationshilfe könnten die Zahl der Hautkrebserkrankungen dienen. "An dieser Stelle sollte den Auszubildenden klar gemacht werden, dass es hier um ihre eigene Gesundheit geht." Darauf würden auch die Ärzte bei der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung hinweisen. "Im Einzelfall hat es sich herausgestellt, dass auch eine Betriebsvereinbarung zum Thema UV-Schutz helfen kann, die Thematik ernst zu nehmen", so Werner. Verstöße gegen die Vorgaben des Chefs können dann mit Verweis auf die schriftliche Vereinbarung abgemahnt werden. 

So viel Sonnencreme müssen Sie wirklich auftragen

Wie viel Sonnencreme muss ich auftragen und wie lange bin ich damit geschützt? Im Video zeigt die Deutsche Handwerks Zeitung, wie viel von welcher Sonnencreme nötig ist, um die Hautkrebs-Gefahr zu bannen.

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