Energiekosten abfedern Handwerkspräsident fordert Energiepreisbremse und Härtefallhilfen

Die steigenden Energiepreise gefährden die Existenz kleiner und mittlerer Handwerksbetriebe. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks meint: Der Staat sollte einspringen, um den Anstieg zu dämpfen.

Steigende Energiekosten gefährden handwerkliche Existenzen. - © Kzenon - stock.adobe.com

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) dringt angesichts steigender Gas- und Strompreise auf Entlastungen. "Um die Wirkung der Gaspreise abzufedern, fordern wir eine Preisbremse beim Großhandel und zudem gezielte Härtefallhilfen bei den dann immer noch besonders betroffenen Betrieben", sagt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer.

"Die Lage ist ernst und gefährdet unsere handwerklichen Existenzen", warnt auch Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. Arbeits- und Ausbildungsplätze in den kleinen und mittleren Betrieben des Handwerks stünden auf dem Spiel. Die Energiewende drohe zu scheitern, wenn die Betriebe vorher zahlungsunfähig werden.

Um den Gaspreis bereits im Großhandel "abzubremsen", schlägt der ZDH die Festlegung eines Referenzpreises vor. Als möglichen Referenzpreis bringt der Verband 150 Euro pro Megawattstunde ins Spiel, was dem Doppelten des Preises kurz vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine entspreche. Die Differenz zum aktuellen Marktpreis würde nach Wollseifers Vorschlag der Staat übernehmen. Die Rechnungen der Gaslieferanten begleichen würde im Auftrag des Staates die Trading Hub Europe als Gemeinschaftsunternehmen der Gas-Fernleitungsnetzbetreiber.

Energiekosten abfedern, um Existenz der Betriebe zu sichern

Für künftige Preisanstiege sollte aus ZDH-Sicht gelten: Unternehmen würden nur ein Fünftel davon selbst tragen, den Rest übernähme der Staat – die Berechnungszeiträume für diese Sprünge müssten noch festgelegt werden. Preissteigerungen wären dabei weiter möglich und damit auch Anreize zum Sparen und Ersetzen von Gas, so der ZDH. Gedacht wäre diese Regelung nur für kleine und mittlere Unternehmen. Für diese entfiele dann auch die Gasumlage zur Stützung von Importeuren – die Importeure erhielten ja schließlich die Marktpreise.

"Unsere Betriebe stehen vor den gleichen Herausforderungen wie private Haushalte, allerdings mit dem Unterschied, dass für Privathaushalte aktuell im Detail über mögliche Hilfen diskutiert wird", beklagte Wollseifer. Dabei seien viele Handwerksbetriebe auf eine Abfederung des Energiepreises angewiesen, um zu überleben. Zumal viele Betriebe außerdem wegen der stark steigenden Material- und Rohstoffpreise sowie den Folgen der Corona-Pandemie belastet seien. "Erschwerend kommt zudem auf der Nachfrageseite hinzu, dass zunehmend Kaufzurückhaltung zu spüren ist", so Wollseifer.

Unternehmen, die besonders viel Energie verbrauchen oder durch die hohen Preise in ihrer Existenz gefährdet sind, sollten zudem staatliche Zuschüsse nach Härtefallregelungen erhalten, so der ZDH.

Handwerkskammer Dresden: "Möglichst viel Energie im Land selbst herstellen"

Neben Hilfsmaßnahmen müsse der Staat außerdem unabhängiger von ausländischer Energie werden. "Damit die Preise in der jetzigen Krise sinken, muss in Deutschland mehr Energie produziert werden als bisher – egal, ob durch erneuerbare Energie oder durch Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerke", sagt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. Notwendig sei "ein Kurswechsel" in der bisherigen Energiepolitik. Verbliebene Kohle- und Atomkraftwerke müssten weiterbetrieben werden.

Zudem spricht sich der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden dafür aus, diejenigen verstärkt zur Kasse zu bitten, die von der Energiekrise profitieren: "Einige Unternehmen haben in der aktuellen Krisensituation ihre Umsätze und Gewinne massiv steigern können. Es ist legitim diese, beispielsweise durch eine Sonderabgabe, an den Krisenkosten zu beteiligen." Hier müssten spekulativ erwirtschaftete Übergewinne abgeschöpft werden, so Brzezinski. dpa/fre