Menschen + Betriebe -

Gegen den Wegwerftrend Handwerker will die "Reparatur-Revolution"

Lieber neu kaufen statt zu reparieren? Elektrogeräte werden oft als reine Wegwerfartikel gesehen. Die Vangerow GmbH stemmt sich gegen diesen Trend – und setzt sich mit der "Reparatur-Revolution" für das reparierende Handwerk ein.

Was tun, wenn die Waschmaschine oder der Kaffeeautomat defekt ist? Eine neue kaufen – das ist oft der erste Gedanke, der einem kommt. "Viele denken einfach nicht daran, dass auch eine Reparatur möglich ist", sagt Steffen Vangerow von der Vangerow GmbH, die auf Reparaturdienstleitungen spezialisiert ist. Diese Einstellung liege an der Wegwerfgesellschaft, die von günstigen Preisen, Werbung und Konsum geprägt ist. "Das was wir machen ist das genaue Gegenteil, wir erhalten Leben", sagt der Informationselektroniker für Geräte und Systeme.

Die Vangerow GmbH aus Reutlingen wurde 1957 von den Brüdern Heinz und Kurt Vangerow gegründet und war auf die Reparatur von Elektro- und Fernsehgeräten spezialisiert. "In den 80er Jahren hat mein Vater den Betrieb übernommen, aber wir haben zunehmend Probleme bekommen", sagt Sohn Steffen Vangerow. Neue Ideen mussten her. Nach und nach richtete sich der Betrieb am Fachhandel aus, ging in den Garantiebereich über und konzentrierte sich später auf die Reparatur weißer Ware. Darunter fallen Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Geschirrspüler. Ende der 2000er kam die Nachgarantie-Reparatur von Kaffeevollautomaten dazu. "Wir waren damals mit die ersten, die diese Leistung angeboten und verbreitet haben", sagt Vangerow. In ihrer Werkstatt tüftelten sie an den Maschinen und wollten den Verbrauchern so zeigen, dass eine Reparatur möglich und lohnenswert ist.

Online-Plattformen für Handwerksdienstleistungen

Um auch anderen eine Plattform zu bieten, entwickelten die Vangerows Netzwerke, bei denen Handwerker ihre Dienstleistungen anbieten können. Den Start machte "Gerätemacher", ein Online-Reparatur-Portal, auf dem Verbraucher Fachwerkstätten für die Reparatur von elektrischen und elektronischen Geräten finden konnten. Mit den Jahren kamen weitere Online-Plattformen dazu. "Als Elektrohandwerker wollen wir zeigen, dass Reparatur ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit ist", so Vangerow. Sie verlängert die Nutzungsdauer von Geräten und spart damit eine Menge Müll.

Müllvermeidung durch Reparatur

Wie groß das Potenzial der Müllvermeidung ist, veranschaulicht er an einem Beispiel. Auf ihrer Online-Plattform "MeinMacher“ führten sie eine Umfrage unter Handwerkern durch, wie viele Haushaltsgroßgeräte repariert wurden. Das Ergebnis: Aneinander gereiht würden die Geräte eine  Strecke von Stuttgart nach Berlin und wieder zurück ergeben. "Daran sieht man, wie viel Elektromüll vermieden werden kann", sagt Vangerow und ergänzt: "Denn oft sind nur Kleinigkeiten kaputt, die ein Fachmann schnell beheben kann." Vor allem Küchengeräte wie Kaffeemaschinen oder ein Thermomix – Geräte, mit denen Verbraucher oft zu ihnen in die Werkstatt kommen - ließen sich schnell und einfach reparieren. "Kaffeemaschinen machen bei uns den Großteil an Reparaturen aus", sagt Vangerow. Das liege daran, dass an den Maschinen viel kaputt gehen kann, sie wartungsintensiv sind und als Statussymbol gelten. Als Handwerker lohne es sich deshalb, auf Küchengeräte und weiße Ware zu setzen. Der Informationselektroniker sieht neben den ökologischen und ökonomischen, noch weitere Vorteile in Reparaturdienstleistungen. " Unser Handwerk setzt Know-how voraus, das wir durch Serviceleistungen den Kunden zeigen können und in der Ausbildung weitergeben können." Das erhalte und schaffe Arbeitsplätze.

Ersatzteile zu teuer

Doch das reparierende Handwerk hat mit einem großen Problem zu kämpfen: dem Beschaffen von Ersatzteilen. "Diese sind oft sehr teuer. Oft bekommen wir sie auch gar nicht", so der Handwerker. Das liege daran, dass der Markt vom Hersteller bestimmt wird und Ersatzteile oft nur teuer, oder an Vertragswerkstätten verkauft werden. "Fast jede Reparatur wäre für unter hundert Euro möglich. Aber die Ersatzteile und fehlende Unterlagen sind der Knackpunkt und treiben die Preise in die Höhe." Wenn beispielsweise allein ein neuer Geschirrkorb für eine Spülmaschine bis zu 200 Euro kosten kann, sei es nicht verwunderlich, dass sich Kunden gleich für eine neue Maschine entscheiden. Vangerow sieht hier die Politik in der Pflicht, mehr für kleine Betriebe zu tun. "Es muss für jede professionelle Werkstatt möglich sein, günstige Ersatzteile zu bekommen", sagt der Handwerker. Um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig das reparierende Handwerk für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele ist, haben die Vangerows die Aktion "Reparatur-Revolution" ins Leben gerufen, mit der sie Stimmen sammeln wollen, um die Politik auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. "Wir müssen diesen Kampf sowohl auf politischer als auch gesellschaftlicher Ebene führen. Dafür muss unsere Stimme erhört werden“, sagt Steffen Vangerow. Die Aktion hat schon mehr als 1.000 Unterstützer, darunter viele kleine Unternehmer.

Reparaturdienstleistungen im Handwerk

Reparaturdienstleistungen Umsatz ( in 1000 Euro) Anzahl Betriebe Anzahl Mitarbeiter
Instandhaltung und Reparatur von Kraftwagen 22.628.733 34.643 152.982
Reparatur von Maschinen 5.094.697 3.899 30.217
Reparatur von sonstigen Gebrauchsgütern 217.748 1.363 1.592
Reparatur von elektr. Haushaltsgeräten und Gartengeräten 322.047 1.062 2.047
Reparatur von Geräten der Unterhaltungselektronik 291.966 984 3.101
Reparatur von Schuhen und Lederwaren 108.140 905 1.037

Quelle: ifh-Göttingen, Statistisches Bundesamt

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten