Krankheiten und Unfälle im Handwerk Handwerker sind weniger krank und haben eine starke Psyche

Obwohl die Unfallquote im Handwerk hoch ist, fallen die Beschäftigten weniger Tage aus als in der übrigen Wirtschaft – das liegt auch daran, dass Handwerkerinnen und Handwerker seltener an psychischen Erkrankungen leiden.

Drei Handwerker klatschen sich ab.
Ein gutes Team, Mitspracherecht und ein gutes Krisenmanagement wirken sich positiv auf das psychische Befinden der Beschäftigten aus. - © Robert Kneschke - stock.adobe.com

Maurer, Zimmerer, Schreiner und Steinmetze haben in Deutschland das höchste Risiko für einen Arbeitsunfall. Das zeigt der Bericht zum Arbeitsunfallgeschehen 2022 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Auf 1.000 Vollarbeiter zählte sie in den Baukonstruktionsberufen 124 meldepflichtige Unfälle. Die Betroffenen waren für mehr als drei Tage arbeitsunfähig. Zum Vergleich: Über alle Berufe hinweg liegt die Arbeitsunfallquote bei 21,2 Unfällen auf 1.000 Vollarbeiter.

Trotz der hohen Unfallquote ist der Krankenstand am Bau mit 6,5 Prozent niedriger als beispielsweise in der öffentlichen Verwaltung mit 7,9 Prozent und auch niedriger als im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Das beweisen die Zahlen des Fehlzeiten-Reports 2023 des AOK-Bundesverbandes und des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Deutlich mehr Arbeitsausfälle

Vor allem wegen der pandemiebedingten Höchststände von Atemwegserkrankungen ist die Zahl der Arbeitsausfälle im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Auch im Handwerk lagen die Atemwegserkrankungen laut IKK Classic auf dem zweiten Platz der häufigsten Krankheitsursachen.

Noch kritischer ist die Entwicklung der psychischen Erkrankungen. Johanna Baumgardt, Mitherausgeberin des Fehlzeitenreports, erklärt dazu: "Während psychische Erkrankungen 2022 im Schnitt zu Arbeitsunfähigkeitszeiten von 29,6 Tagen je Fall führten, waren es beispielsweise bei Atemwegserkrankungen nur 7,1 Tage pro Fall." Über alle Branchen hinweg haben die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen von 2012 bis 2022 um 48 Prozent zugenommen. Auch im Handwerk ist diese Zahl im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, von 2,8 auf 3,3 Arbeitsunfähigkeitstage, so die IKK Classic. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbranchen leiden Handwerker allerdings deutlich seltener an Erkrankungen der Psyche.

Krisen schlagen auf Psyche

In seinem Fehlzeitenreport hat das WIdO untersucht, welche Rolle die aktuellen Krisen auf Unternehmen und die Gesundheit der Beschäftigten spielen. Auf Fragen nach Kriegen, Inflation oder Klimawandel zeigten 35 Prozent der Beschäftigten eine ausgeprägte Zukunftsangst. Um die eigene Arbeit machten sich aber nur acht Prozent große Sorgen. Knapp 45 Prozent der Befragten gaben sich hier optimistisch und lobten das Gemeinschaftsgefühl, ein gutes Krisenmanagement, Aufgeschlossenheit gegenüber Verbesserungsvorschlägen und dass sie in ihrem Unternehmen bei Entscheidungsprozessen mitbestimmen können.

Wo Arbeitnehmer pessimistischer antworteten, häuften sich Symptome wie Erschöpfung, Wut, Verärgerung oder Lustlosigkeit. "Beschäftigte, die ihren Arbeitgeber als weniger gut gewappnet für zukünftige Entwicklungen bewerten, berichten über mehr gesundheitliche Beschwerden, häufigere krankheitsbedingten Fehlzeiten und gehen häufiger krank zur Arbeit", so Baumgardt. Seit der Corona-Pandemie haben solche arbeitsbezogenen Beschwerden zugenommen. Gegenüber 2021 und 2022 sind diese Werte zwar leicht gesunken, sie liegen aber immer noch höher als vor der Pandemie.

Arbeitsunfähigkeitstage, Krankenstand und Arbeitsunfähigkeitsfälle - was die Begriffe bedeuten

Um die Statistiken richtig zu verstehen, müssen die Begriffe zu krankheitsbedingten Fehlzeiten sorgfältig unterschieden werden.

  • Die Arbeitsunfähigkeitsfälle, kurz AU-Fälle, beziehen sich auf jede Arbeitsunfähigkeitsmeldung eines Versicherten. Wer mehrfach krank wird, hat also auch mehrere Arbeitsunfähigkeitsfälle. Reine Verlängerungen vorangegangener Meldungen zählen nicht hinzu.
  • In die Arbeitsunfähigkeitstage, kurz AU-Tage, gehören alle Tage, an denen ein Versicherter krank war, also auch arbeitsfreie Zeiten wie Wochenenden oder Feiertage, die in den Zeitraum der Krankschreibung hineinfallen. Deswegen können sich Abweichungen zu betriebsinternen Statistiken über Fehlzeiten ergeben, die sich nur auf die Arbeitszeit beziehen.
  • Arbeitsunfähigkeitstage je Fall: Diese AU-Tage messen, wie lange eine Person pro Krankschreibung fehlt. Sie sind ein Indikator für die Schwere einer Erkrankung. So lagen die Fehltage bei Atemwegserkrankungen 2022 durchschnittlich bei 7,1 Tagen pro Fall, bei psychischen Erkrankungen aber bei durchschnittlich 29,6 Tagen.
  • Der Krankenstand in Prozent ist der Anteil der angefallenen Arbeitsunfähigkeitstage in einem bestimmten Zeitraum, hier im Kalenderjahr 2022.
  • Arbeitsunfähigkeitsquote: Die AU-Quote zeigt, wie groß Anteil der Versicherten ist, die einen oder mehre Arbeitsunfähigkeitsfälle hatten.
  • Kurzzeiterkrankungen sind alle Fälle, die einen bis drei Krankheitstage zur Folge haben.
  • Langzeiterkrankungen sind die Fälle mit mehr als sechs Wochen Dauer. Nach Ablauf der sechsten Woche endet in der Regel die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, ab der siebten Woche zahlt die Krankenkasse Krankengeld.
  • Arbeitsunfälle sind AU-Fälle, bei denen als Krankheitsursache "Arbeitsunfall" angegeben wurde. Wegeunfälle sind hier nicht enthalten.