Unzählige Vorschriften und Dokumentationspflichten halten die Handwerksbetriebe hierzulande von ihrer eigentlichen Arbeit ab. Mit 700 Luftballons, festgezurrt an Aktenordnern, erinnert der Zentralverband des Deutschen Handwerks vor dem Kanzleramt an den Bürokratie-Wahnsinn – und fordert: "Wir haben so viele gute Vorschläge auf dem Tisch. Jetzt sei die Zeit, zu machen."
Noch bevor Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zum Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft nach München kommt, ist das Handwerk mit einer klaren Botschaft vor das Kanzleramt gezogen: "Es ist Zeit, zu machen", erklärte Handwerkspräsident Jörg Dittrich vor einer Installation mit rund 700 Luftballons mit genau dieser Botschaft, die an ebenso vielen Aktenordnern befestigt waren. Es gehe darum, das Handwerk endlich von der überbordenden Bürokratie zu befreien. Endlich dafür zu sorgen, dass sich die Betriebe entfalten können.
Betriebe wollen nicht durch Bürokratie gefesselt werden
Die im Wind tanzenden Luftballone sind nach den Worten Dittrichs Sinnbild für die vielen Handwerkerinnen und Handwerker, die unruhig sind, weil sie endlich loslegen wollen. Unternehmerinnen und Unternehmer, die nicht durch zu viele Vorschriften und Dokumentationspflichten am Boden gehalten werden wollen. "Die Bundesregierung muss endlich mehr Mut beweisen, als es momentan beim Bürokratieentlastungsgesetz IV der Fall ist", sagte er. "Wir haben so viele gute Vorschläge auf dem Tisch." Jetzt sei die Zeit, zu machen. Als Sinnbild für so eine Initialzündung schnitten er und ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke die Befestigungsschnüre der Ballons durch.
Umfrage zeigt: Nur noch Steuern und Abgaben sind schlimmer
Wie stark sich das Handwerk durch Bürokratie gegängelt fühlt, zeigt auch die jüngste Umfrage im Handwerk unter knapp 4.500 Unternehmen. Demnach leiden etwas mehr als die Hälfte der Befragten an den zu erfüllenden Dokumentations- und Nachweispflichten. Schlimmer ist für sie nur noch die hohe Steuer- und Abgabenlast, unter der knapp 70 Prozent der Betriebe leiden. Für ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke ist es deshalb an der Zeit, das Bürokratieentlastungsgesetz umfassend zu ergänzen. "Vielleicht muss man auch einfach mal eine ganze Reihe von Dokumentations- und Nachweispflichten befristet aussetzen, um dann zu schauen, ob wirklich etwas fehlt", fügte er hinzu.
