Konjunkturrückblick Handwerk nähert sich halber Billion Euro

2011 war ein Erfolgsjahr für das Handwerk. Schon der Start ins Jahr verlief mit viel Schwung. Der milde Winter, niedrige Zinsen und der kraftvolle zyklische Aufschwung der Investitionsnachfrage kurbelten die Wirtschaft an. Im weiteren Jahresverlauf festigte sich der Auftrieb und erfasste nahezu alle Branchen.

Beschäftigungszuwächse im Handwerk verzeichnete vor allem das Baugewerbe. - © Fotolia

Alle wichtigen Konjunkturdaten des Handwerks übertrafen 2011 ihr Vorjahresniveau – zum Teil sogar beträchtlich. Vor diesem Hintergrund hellte sich die Stimmung in den Betrieben immer weiter auf und das Geschäftsklima erreichte auch bei langfristiger Betrachtung herausragende Werte. Die Beschäftigtenzahl war 2011 durchweg aufwärtsgerichtet. Dabei sorgte die gute Auftragslage für eine hohe Auslastung der Baubetriebe zu Jahresbeginn, witterungsbedingte Entlassungen waren selten. In der Folge schufen die doppelten Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen, die Aussetzung der Wehrpflicht und die volle Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus acht neuen EU-Ländern bessere Möglichkeiten für ­ausbildungs- und einstellungsbereite Unternehmen.

Beschäftigungszuwächse waren neben dem Bau vor allem in den metallverarbeitenden Gewerken zu beobachten. Auch im Kfz-Handwerk legte der Personalbestand zu. Oftmals blieb die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften jedoch erfolglos; die Bundesagentur für Arbeit verzeichnete zum Beispiel für Dreher, Fräser, Werkzeugmacher, Elektriker, SHK-Berufe, Landmaschinen- oder Kfz-Techniker einen teils deutlichen Überschuss der gemeldeten Stellen über die Arbeitslosenzahl.
Insgesamt waren 2011 mehr als 4,82 Millionen Personen in den vom amtlichen Register erfassten Handwerksunternehmen aktiv – gut ein halbes Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Konjunktur als Umsatzbringer

Die Umsatztätigkeit kam gleich in den ersten Monaten des Jahres auf Touren. Nachdem die Produktion im Dezember 2010 noch unter massiven Behinderungen durch Schnee und Eis gelitten hatte, trat das Baugewerbe nun als konjunktureller Schrittmacher in Erscheinung. Am Ende des Winters stand – bezogen auf das erste Quartal 2010 – ein zweistelliger prozentualer Umsatzzuwachs. Aber auch in der Folgezeit, in der die Zuwachsraten niedriger ausfielen, blieb der Aufwärtstrend intakt und erfasste nahezu alle Branchen.

Dabei zahlte es sich aus, dass das Handwerk beim Thema Energiesparen und beim Wechsel zu erneuerbaren Energiequellen erster Ansprechpartner ist. Zudem sah sich das produzierende Metallgewerbe einem erheblichen Nachholbedarf der deutschen Unternehmen an Investitionsgütern gegen­über. Und auch die Erholung der Kfz-Betriebe trug zum Aufschwung bei.
Unterm Strich steigerten die in der amtlichen Statistik erfassten Handwerksunternehmen im Jahr 2011 ihren Umsatz um sechs Prozent auf rund 481 Milliarden Euro. Gleichzeitig wurde damit auch das Vorkrisenniveau von 2008 in nominaler Rechnung übertroffen.

Lesen Sie auf Seite 2 Ergebnisse zu getätigten Neuinvestitionen, der Zahlungsmoral und dem Betriebsbestand im Handwerk.

Firmen investieren mehr

Die Investitionsbereitschaft hat sich im Laufe des Jahres weiter gefestigt. Die gute Auftragslage machte oftmals den Ausbau der bestehenden Kapazitäten erforderlich. Begünstigt wurde die Entwicklung durch das niedrige Zinsniveau und die gelockerte Kreditvergabe. Nach Angaben der Auskunftei Creditreform nannten im Herbst 2011 nur zehn Prozent der Mittelständler Finanzierungsprobleme als Grund für den Verzicht auf Investitionen. Im Krisenjahr 2009 war die Quote noch doppelt so hoch.

Neben der Investitionsbereitschaft haben sich auch die Budgets erhöht. Insgesamt dürfte das Handwerk im Jahr 2011 rund 13,6 Milliarden Euro in Ausrüstungsgüter und Bauten investiert haben – etwa sechs Prozent mehr als 2010.

Zahlungsmoral bessert sich

Um Bewegungsfreiheit bei der Erweiterung der Betriebsausstattung zu haben, brauchen die Firmen stabile Ertragslagen. 2011 dürften die Gewinne bei nur wenigen Betrieben gesunken sein. Laut Creditreform verzeichneten im Mittelstand nicht einmal ein Fünftel der Unternehmen Einbußen.

Zudem verbesserte sich das Zahlungsverhalten der Kunden, Forderungsausfälle waren seltener zu beklagen. Auch ließ der Druck auf die Verkaufspreise nach. Im Branchenschnitt konnten die Betriebe ihre Preise für Leistungen und Produkte um rund zwei Prozent gegenüber dem Vorjahresni­veau anheben, nach 0,5 Prozent 2010.

Vor allem bei Bauleistungen taten sich Gestaltungsspielräume auf. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass sich Energieträger und Rohstoffe erneut spürbar verteuerten. Besonders deutlich wurde dies im Lebensmittelhandwerk.

Mehr zulassungsfreie Betriebe

Der Betriebsbestand, der neben den im amtlichen Register erfassten Handwerksunternehmen auch die handwerksähnlichen Gewerbe sowie Kleinst- und Nebenbetriebe enthält, stieg 2011 weiter an. Der Zuwachs betrug gut ein Prozent. Damit dürfte die Eine-Million-Grenze annähernd erreicht worden sein. Für den positiven Verlauf war ausschließlich der Betriebszuwachs in den zulassungsfreien B1-Berufen verantwortlich. Jede siebte Neugründung entfiel auf einen Inhaber aus den seit 2004 der EU beigetretenen Staaten. dhz