Der Zentralverband des Deutschen Handwerks senkt seine Konjunkturerwartungen und rechnet für 2012 insgesamt nur noch mit einer "schwarzen Null". Belebende Impulse erwartet das Handwerk jetzt von der Bundesregierung.
Das Umsatzwachstum im Handwerk hat sich abgeschwächt. "Uns fehlt die Dynamik des letzten Jahres", sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke mit Blick auf das Boomjahr 2011. Noch immer bewege sich das Handwerk auf hohem Niveau. Ein Umsatzwachstum von 2,5 Prozent wie bisher für das Gesamtjahr prognostiziert, erwartet der Verband allerdings nicht mehr. "Wir rechnen mit einer schwarzen Null", sagte der ZDH-Generalsekretär zur Herbstumfrage, verwies aber auf die nach wie vor gute Beschäftigungslage. So lege die Zahl der Mitarbeiter 2012 um insgesamt 15.000 zu. Für 2013 prognostiziert Schwannecke ein Umsatzwachstum von einem Prozent. Von der Politik erwartet er noch vor dem Wahljahr mehr Entscheidungsfreude bei wichtigen steuer-, sozial-, und energiepolitischen Themen.
Wie Schwannecke weiter sagte, hat sich die Handwerkskonjunktur 2012 anders als im Vorjahr weniger einheitlich entwickelt. Während sich manche Branchen, wie etwas das Ausbauhandwerk, die die private Nachfrage bedienten, positiv entwickelten, spürten manche Zulieferbetriebe schon den nachlassenden Export. Auch das Kfz-Handwerk habe sich angesichts eines schwächeren Neuwagenabsatzes und eines etwas rückläufigen Werkstattgeschäftes insgesamt schwächer entwickelt.
Binnennachfrage wichtig
Angesichts der sich abschwächenden Handwerkskonjunktur wären nach Ansicht Schwanneckes gerade jetzt positive Impulse für die Binnennachfrage wichtig. "Bund und Länder haben eine gemeinsame Verantwortung für den Standort Deutschland", sagte er mit Blick auf die fortwährende Blockadehaltung der Länder im Vermittlungsausschuss und die nächste Sitzung am 21. November. Dies gelte nicht nur für die Frage der steuerlichen Absetzbarkeit von Investitionen in die energetische Gebäudesanierung. Dies gelte auch für die Frage der steuerlichen Entlastung von niedrigen Einkommend durch einen veränderten Tarifverlauf bei der Einkommensteuer. Gerade jetzt müsse auch über ein "schnelleres Zurückfahren des Solidaritätsbeitrags" nachgedacht werden. Dies gelte umso mehr, da nur noch ein Teil dieser Steuereinnahmen für den Aufbau Ost verwendet würden.
Kritisch bewerte Schwannecke die von der Regierungskoalition jüngst getroffenen sozialpolitischen Entscheidungen wie die Abschaffung der Praxisgebühr. Damit würden weder Arbeitgeber entlastet noch die Eigenverantwortung der Patienten gestärkt. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels hält er auch das Betreuungsgeld für junge Mütter "wenig motivierend", möglichst schnell wieder in den Beruf zurückzukehren. Wichtig sei es auf der Suche nach Fachkräften, die Übergangssysteme zwischen Schule und Beruf noch stärker in den Blick zu nehmen. Auch wolle das Handwerk mithelfen, ausländische Jugendliche aus Südeuropa stärker in die duale Ausbildung einzubinden. bir
