Das Handwerk hat sich in den letzten beiden Jahren schwächer entwickelt als die Gesamtwirtschaft. Gestiegene Zinsen, Energie- und Rohstoffpreise haben für weniger Umsatz gesorgt, zeigt der aktuelle RWI-Handwerksbericht. Auch für 2023 prognostizieren die Studienmacher lediglich eine leichte Erholung.

Die realen Umsätze des deutschen Handwerks lagen 2021 und 2022 um jeweils rund zehn Prozentpunkte unter denen der Gesamtwirtschaft. Auch die Erwerbstätigkeit entwickelte sich schlechter. Vor allem die gestiegenen Zinsen sowie die hohen Energie- und Rohstoffpreise machten dem Handwerk zu schaffen. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Handwerksbericht des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. RWI-Wissenschaftler Jochen Dehio berichtet: "Gestiegene Zinsen, Energie- und Rohstoffpreise haben das Handwerk hart getroffen. Die Lage beginnt sich zwar aufzuhellen, der Fachkräftemangel dürfte aber auch in den kommenden Jahren eine große Herausforderung bleiben."
Die Ergebnisse des RWI-Handwerksberichts im Überblick:
- In den Jahren 2021 und 2022 sind die nominalen Umsätze des deutschen Handwerks weniger stark gestiegen als die der Gesamtwirtschaft, zeigt der Konjunkturbericht. Bei den realen Umsätzen (inflationsbereinigt) schnitt das Handwerk sogar um jeweils rund zehn Prozentpunkte schlechter ab, wobei die einzelnen Handwerksgruppen unterschiedlich stark betroffen waren. Im Jahr 2020 hatte das Handwerk seine Umsätze real noch um 2,1 Prozent steigern können, womit es um knapp fünf Prozentpunkte besser abgeschnitten hatte als die Gesamtwirtschaft.
- Auch die Erwerbstätigkeit blieb im Handwerk hinter der Gesamtwirtschaft zurück, heißt es weiter. In den Jahren 2020 bis 2022 stieg sie gesamtwirtschaftlich um 0,6 Prozent leicht an, während sie im Handwerk um 2,3 Prozent zurückging.
- Im Jahr 2022 konnten von den Gewerbegruppen nur das Gesundheitsgewerbe und die Handwerke für den sonstigen privaten Bedarf ein reales Umsatzplus erwirtschaften (1,5 bzw. 6,3 Prozent). Die Umsätze des gesamten Handwerks gingen hingegen real um 5,3 Prozent zurück. Einer nominalen Umsatzsteigerung um 8,9 Prozent standen dabei gestiegene Verkaufspreise in Höhe von 14,2 Prozent für Handwerksleistungen gegenüber.
- Im Jahr 2023 dürften sich die Energiemärkte beruhigen, die Lieferketten weiter normalisieren und die Materialengpässe abnehmen, prognostizieren die Studienmacher. Die Inflation werde voraussichtlich langsam zurückgehen. Das Handwerk dürfte sich laut Ansicht der RWI-Wissenschaftler daher leicht erholen und die nominalen Handwerksumsätze um circa fünf Prozent steigen, es werde sich voraussichtlich aber erneut schwächer als die Gesamtwirtschaft entwickeln, wobei die realen Handwerksumsätze wohl wieder sinken werden. Auch die Erwerbstätigkeit dürfte weiter zurückgehen, heißt es.
- Über 2023 hinaus sei dann mit einer etwas positiveren realen Entwicklung des Handwerks zu rechnen, so die weitere Prognose. Dann würden allerdings auch die großen Herausforderungen, vor denen das Handwerk steht – Bindung und Gewinnung von Fachkräften, Steigerung der Innovationsfähigkeit der Handwerksbetriebe – wieder stärker in den Fokus rücken. ew
>>> Hier geht's zum vollständigen RWI-Handwerksbericht (als PDF-Download).