Gute Mitarbeiter machen den Unterschied

Wege, sich von Mitbewerbern abzugrenzen, gibt es viele: bunte Logos, Spezialisierungen auf ein bestimmtes Kundensegment, großformatige Werbung, niedrige Preise. Um einmal gewonnene Kunden zu halten, bedarf es engagierter Mitarbeiter. Kundennähe, Freundlichkeit und Interesse für die Belange der Kunden entscheiden darüber, ob ein Kunde einen Auftrag erneut an das Gewerk vergibt oder lieber zur Konkurrenz wechselt.

Gute Mitarbeiter machen den Unterschied

Doch tatkräftig sind die wenigsten Arbeitnehmer in Deutschland. Nur 13 Prozent setzen sich für ihre Arbeit ein. Zwei Drittel (66 Prozent) der Beschäftigten machen Dienst nach Vorschrift, während ein Fünftel (21 Prozent) innerlich bereits gekündigt hat. Zu diesem Ergebnis kommt das Beratungsunternehmen Gallup im Engagement Index 2010. Insbesondere letztere Gruppe kommt den Unternehmen teuer zu stehen.

Für die Beschäftigung eines uneffektiven Mitarbeiters zahlt der Unternehmer 15 Monatsgehälter, hat Jörg Knoblauch errechnet. Dazu zählt der Personal-Experte die Gehälter für den Zeitraum der Auswahl, die Probezeit sowie die Kosten, die er durch den internen Schaden – Kultur geschädigt – und den externen Schaden – Kunde verärgert – verursacht hat.

Idealfall für den Unternehmer: Der A-Mitarbeiter

Um zu erkennen, welche Angestellten Geld einbringen, hat Knoblauch die ABC-Strategie entwickelt. Dafür müssen zunächst A-, B- und C-Mitarbeiter im Unternehmen ausgemacht werden. Von letzteren sollte sich das Unternehmen nach Meinung von Jörg Knoblauch trennen, da sie sich nicht einsetzen, gegen Verbesserungsvorschläge immun sind und letztendlich die Leistungsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtigen. B-Mitarbeiter sind diejenigen, die um 8 Uhr kommen und um 17 Uhr gehen und dazwischen das machen, was ihnen vorgegeben wird. Die A-Mitarbeiter dagegen sind fachlich kompetent und hochmotiviert. Sie haben eigene Vorschläge und sogar Pläne zu deren Umsetzung. Wenn der Betriebsleiter sie lässt, sind sie die tragenden Säulen des Unternehmens.

Um die fähigen Mitarbeiter auch als solche identifizieren zu können, legen Betriebsleiter ihren Mitarbeitern einmal im Jahr einen Bewertungsbogen vor, auf dem sie anhand von 14 Kriterien ihre Leistung beurteilen sollen. Denselben Bogen füllt der Vorgesetzte aus. „Der Chef kann sofort sehen, wer nicht ehrlich ist“, erklärt Knoblauch. Nämlich dann, wenn beide Bewertungen extrem unterschiedlich ausfallen. A-Mitarbeiter und C-Mitarbeitern können mit dieser Methode ebenfalls schnell unterschieden werden: „A wird sich eher etwas schlechter einschätzen, C viel besser als sein Vorgesetzter“, sagt der Personal-Experte.

Top-Leute langfristig ans Unternehmen binden

Es ist wichtig, dass insbesondere die Topleute bleiben. Denn sie halten nicht nur den Betrieb am Laufen. Sie brauchen andere ebenso motivierte Kollegen, um sich in ihrer Arbeitssituation wohl zu fühlen. „Wenn ein A nur Bs und Cs um sich hat, verlässt er den Betrieb und dieser wird nicht lange überleben“, betont Knoblauch. 40.000 Insolvenzen im vergangenen Jahr sprechen Knoblauchs Meinung nach eine deutliche Sprache.

Wenn ein Betrieb mehrheitlich über durchschnittlich engagierte Mitarbeiter verfügt, sollten Betriebsleiter schnell ihre Personalpolitik ändern. Es gelingt selten, aus mittelmäßigen Mitarbeitern gute zu machen – höchstens in zehn Prozent der Fälle, urteilt Knoblauch. Also müssen fähige Leute angeworben werden. Dabei spielt das von Knoblauch entwickelte neunstufige Auswahlverfahren eine große Rolle. Besonders wichtig ist, Referenzen von früheren Arbeitgebern einzuholen – vorausgesetzt, der Kandidat befindet sich nicht in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis.

Genauso entscheidend ist es, bereits während der Probezeit Zielvereinbarungen zu treffen. So können in diesem frühen Stadium die „faulen Äpfel“ – wie Knoblauch sie nennt – entfernt werden. Wichtig ist, mit dem Mitarbeiter immer auf Augenhöhe zu kommunizieren. Nicht erreichte Zielvorgaben oder die Ergebnisse der jährlichen Bewertung sollten dem Personal schriftlich mitgeteilt werden, so dass sie im Zweifelsfall nicht aus allen Wolken fallen. „Sind von Anfang an Ziele vereinbart worden, kann der Mitarbeiter die Entscheidung für eine Entlassung besser nachvollziehen“, sagt Knoblauch.

Gegebenenfalls rät er, dem Mitarbeiter eine Abfindung anzubieten. Dies sei für den Betrieb wirtschaftlicher, als ihn weiterhin jahrelang fürs Nichtstun zu bezahlen.

Ann-Christin Wimber


Zur Person:

Prof. Dr. Jörg Knoblauch ist geschäftsführender Gesellschafter diverser Beratungsfirmen wie der tempus-Consulting. Als ausgezeichneter Redner und Gewinner des "Best Factory Awards" hält Knoblauch deutschlandweit Vorträge zum Thema Mitarbeiterführung und Mitarbeitermotivation. Knoblauch lehrt an der Fachhochschule in Nürtingen für das Fach Managementlehre am Studiengang Betriebswirtschaft. Zudem hat Knoblauch diverse Bücher zum Thema veröffentlicht wie "Die Personalfalle", "Die TEMP-Methode" und "Die besten Mitarbeiter finden und halten".