Die wichtigsten Fragen und Antworten Grundrente: Erste Rentner bekommen ab Juli 2021 Geld

Seit 1. Januar 2021 ist die Grundrente in Kraft. Im Juli beginnt die Deutsche Rentenversicherung nun erste Bescheide zu verschicken. Die Auszahlung startet. Geld gibt es rückwirkend für das ganze Jahr 2021. Aber wer bekommt die Grundrente? Wie hoch liegt sie? Und muss man sie beantragen? Hier gibt es Antworten.

Grundrente
Die Auszahlung der Grundrente startet. - © bilderstoeckchen - stock.adobe.com

Über wenige Projekte hat die Koalition so viel gestritten wie über die Grundrente. Nach langen Debatten trat sie aber zum 1. Januar 2021 in Kraft. Im Juli beginnt die Deutsche Rentenversicherung nun damit, die ersten Bescheide an Rentner zu verschicken, die einen Anspruch auf die Grundrente haben. Dann startet auch die Auszahlung.

Die Grundrente kostet den Staat schätzungsweise 1,3 Milliarden Euro bis 1,6 Milliarden Euro.

Kernpunkte der komplizierten Konstruktion:

Wer bekommt die Grundrente?

Im Startjahr 2021 bekommen nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums rund 1,3 Millionen Menschen, davon 70 Prozent Frauen, die Grundrente. Das sind Menschen mit Minirenten, die mindestens 33 Jahre Rentenbeiträge aus Beschäftigung, Kindererziehung oder Pflegetätigkeit aufweisen. Ihre Lebensleistung soll Anerkennung bekommen, so dass sie keine Grundsicherung im Alter benötigen.

Der Zuschlag ist gestaffelt. Wer 35 Beitragsjahre erreicht, bekommt die voll Höhe. Grundrente bekommen zudem nur jene mit einem Einkommen unter bestimmten Grenzen. Auch erhalten diejenigen keine Grundrente, deren Arbeitsentgelte häufig lediglich die Bedeutung eines ergänzenden Einkommens hatte – zum Beispiel durch Minijobs.

Nicht als Grundrentenzeiten fließen außerdem Zeiten ein, in denen der betreffende Rentner Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II bezogen hat. Auch Zeiten der Schul- und Hochschulausbildung sowie Zeiten der freiwilligen Beitragszahlung in die Rentenkasse sind nicht berücksichtigt.

Angerechnet sind also grundsätzlich Zeiten, in denen Pflichtbeiträge aus einer Beschäftigung oder Berufsausbildung gezahlt wurden, Zeiten aus Leistungen bei Krankheit oder Rehabilitation (wie Krankengeld, Übergangsgeld) sowie Zeiten der Pflichtversicherung während beruflichen Auszeiten für die Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen.

Wie hoch liegt die Grundrente?

Das Bundesarbeitsministerium geht von einem durchschnittlichen Zuschlag von 75 Euro pro Rentner aus, der Anspruch auf die Grundrente hat. Im günstigsten Fall kann die Grundrente aber bis zu 420 Euro betragen.

Müssen Rentner einen Antrag stellen?

Ganz klar nein. Die Rentenversicherung prüft den Anspruch anhand der bereits vorhandenen Rentendaten. Sie zahlt die Grundrente nach eigenen Angaben dann mit der regulären Rentenzahlung aus. Je nachdem, wann der Anspruch fertig berechnet ist, erhalten Renten also den Zuschlag. Dieser wird rückwirkend zum 1. Januar 2021 berechnet.

Die ersten Bescheide sollen jene erhalten, die neu in Rente gehen. Bis Ende 2022 wird die Rentenversicherung den Grundrentenzuschlag dann für diejenigen prüfen, die schon Rente beziehen. Dabei will sie mit den ältesten Jahrgängen anfangen.

Wie hoch sind die Einkommensgrenzen?

Den vollen Aufschlag erhalten nur diejenigen, deren monatliches Einkommen als Rentner bei maximal 1.250 Euro (Alleinstehende) und 1.950 Euro (Eheleute oder Lebenspartner) liegt. Einkommen über dieser Grenze werden zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet. Bei 1.300 Euro Einkommen eines Alleinstehenden werden also 50 Euro zu 60 Prozent angerechnet – die Grundrente fiele 30 Euro niedriger aus. Einkommen über 1.600 beziehungsweise 2.300 Euro rechnet die Rentenversicherung zu vollen 100 Prozent auf den Grundrentenzuschlag an.

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Was berücksichtigt die Einkommensprüfung?

Der steuerfreie Teil von Renten sowie zu versteuerndes Einkommen etwa durch Mieteinkünfte, eine Pension oder Beträge betrieblicher oder privater Vorsorge fließen in die Berechnung ein. Auch Kapitalerträge oberhalb des Sparerfreibetrages fließen in die Berechnung ein. Werbungskosten und Aufwendungen für Kranken- und Pflegeversicherung werden dagegen abgezogen. Dabei übermitteln die Finanzbehörden Daten an die Rentenversicherung.

Wie funktioniert die Berechnung konkret?

Im Grundsatz werden die Entgeltpunkte aufgewertet, mit denen die Rente insgesamt errechnet ist. Ein Durchschnittsverdiener bekommt pro Jahr einen solchen Punkt. Für jeden Punkt gibt es ab 1. Juli 2021 im Westen 34,19 Euro Rente und im Osten 33,47 Euro pro Monat. Für die Zeiten mit nur geringen Rentenanwartschaften, die die Grundrente auslösen, steigen die Entgeltpunkte: Nämlich für 35 Jahre auf das Doppelte des Durchschnittswerts der erworbenen Punkte – höchstens aber auf 0,8 Punkte.

Warum verzögert sich die Auszahlung der Grundrente?

Die Grundrente startete zwar offiziell zum 1. Januar 2021, die Auszahlung hat sich aber wegen des hohen Verwaltungsaufwands verzögert und erfolgt nun rückwirkend. Der Verwaltungsaufwand liegt deshalb so hoch, weil für die Einkommensprüfung erst eine Schnittstelle zwischen den Finanzbehörden und der Rentenversicherung eingerichtet werden musste. dpa/jtw