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EU-Länder vertagen Entscheidung erneut Glyphosat-Rückstände: Bier am Pranger

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat steht im Verdacht krebserregend zu sein. Die EU-Staaten hadern deshalb mit der Neuzulassung, für die noch in diesem Jahr eine Entscheidung ansteht. Immer wieder werden Spuren von Glyphosat im Bier nachgewiesen. Der Brauer-Bund hält das für Panikmache und erklärt, dass die Belastungen verschwindend gering sind.

1.000 Liter Bier an einem Tag zu trinken, ist unmöglich. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds (DBB) wäre das aber nötig, wenn man alleine durch den Bierkonsum so viel des Pflanzenschutzmittels Glyphosat zu sich nehmen würde, dass Gesundheitsgefahren entstehen. Keine Frage: In unzähligen Lebensmitteln, die Getreide enthalten, wurden mittlerweile Rückstände des umstrittenen Totalherbizids gefunden – auch im Bier. Immer wieder gab es in der letzten Zeit Meldungen zu neuen Studien, die Spuren von Glyphosat im Bier nachgewiesen haben. Denn Bier enthält Malz und Malz wird nun einmal aus Getreide gewonnen.

Die neueste Untersuchung stammt vom Umweltinstitut München. Sie zeigt, dass die Rückstände zwar um rund 80 Prozent gesunken, aber dennoch vorhanden sind. Damit warnt das Institut, dass endlich etwas geschehen müssen, damit der Einsatz von Glyphosat auf deutschen Äckern nicht nur eingeschränkt, sondern verboten wird. Derzeit ringen die EU-Staaten mit der Entscheidung um eine weitere Zulassung des Mittels für die nächsten Jahre. Die aktuell gültige Zulassung läuft noch in diesem Jahr aus.

Glyphosat: EU-Staaten müssen über Neuzulassung entscheiden

Nachdem sich das Europäische Parlament gegen eine Neuzulassung für zehn Jahre ausgesprochen hat und auch der Umweltausschuss des Europaparlaments einen weiteren Einsatz des Unkrautvernichters ablehnt, sollten die Mitgliedstaaten in dieser Woche eine Entscheidung treffen. Doch Fehlanzeige. Sie suchen nun nach einem neuen Termin, die Abstimmung wurde auch Anfang November erneut vertagt. Von Seiten der EU-Kommission steht nun der Vorschlag im Raum, die Zulassung für fünf Jahre zu erteilen. Uneinigkeit herrscht allerdings nicht nur innerhalb der EU, sondern auch in Deutschland: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks will keine weitere Zulassung unterstützen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium ist dagegen anderer Meinung.

Glyphosat: ein umstrittenes Mittel

Das Totalherbizid Glyphosat gilt als umstritten, da nicht eindeutig geklärt ist, ob es gesundheitsschädigend wirkt oder nicht. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) kam im März zu dem Schluss, dass Glyphosat nicht als krebserregend zu bewerten sei. Die Forscher stufen Glyphosat zwar als Augen reizend und schädigend für im Wasser lebende Organismen ein, jedoch nicht als krebserregend, mutagen oder reproduktionsschädigend. Doch dieser Einschätzung widersprechen andere Wissenschaftler und werfen den EU-Ämtern vor, die aufgetretenen Krebserkrankungen in Tierversuchen zu unterschätzen. Der Streit um die wissenschaftliche Einschätzung des Krebsrisikos dauert bereits über mehrere Jahre.

Der DBB beteiligt sich nicht an der politischen Diskussion über eine weitere Zulassung. Dazu, dass Bier immer wieder in die Kritik gerät, mit geringsten Spuren des Pflanzenschutzmittels belastet zu sein, beziehen die Brauer aber klar Stellung und haben online sogar einen ausführlichen Fragen-und-Antworten-Katalog zum Thema veröffentlicht. Fazit: Deutsches Bier sei – trotz der nachgewiesenen Rückstände – gesundheitlich komplett unbedenklich zu konsumieren. Alle Funde seien weit davon entfernt, empfohlene Höchstwerte zu überschreiten. Die veröffentlichten Analysen stellen nach Ansicht des DBB eine ungerechtfertigte Panikmache dar.

Der Brauer-Bund beruft sich mit dieser Einschätzung sowohl auf eine Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) als auch auf das eigene Monitoringsystem für Braumalz. Laut BfR wären selbst die höchsten gefundenen und aus den Medien bekannten Gehalte von 30 Mikrogramm pro Liter Bier so niedrig, dass keine Gefahren entstehen. Ein 60 kg schwerer Erwachsener müsste demnach 1.000 Liter Bier an einem Tag trinken, um die derzeit als unbedenklich geltende lebenslänglich duldbare (ADI) oder einmalig duldbare (ARfD) tägliche Aufnahmemenge zu überschreiten. "Unser eigenes Monitoringsystem zeigt, dass die gemessenen Werte stets deutlich unter den Höchstgrenzen liegen", teilt der DBB mit.

Berichte über Rückstände im Bier: "Panikmache"

Der Einsatz von Glyphosat beim Anbau von Getreide zu Brauzwecken ist in Deutschland auch gar nicht zugelassen. Rückstände kommen dennoch zustande, da einerseits der Braugerstenbedarf der deutschen Brauereien so hoch ist, dass etwa 50 Prozent des verwendeten Braugetreides aus dem Ausland importiert wird – laut DBB vor allem aus Frankreich und Dänemark. Zudem kann es zu einer Abdrift bei der Anwendung des Herbizids auf benachbarten landwirtschaftlichen Flächen kommen. Und davor schützt auch das Reinheitsgebot nicht. Zwar gilt, dass deutsche Brauereien im Unterschied zu Brauereien in Europa für Bier bis heute keine künstlichen Aromen, keine künstlichen Farbstoffe, keine künstlichen Stabilisatoren, keine Enzyme, keine Emulgatoren und auch keine Konservierungsstoffe verwenden dürfen. "Das Bierbrauen bleibt nach wie vor auf die Verwendung der vier natürlichen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe beschränkt", so der DBB mit. Wenn die natürlichen Zutaten jedoch belastet sind, hilft auch das nichts.

Angesichts der immer wieder gemeldeten angeblichen Belastung des deutschen Biers, sieht der Brauer-Bund dennoch einen falschen Eindruck entstehen: So sei Bier ein sehr streng auf Schadstoffe kontrolliertes Lebensmittel und die gefundenen Glyphosat-Rückstände minimal und niedriger als in anderen Getreideprodukten. Selbst andere Umweltorganisationen wie Greenpeace haben die Berichterstattung über angeblich belastetes Bier mittlerweile als "Panikmache" bewertet.

Weitere Infos zu Glyphosat im Bier gibt der Deutsche Brauer-Bund unter reinheitsgebot.de.>>>

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