In Mecklenburg-Vorpommern Gleichbehandlung mit Friseuren: Kosmetiker erfolgreich vor Gericht

Künftig 3G statt 2G (plus): Ein Kosmetikstudio in Mecklenburg-Vorpommern hat sich erfolgreich gegen die Corona-Landesverordnung gewehrt. Das Verwaltungsgericht Schwerin sah eine Ungleichbehandlung gegenüber Friseuren.

Ein Kosmetikstudio in Mecklenburg-Vorpommern darf vorläufig wieder unter 3G-Regeln öffnen. - © Haut-Zentral / Ina Reckers

Wer sich in Mecklenburg-Vorpommern die Haare schneiden lassen möchte, braucht einen 3G-Nachweis. Wer hingegen zur Kosmetikerin möchte, muss einen 2G- oder 2G-plus-Nachweis vorlegen. Dies gilt auch weiterhin, nicht jedoch für die Betreiberinnen eines Kosmetik- und eines Tattoostudios. Sie setzten sich in zwei getrennten Entscheidungen vor dem Verwaltungsgericht in Schwerin mit ihren Klagen gegen die Corona-Landesverordnung durch. Den Studios ist es damit erlaubt, wie Friseure unter 3G-Bedingungen zu öffnen, teilte das Gericht mit. Lediglich Gesichtsbehandlungen bleiben untersagt, da hierfür die Mund-Nasen-Bedeckung abgenommen werden müsste.

Sächsischer Handwerkstag: "Ergebnis lässt aufhorchen"

"Das Ergebnis lässt aufhorchen", sagt Jörg Dittrich, Präsident des Sächsischen Handwerkstages. Erstmals habe sich ein deutsches Gericht mit der Frage auseinandergesetzt, ob Landesregierungen für Kosmetiker und Friseure Corona-Regeln unterschiedlicher Tragweite erlassen dürfen.

In Sachsen ist die Situation noch verschärfter. Betreiber von Kosmetikstudios müssen ihre Betriebe komplett schließen, Friseure hingegen dürfen unter Beachtung der 2G-Regelung weiterarbeiten. "Wir fordern die sächsische Landespolitik auf, Kosmetiker und Friseure bei der Gewerbeausübung unter Corona-Auflagen prinzipiell gleichzustellen", appelliert Dittrich. Der Sächsische Handwerkstag hatte in der Pandemie schon mehrfach die Differenzierung zwischen beiden Gewerken kritisiert.

Gericht sieht Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes

Diese ungleiche Behandlung sei durch keinen sachlichen Grund gerechtfertigt, bestätigte nun das Verwaltungsgericht Schwerin. Die angeordneten 2G- und 2G-plus-Regeln seien nicht mit höherrangigem Recht vereinbar und überdies unverhältnismäßig, weil der vollständige Ausschluss von Ungeimpften nicht erforderlich sei. Bei körpernahen Dienstleistungen handele es sich typischerweise um eine 1:1-Betreuung, so das Gericht. Da sowohl das Personal als auch die Kunden eine qualifizierten Mund-Nasen-Bedeckung tragen müssen, könne durch einen Corona-Test das Infektionsrisiko wesentlich verringert werden.

Die Entscheidungen des Gerichts sind noch nicht rechtskräftig. Die Beteiligten können noch Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Mecklenburg-Vorpommern einlegen.