Selbst produzierter Solarstrom ist grün und preiswert, eine gewerbliche PV-Anlage eine sichere Geldanlage, sagt Dirk Petschick, Geschäftsführer des Online-Marktplatzes Milk the Sun. Im DHZ-Interview spricht er über mögliche Renditen, die geplante EEG-Novelle und typische Fehler von Betreibern.
Max Frehner
DHZ: Warum sollten Handwerksunternehmer in eine gewerbliche Photovoltaikanlage investieren?
Dirk Petschick: Zum einen sollte jedes geeignete Dach eines Handwerkbetriebs auch mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden, da der selbst produzierte Strom oftmals preiswerter ist als der vom Energieversorger gekaufte. Zudem schafft man sich langfristig auch eine gewisse Unabhängigkeit von weiter steigenden Strompreisen. Zum anderen hat eine eigene PV-Anlage auf dem Firmendach einen positiven Einfluss auf die Erfüllung der sogenannten ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance), zeigt sie doch, dass sich der Handwerksbetrieb für die Umwelt engagiert und den eigenen CO2-Fußabdruck reduziert. Zudem kann man mit einer Investition in eine gewerbliche PV-Anlage, ob nun auf dem eigenen Dach oder einem gepachteten Dach bzw. Grundstück, gute und sichere Renditen erzielen, hat Spielraum für steuerliche Gestaltungen und hat vielfältige Möglichkeiten im Vermögensaufbau sowie bei der späteren Vermögensübertragung.
DHZ: Eine PV-Anlage ist also eine sichere Geldanlage?
Petschick: Aufgrund der durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz staatlich garantierten Vergütungssätze über 20 Jahre und der gute Prognostizierbarkeit der Stromerträge über die Laufzeit lässt sich die Einnahmeseite sehr gut kalkulieren. Wenn dann die Investitionskosten und die laufenden Kosten zu den Einnahmen in einem angemessenen Verhältnis stehen und die Anlage laufend gut gewartet wird, dann ist das Restrisiko, welches man nicht versichern kann, sehr gering.
DHZ: Die EEG-Novelle 2021 sieht vor, dass große PV-Anlagen mit mehr als 500 Kilowatt Leistung - bis 2025 soll die Grenze auf 100 Kilowatt fallen - nur noch über Ausschreibungen vergeben werden sollen...
Petschick: Aus unserer Sicht ist die aktuell verhandelte EEG Novelle 2021 nicht durchacht und wird eher den Ausbau von PV-Anlagen hemmen, als diesen beschleunigen. Die geplante Herabsetzung der Ausschreibungspflicht wird sicher zu einem massiven Einbruch des Neubaus im Segment 500 – 750 KWp führen. Zum einen dadurch, dass nach meinem jetzigen Kenntnisstand die ersten Ausschreibungen für dieses Segment erst Mitte des Jahres 2021 geplant sein sollen und zum anderen sicher viele Unternehmen den Aufwand einer Ausschreibung in diesem Segment scheuen werden. Je weiter diese Schwelle über die Jahre fällt, desto schwieriger wird es ein wirtschaftliches Kosten-/Nutzen-Verhältnis darzustellen.
DHZ: Zudem soll der Strom aus ausgeschriebenen Anlagen selbst nicht verbraucht werden dürfen...
Petschick: Das ist ein frontaler Angriff der Bundesregierung auf die dezentrale Energiewende, weil das Gesetz genau den Sinn einer PV-Anlage auf großflächigen Dachanlagen untergräbt, den erzeugten Strom, der vom darunterliegenden Handwerksbetrieb selbst genutzt werden kann, zu produzieren. Eine Finanzierung ohne die Absicherung eines garantierten Vergütungstarifs nur auf Basis eines Stromverkaufs an den Gebäudenutzer beziehungsweise des Eigenverbrauchs wird sicher ungleich schwieriger. In einem Rechtsgutachten im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft wurde bereits belegt, dass diese Regelung klar gegen geltendes Europarecht verstößt.
DHZ: Welche Rendite ist denn in Zeiten sinkender Einspeisevergütungen realistisch zu erwarten?
Petschick: Die Eigenkapitalrendite sollte weit über dem liegen, was vergleichbar sichere Anlageformen derzeit bieten. Der sinkenden Einspeisevergütung stehen gesunkene Investitionskosten bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung der Komponenten gegenüber. Einen guten Renditehebel bieten die derzeit sehr günstigen Bankdarlehen zur Finanzierung von gewerblichen PV-Anlagen. Anders als bei einer Immobilie muss man bei der Renditebetrachtung unbedingt berücksichtigen, dass die PV-Anlage ein endliches Investment ist und über die Laufzeit nicht nur eine laufende Verzinsung, sondern auch das eingesetzte Kapital wieder verdienen muss.
DHZ: Was spricht für ein Direktinvestment, was für ein indirektes Investment?
Petschick: Mit einem Direktinvestment ist man Eigentümer eines stromerzeugenden Unternehmens und trägt Chancen und auch unternehmerische Risiken. Auf jeden Fall trifft man selbst die Entscheidungen. Einem sicherlich höheren Aufwand steht im Normalfall auch ein höherer Ertrag gegenüber. Als Gewerbetrieb hat man zudem vielfältige Möglichkeiten der steuerlichen Gestaltung. Für ein indirektes Investment spricht, dass man sich um das Investment nicht kümmern muss, da der Betrieb der PV-Anlage durch den Anbieter des Investments übernommen wird. Dafür ist die Einflussnahme auf das Investment so gut wie ausgeschlossen und die Renditen sind vergleichsweise gering.
DHZ: Sie haben kürzlich einen Betreiberleitfaden veröffentlicht, in dem Sie Tipps für den erfolgreichen Betrieb von gewerblichen PV-Anlagen geben. Was sollte demnach bereits bei der Planung einer gewerblichen PV-Anlage unbedingt beachtet werden?
Petschick: Wie bei jeder Investition ist es wichtig, genau seine Ziele und den finanziellen und zeitlichen Spielraum zu definieren. Die Investition in eine gewerbliche PV-Anlage ist ein langfristiges Investment in einen Gewerbebetrieb. Demnach sollte nur Kapital eingesetzt werden, welches man langfristig binden kann. Schon bei der Planung sollte man sich über die Rechtsform der Betreibergesellschaft Gedanken machen, um gemeinsam mit dem Steuerberater auch steuerliche Aspekte zu berücksichtigen. Darüber hinaus hat man die Wahl, ob man in eine neu gebaute Anlage investiert oder in eine schon laufende Bestandsanlage. Beides hat Vor- und Nachteile. Ob es sich um eine Dachanlage oder eine Freiflächenanlage handelt, ist im Wesentlichen auch Geschmackssache, da beide Arten ebenso Vor- und Nachteile haben. Wichtig ist in jedem Fall, dass man sein zukünftiges Investment sowohl technisch als auch rechtlich und finanziell auf Herz und Nieren prüft beziehungsweise durch Experten prüfen lässt.
DHZ: Welche Dokumente sollten vor dem Kauf oder Bau einer PV-Anlage unbedingt geprüft werden, damit es später nicht zu bösen Überraschungen kommt?
Petschick: Da die meisten PV-Anlagen auf gepachteten Dächern oder Freiflächen errichtet werden, sind die Pachtverträge unbedingt zu prüfen. Hier empfiehlt es sich aufgrund der besonderen Anforderungen juristischen Rat einzuholen. Zudem werden für die Nutzung der Flächen auch erstrangige Dienstbarkeiten ins Grundbuch des Verpächters eingetragen. Gleiches gilt für Leitungsrechte gegebenenfalls notwendiger Kabeltrassen zum Einspeisepunkt. Die PV-Anlage an sich mit all Ihren Komponenten sollte von einem erfahrenen Gutachter nach dem Bau beziehungsweise bei Übergabe abgenommen werden. Einspeisezusagen von Netzbetreibern, Inbetriebnahmeprotokolle und etwaige Abrechnungen sind zu prüfen. Die Ertragsprognosen sollten, wenn vorhanden, mit IST-Werten abgeglichen werden. Wenn es sich um eine bereits laufende Anlage handelt, sollte man sich die Wartungs- und Inspektionsprotokolle anschauen und Verträge mit Dienstleistern, Versicherungen und ggf. Banken prüfen. All diese Punkte werden üblicherweise im Rahmen einer sogenannten technischen, rechtlichen und kaufmännischen Due Diligence geprüft.
DHZ: Mit welchen laufenden Kosten müssen Betreiber rechnen?
Petschick: Üblicherweise gehören die Pacht für die genutzte Fläche, Versicherungskosten für den Betrieb und Haftpflicht, Buchführungs- und Jahresabschlusskosten sowie die Kosten für die Direktvermarktung und die Zählermiete zu den unumgänglichen Kosten. Je nach dem was man gegebenenfalls selbst übernehmen kann und möchte, kommen Kosten für die Fernüberwachung und die regelmäßige Wartung und Inspektion dazu. Reinigungskosten, insbesondere auf landwirtschaftlich genutzten oder industriellen Dächern, können ebenfalls regelmäßig anfallen.
DHZ: Wie hoch schätzen Sie den Arbeitsaufwand für den Betreiber?
Petschick: Der Arbeitsaufwand ist bei einer PV-Anlage eher sehr gering. Der tatsächliche Arbeitsaufwand hängt sehr stark davon ab, welche der vorgenannten Aufgaben der Betreiber selbst übernehmen möchte und welche an externe Partner ausgegliedert werden. Moderne digitale Management-Plattformen helfen Betreibern, ihr PV-Investment optimal und ressourcensparend zu betreiben. Unter anderem bietet Milk the Sun so eine Lösung kostenlos an.
DHZ: Welche Maßnahmen haben sich bewährt, um den Stromertrag zu optimieren?
Petschick: Einmal errichtet kann man dafür sorgen, dass die Module die maximale Sonneneinstrahlung abbekommen. Das erreicht man durch das Verhindern von Verschattungen und Verschmutzungen der Modulflächen. Durch regelmäßige Wartung sorgt man dafür, dass alle Komponenten so zusammenspielen, dass die PV-Anlage maximalen Strom erzeugt, der dann entsprechend vergütet wird.
DHZ: Welche typischen Fehler beobachten Sie bei Betreibern – und wie lassen sie sich vermieden?
Petschick: Oftmals fangen die Fehler bereits in der Planung an, weil man sich zu schnell in ein Investment drängen lässt. Beispielsweise werden aus steuerlichen Erwägungen oftmals übereilte Investitionsentscheidungen getroffen und die Budgets falsch festgelegt. Auch Sparen am falschen Ende durch nicht ordentliche und vollständige Prüfung oder das Unterlassen von notwendigen Wartungs- und Instandsetzungsmaßnahmen können zu bösen Überraschungen führen. Wichtig ist auch das Liquiditäts-Management, da die PV-Anlagen in den Wintermonaten fast kein Geld erwirtschaften, dafür aber in den Sommermonaten, sich jedoch die laufenden Kosten sowie der Kapitaldienst für die Finanzierung auf das gesamte Jahr gleichmäßig verteilen.
Dirk Petschick ist Geschäftsführer von Milk the Sun, einem Online-Marktplatz für PV-Projekte, Bestandsanlagen sowie Dach- und Freiflächen.

