Was auf das Handwerk 2013 zukommt Zahlreiche Kommunen erhöhen Gewerbesteuer

Viele Kommunen in Deutschland haben leere Kassen. 2013 greifen sie deshalb bei der Gewerbesteuer ordentlich zu. Eine Untersuchung zeigt, dass die Höhe jedoch regional variiert. Was dem Handwerk helfen könnte und wer in diesem Jahr am meisten bezahlt.

Jana Tashina Wörrle

Wie viel ein Handwerksbetrieb als Gewinn verbuchen kann, hängt auch von seinem Standort ab. Dabei spielt die Gewerbesteuer eine große Rolle. 2013 könnte genau diese großen Einfluss auf die Unternehmensgewinne haben, denn sie ist in vielen Kommunen gestiegen.

127 Gemeinden haben ihren Hebesatz für die Gewerbesteuer 2013 erhöht. Bei den größeren Kommunen ab 50.000 Einwohnern greift sogar ein Drittel von ihnen in diesem Jahr stärker zu, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Dieser hat erstmals von fast 700 Gemeinden ab 20.000 Einwohnern ermittelt, in welcher Höhe sie die Steuern verlangen.

Viele Kommunen erhöhen Hebesatz

Im Durchschnitt liegt der Hebesatz für die Gewerbesteuer jetzt bei 428 Prozent. Da die Gewerbesteuer bei Personenunternehmen – im Handwerk betrifft das rund 80 Prozent der Betriebe – mit dem Faktor 3,8 auf die Einkommensteuer angerechnet wird, wirkt sie sich besonders da aus, wo der kommunale Hebesatz 380 Prozent überschreitet. 2013 werden 165 Kommunen diesen Hebesatz bei der Grundsteuer B, die für Betriebe außerhalb der der Land- und Forstwirtschaft (Grundsteuer A)fällig ist, erhöhen.

Die Gewerbesteuer der Kapitalgesellschaften beträgt in der Regel 13 bis 15 Prozent ihres Gewinns und wird seinerseits aber nicht auf die Körperschaftsteuer angerechnet. Diese Unternehmen erleben also eine unmittelbare Erhöhung, wenn der Hebesatz steigt. Darüber hinaus werden auch ertragsunabhängige Elemente der Unternehmen besteuert wie insbesondere Teile der Mieten, Pachten, Zinsen und Leasinggebühren, wenn diese über 100.000 Euro im Jahr liegen.

Extreme Entwicklung der Gewerbesteuer in diesem Jahr

"Davon sind im Handwerk meist nur die Betriebe betroffen, die mehrere Filialen haben und deshalb auch mehrere Mieten zahlen wie Bäcker oder Metzger", erklärt Matthias Lefarth, Abteilungsleiter Steuerpolitik beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Obwohl die Gewerbesteuer schon seit längerem immer höher steigt, sieht er die neuesten Zahlen als extreme Entwicklung an.

"Die Kommunen müssen aufpassen, dass sie für die Unternehmen nicht zu unattraktiv werden", sagt der Steuerexperte. Die Gewerbesteuer sei ein wichtiger Standortfaktor. Er könne zudem wesentlich dazu beitragen, dass in einer Region neue Investitionen getätigt werden und neue Einnahmequellen entstehen.

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Am stärksten steigt die Gewerbesteuer den Ergebnissen der Analyse zufolge in Thüringen und in den Flächenländern wie Nordrhein-Westfalen (siehe Grafik). Zurückhaltender sind die Gemeinden mit mindestens 100.000 Einwohnern. In Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und den Stadtstaaten ist der durchschnittliche Hebesatz unverändert geblieben.

Matthias Lefarth leitet beim ZDH die Abteilung Steuerpolitik. - © Foto: ZDH
Matthias Lefarth

Trotz der Entwicklung mahnt Lefarth jedoch, dass das Handwerk immer darauf achten müsse, mit den Kommunen eine gute Zusammenarbeit anzustreben. "Die Handwerksbetriebe leben zu einem Teil auch von kommunalen Investitionen und sind Auftragnehmer der Gemeinden", sagt der Handwerksvertreter.

Anrechnungsfaktor sollte erhöht werden

Damit die steigenden Gewerbesteuern nicht zu einer zu großen Belastung der Betriebe wird und die klammen Kommunen trotzdem noch Einnahmen daraus ziehen können, schlägt Matthias Lefarth vor, dass Bund und Länder für eine neue Lastenverteilung sorgen müssten. Sie sollten seiner Ansicht nach den Anrechnungsfaktor bei Personengesellschaften wie Einzelunternehmen erhöhen. Die Diese würden dann genauso entlastet wie die Kommunen. Die Einnahmeeinbußen durch die Einkommenssteuer würden sich auf Bund (42,5 Prozent), Länder (42,5 Prozent) und die Kommunen (15 Prozent) verteilen.

Für einige Handwerksbetriebe dürften sich die Gewerbesteuerzahlungen deshalb in diesem Jahr erhöhen. Obwohl gerade über die Hinzurechnungen zur Gewerbesteuer gestritten wird, die Betriebe zusätzlich versteuern müssen, gilt seit 2008 zudem, dass die Gewerbesteuer nicht mehr als Betriebsausgabe abzugsfähig ist. Mögliche Erleichterungen sind also auch hier nicht zu erwarten.

Die Gewerbesteuern 2013 der einzelnen deutschen Kommunen (Zahlen des DIHK) zum Download