Steuertipps -

Berechnung und Begriffe einfach erklärt Gewerbesteuer: Online-Rechner und Antworten auf wichtige Fragen

Wer muss Gewerbesteuer zahlen, wer nicht? Für wen gilt der Freibetrag – und was hat sich durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz geändert? Die Berechnung der Gewerbesteuer wirft viele Fragen auf. Hier finden Sie Antworten sowie einen Gewerbesteuer-Rechner, mit dem Sie direkt ermitteln können, wie hoch der Steuersatz in Ihrem konkreten Fall ausfällt.

Der Online-Rechner zur Ermittlung der Höhe der Gewerbesteuerzahlungen eignet sich vor allem, um herausfinden, ob die laufenden Gewerbesteuervorauszahlungen anzupassen sind oder um Planspiele durchzuführen, in welcher Höhe mit Gewerbesteuerzahlungen an die Gemeinde zu rechnen ist.

Eine Minderung der Gewerbesteuer-Vorauszahlungen 2020 kann sich aufgrund der Neuregelungen zu den Hinzurechnungen zum Gewerbeertrag für Zinsen, Mieten und Pachten sowie für Lizenzzahlungen ergeben. Im Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz wurde der Freibetrag für diese Hinzurechnungen von 100.000 Euro auf 200.000 Euro erhöht.

Die notwendigen Informationen zu den notwendigen Eingaben in diesen Gewerbesteuer-Rechner finden Sie in den Antworten zu den folgenden Fragen. Möchten Sie es genauer wissen, sollten Sie sich bei den Eingaben entweder an der Gewerbesteuererklärung oder am letzten Gewerbesteuermessbescheid des Finanzamts orientieren.

Um Ihnen die Eingaben in den Online-Rechner zur Ermittlung der Gewerbesteuer zu erleichtern, hier einige typische Praxisfragen und leicht verständliche – aber nicht abschließende – Antworten.

Praxis-Tipp: Benötigen Sie genaue Werte zur Höhe der zu erwartenden Gewerbesteuer, sollten Sie damit einen Steuerberater beauftragen, der je nach Ihrer individuellen steuerlichen Situation den Gewerbeertrag ermitteln kann.

1. Was ist die Gewerbesteuer und welche Besonderheiten sind zu beachten?

Die Gewerbesteuer ist eine Steuer, die nur für Gewerbetreibende anfällt, die in Deutschland eine Betriebsstätte haben. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Rechtsform die gewerblichen Einkünfte erzielt werden. Bei Ermittlung der Gewerbesteuer ist der steuerliche Gewinn maßgeblich, der sich nach der Einkommensteuer bzw. nach der Körperschaftsteuer ergibt.

Dieser Gewinn erhöht sich um gewerbesteuerliche Hinzurechnungen und mindert sich um bestimmte gewerbesteuerliche Kürzungen. Was übrig bleibt, ist der so genannte Gewerbeertrag. Vom Gewerbeertrag ausgehend ermittelt das Finanzamt je nach Rechtsform den Gewebesteuermessbetrag. Wie hoch die Gewerbesteuer ausfällt, hängt vom Hebesatz ab, die eine Gemeinde für die Gewerbesteuer festgelegt hat.

Damit die Gewerbesteuer im internationalen Vergleich nicht zu steuerlichen Nachteilen führt, wird die Gewerbesteuer zumindest für Einzelunternehmen und für Mitunternehmer an Personengesellschaften auf die Einkommensteuer ganz oder anteilig angerechnet.

Neu durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz: Die Gewerbesteueranrechnung hat sich 2020 von bislang 380 Prozent des Gewerbesteuermessbetrags auf 400 Prozent erhöht.

Schema zur Berechnung der Gewerbesteuer

  Gewinn aus Gewerbebetrieb laut Einkommensteuer/Körperschaftsteuer ………. Euro
+ Hinzurechnungen nach § 8 GewStG ………. Euro
- Kürzungen nach § 9 EStG ………. Euro
= Maßgeblicher Gewerbeertrag nach § 7 GewStG ………. Euro
- Gewerbesteuerliche Verlustvorträge nach § 10a GewStG ………. Euro
- Freibetrag für Einzelunternehmen uns Personengesellschaften in Höhe von 24.500 Euro ………. Euro
= Endgültiger Gewerbeertrag ………. Euro
x einheitliche Steuermesszahl 3,5 Prozent ………. Euro
= Steuermessbetrag, den das Finanzamt in einem Steuerbescheid festsetzt ………. Euro
x Hebesatz je nach Gemeinde, mindestens 200 v.H.  
= Gewerbesteuer ………. Euro

Hat ein Betrieb mit gewerblichen Einkünften in mehreren Gemeinden eine Betriebsstätte, steht jeder dieser Gemeinden ein Teil des Gewerbesteuermessbetrags zu und darf Gewerbesteuer erheben. Die Aufteilung des Gewerbeertrags und des Gewerbesteuermessbetrags erfolgt im Verhältnis der Arbeitslöhne des in den jeweiligen Betriebsstätten eingesetzten Personals.

Praxis-Tipp 1: Ermitteln Sie die Gewerbesteuerbelastung für Ihren Handwerksbetrieb über einen Steuerrechner, müssen Sie zwingend als Ausgangsbasis den Gewinn oder Verlust angeben, den Sie oder Ihr Steuerberater bei der Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer ermittelt haben.

Praxis-Tipp 2: Stellt ein Unternehmer bzw. der Steuerberater Fehler bei Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags im Bescheid des Finanzamts fest, muss gegen diesen Steuerbescheid beim Finanzamt Einspruch eingelegt werden. Ein Einspruch bei der Gemeinde gegen den Gewerbesteuerbescheid ist unzulässig.

2. Wer muss Gewerbesteuer zahlen – und wer kassiert sie?

Gewerbesteuer zahlen müssen nur Betrieb, die gewerbliche Einkünfte erzielen und in Deutschland eine Betriebsstätte haben. Freiberufler und Künstler sind grundsätzlich nicht gewerbesteuerpflichtig, weil sie keine gewerblichen Einkünfte erzielen.

Die Gewerbesteuer wird von den Gemeinden erhoben und ist für Gemeinden eine der wichtigsten Einnahmenquelle. Die Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags erfolgt durch die Finanzämter und ist für die Gemeinden bindend. Der Steuerbescheid des Finanzamts, der so genannte Gewerbesteuermessbescheid, ist also Grundlagenbescheid für den Gewerbesteuerbescheid der Gemeinde.

3. Wer muss keine Gewerbesteuer bezahlen?

Keine Gewerbesteuer müssen Unternehmer zahlen, die keine gewerblichen Tätigkeiten ausüben, beispielsweise Freiberufler und Künstler.

Keine Gewerbesteuer wird zudem fällig, wenn der Gewerbeertrag eines Gewerbetreibenden nicht über dem Freibetrag von 24.500 Euro liegt oder wenn ein Unternehmer insgesamt einen negativen Gewerbeertrag erzielt (z.B. Anlaufverluste wegen hoher Investitionen).

Es kann auch sein, dass zwar in einem Jahr ein positiver Gewerbeertrag erzielt wird, jedoch noch ein Verlustvortrag zur Gewerbesteuer aus den Vorjahren vorhanden ist. In diesem Fall verrechnet das Finanzamt den positivem Gewerbeertrag mit dem Verlustvortrag. Dadurch kann es passieren, dass die Gewerbesteuer mit null Euro festgesetzt wird.

4. Kann man die Gewerbesteuer absetzen?

Für die Gewerbesteuer für Jahre ab 2008 gilt ein Abzugsverbot als Betriebsausgabe vom Gewinn. Ermitteln Sie oder Ihr Steuerberater also den einkommensteuerlichen bzw. körperschaftsteuerlichen Gewinn für Ihren Handwerksbetrieb, werden die Gewerbesteuerzahlen in der Regel zunächst vom Gewinn abgezogen. In einem zweiten Schritt sind die Gewerbesteuerzahlungen dem Gewinn dann jedoch wieder zuzurechnen.

Doch gewerbliche Einzelunternehmer und Mitunternehmer an gewerbesteuerpflichtigen Personengesellschaften profitieren von der kompletten oder anteiligen Anrechnung der Gewerbesteuerzahlungen auf die festgesetzte Einkommensteuer nach § 35 EStG.

Angerechnet wird aufgrund des Corona-Steuerhilfegesetzes seit 2020 das 4,0-fache des Gewerbesteuermessbetrags. Die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer ist jedoch auf die tatsächlich bezahlte Gewerbesteuer begrenzt. Bei Gemeinden mit Hebesätzen bis 422 Prozent wirkt sich die Gewerbesteuer finanziell nicht aus.

Beispiel: Einzelunternehmerin Else Huber erzielt mit ihrem Malerbetrieb in München einen Gewerbeertrag laut Gewerbesteuererklärung von 100.000 Euro. Bei einem Hebesatz von 490 Prozent, muss sie 17.150 Euro Gewerbesteuer an die Gemeinde bezahlen. Bei der Ermittlung der Einkommensteuer zieht das Finanzamt von der Einkommensteuer dafür 14.000 Euro ab (Gewerbesteuermessbetrag 3.500 Euro x 4,0).

Variante: Einzelunternehmer Horst Maier erzielt mit seiner Schreinerei einen Gewerbeertrag laut Gewerbesteuererklärung in Höhe von 100.000 Euro. Sein Schreinereibetrieb sitzt in einer Gemeinde mit einem Hebesatz in Höhe von 230 Prozent. Er muss also 8.050 Euro Gewerbesteuer an die Gemeinde bezahlen. Bei der Ermittlung der Einkommensteuer zieht das Finanzamt von der Einkommensteuer dafür 8.050 Euro ab (Gewerbesteuermessbetrag 3.500 Euro x 4,0 = 14.000 Euro, jedoch maximal in Höhe der tatsächlich gezahlten Gewerbesteuer von 8.050 Euro).

5. Wie hoch ist der Freibetrag?

Einzelunternehmen und Personengesellschaften profitieren bei Ermittlung des Gewerbeertrags von einem Gewerbesteuerfreibetrag in Höhe von 24.500 Euro. Nur für den Gewerbeertrag, der über diesem Freibetrag von 24.500 Euro liegt, muss mit Gewerbesteuerzahlungen gerechnet werden.

Aufgepasst: Bei Ermittlung des Gewerbeertrags bei einer Kapitalgesellschaft gibt es diesen Gewerbesteuerfreibetrag nicht. Von dem Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro profitieren nur natürliche Personen oder Personengesellschaften.

6. Was ist der Gewerbesteuermessbetrag?

Der Gewerbesteuermessbetrag ist der Betrag, den das Finanzamt in einem Steuerbescheid festsetzt und der Gemeinde mitteilt. Die Gemeinde wendet auf diesen Gewerbesteuermessbetrag den in der Gemeinde geltenden Hebesatz zur Gewerbesteuer an und setzt in einem Gewerbesteuerbescheid die Gewerbesteuer fest.

Praxis-Tipp: Die Gemeinde ist von dem Gewerbesteuermessbetrag, den das Finanzamt festsetzt, abhängig. Die Gemeinde darf den vom Finanzamt festgesetzten Gewerbesteuermessbetrag nicht einfach ändern oder berichtigen. Ist ein Gewerbetreibender mit der Höhe seiner Gewerbesteuerzahlungen oder seiner Gewerbesteuervorauszahlungen nicht einverstanden, bringt es also nichts, sich bei der Gemeinde zu beschweren oder Anträge zu stellen. Anträge auf Anpassung der Gewerbesteuervorauszahlungen oder Einsprüche müssen zwingend beim Finanzamt eingereicht werden. Das Finanzamt erlässt dann im Zweifel neue Gewerbesteuermessbescheide, an die die Gemeinde wiederum gebunden ist.

7. Was ist der Hinzurechnungsbetrag?

Bei der Ermittlung des Gewerbeertrags werden dem Gewinn bestimmte Aufwendungen anteilig wieder hinzugerechnet. Es geht vor allem um gezahlte Zinsen, um geleistete Leasing und Pachtgebühren für bewegliche und unbewegliche Wirtschaftsgüter oder um Lizenzzahlungen.  

  Gewinn aus Gewerbebetrieb ………. Euro
+ 100 Prozent der geleisteten Schuldzinsen ………. Euro
+ 50 Prozent der geleisteten Miet- und Pachtzahlungen für unbewegliche Wirtschaftsgüter (Miete für Lager, Büroräume, etc.) ………. Euro
+ 20 Prozent der geleisteten Miet- und Leasingzahlungen für bewegliche Wirtschaftsgüter ………. Euro
+ 25 Prozent der geleisteten Lizenzzahlungen für die Nutzung von Software, Patenten, etc. ………. Euro
= Zwischensumme ………. Euro
- Freibetrag in Höhe von 200.000 Euro (neu durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz ab 2020; vorher 100.000 Euro) -200.000 Euro
= Hinzurechnungen nach Abzug des Freibetrags ………. Euro
x 25 Prozent = tatsächliche Zurechnung zum Gewerbeertrag ………. Euro

Diese Aufzählung ist nicht abschließend. Welche weiteren Hinzurechnungen bei Ermittlung des Gewerbeertrags vorgeschrieben sind, kann der Gewerbesteuererklärung entnommen werden (z.B. im Gewinn aus Gewerbebetrieb enthaltene Verluste aus einer Beteiligung an einer Personengesellschaft oder Aufwendungen im Zusammenhang mit einer stillen Beteiligung.

8. Was ist der Kürzungsbetrag?

Bei Ermittlung des Gewerbeertrags kommt es nicht nur zu Hinzurechnungen, sondern auch zu Kürzungen. Insbesondere folgende Kürzungen sollten Gewerbetreibende kennen:

  • Befindet sich im Gewinn aus Gewerbebetrieb ein Gewinn aus einem Anteil an einer Personengesellschaft, ist dieser bei Ermittlung des Gewerbeertrags wieder abzuziehen.
  • Hat ein Unternehmer eine Immobilie, wird der Gewerbeertrag um 1,2 Prozent des Einheitswerts des Grundbesitzes gekürzt.
  • Noch besser ist es, wenn ein Unternehmer nur noch eigenen Grundbesitz verwaltet und keine weiteren gewerblichen Aktivitäten mehr ausübt. In diesem Fall greift bei der Gewerbesteuer die so genannte "erweiterte Grundstückskürzung". Der Kürzungsbetrag ist in diesem Fall der komplette Gewinn aus Gewerbebetrieb. Mit anderen Worten: Hier fällt niemals Gewerbesteuer an, weil der Gewerbeertrag null Euro beträgt.

9. Was ist der Gewebesteuerhebesatz?

Der Gewerbesteuerhebesatz wird von jeder Gemeinde individuell erhoben. Er beträgt in Deutschland zwischen 200 und 490 Prozent. Möchten Sie über unseren Online-Rechner Ihre Gewerbesteuerbelastung ausrechnen, müssen Sie zuerst auf der Homepage Ihrer Gemeinde nachsehen, wie hoch der Hebesatz zur Gewerbesteuer für das betreffende Jahr ist. Diesen Hebesatz tragen Sie dann in den Online-Rechner ein.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten