Gesund auf dem Gerüst

Mit Schulungen und passenden Hilfsmitteln lässt sich der Krankenstand im Betrieb reduzieren

Motivation gestiegen, Ausfallkosten gesunken: Ulrich Bomm (3.v.l.) hat in seinem Malerbetrieb viel für die Gesundheit seiner Mitarbeiter getan – hier von links Hans Hartmann, Seniorchef Werner Bomm sowie ganz rechts Stefan Metzdorf.Foto: privat

Gesund auf dem Gerüst

Wir hatten traditionell immer einen sehr niedrigen Krankenstand, 3 oder 3,5 Prozent. Vor einigen Jahren ging das dann immer mehr in die Höhe bis auf 7,5 Prozent.“ Malermeister Ulrich Bomm steuerte diesem Trend entgegen. Der Chef des Weitersburger 20-Mann-Betriebs ließ seine Mitarbeiter in Workshops erarbeiten, was sie störte, mit welchen gesundheitlichen Problemen sie zu kämpfen hatten, und nahm ihre Verbesserungsvorschläge auf.

Hauptkritikpunkt des Teams war der hohe Arbeitsdruck. Den, so betont der 37-jährige Unternehmer, könne er nicht wegzaubern: Der Druck in der Branche sei enorm und bis zu einem gewissen Grad müsse er den auch an die Mitarbeiter weitergeben. Doch fand Bomm trotzdem Möglichkeiten, um die Arbeit für seine Angestellten angenehmer und sicherer zu gestalten.

Zunächst besuchten die Mitarbeiter Rückenschulungen. Sie lernten, ihre Bewegungsabläufe zu optimieren und Hilfsmittel zu nutzen. In einem Ernährungsseminar erfuhren sie, warum ein Salat dem Körper besser tut als eine Currywurst. Und selbst das Stressbewältigungsseminar kam an: „Das sind lauter kräftige Jungs, die morgens die Meditationsübungen noch belächelt haben. Am Ende des Tages waren sie begeistert“, betont Ulrich Bomm.

Dann erarbeiteten Bomm und seine Leute nach und nach, womit sie sich die täglichen Aufgaben erleichtern können. So investierte der Betrieb beispielsweise in einen neuen Staubsauger, um Stäube effektiver aus der Luft zu holen. Doch nicht alle Hilfsmittel mussten neu gekauft werden. „Vieles hatten wir schon im Betrieb, es war nur in Vergessenheit geraten“, erklärt Bomm. Inzwischen haben sich die Mitarbeiter in die Funktionsweisen von Traghilfen und ähnlichen Geräten eingearbeitet und festgestellt, dass die Arbeit damit nicht nur leichter, sondern auch schneller geht. Auch die persönlichen Schutzausrüstungen hat Bomm optimiert, hinzu kommen Hautschutz wie der flüssige Handschuh und lösungsmittelfreie Reinigungsmittel.

Dritter Aspekt der Verbesserungsmaßnahmen war das Optimieren der internen Abläufe. Bomm gibt seinen Mitarbeitern jetzt nicht mehr nur mündliche, sondern auch schriftliche Anweisungen, was genau auf einer Baustelle zu tun ist. Das bedeutet weniger Unsicherheit und damit auch weniger Stress. Für Sicherheitsausrüstungen und Hilfsmittel ist ein bestimmter Mitarbeiter verantwortlich. Er kontrolliert, ob alles vorhanden und intakt ist und hält die Kollegen auch dazu an, die Möglichkeiten zu nutzen. Auch Selbstverständlichkeiten haben sich Bomms Leute jetzt wieder bewusst gemacht: Sie halten ihre Baustellen sauber, Stolperfallen sollen gar nicht erst entstehen.

Damit die Anstrengungen für ein gesünderes und besseres Arbeiten nicht einschlafen, treffen sich alle Mitarbeiter einmal im Monat und besprechen, wo noch etwas im Argen liegt. Malermeister Bomm ist begeistert: „Man muss als Chef gar nicht drängen. Wenn man die Mitarbeiter mit ins Boot nimmt, ist richtig Eigenverantwortung da, da kommen Ideen.“ Nicht nur den Mitarbeitern, auch dem Chef selbst macht die Arbeit jetzt wieder richtig Spaß. Die Auszeichnung mit dem zweiten Platz beim Arbeitsschutzpreis Rheinland-Pfalz war 2006 ein zusätzliches Bonbon. Vor allem aber kann Bomm die Verbesserungen an seiner Kasse ablesen: Der Betrieb hat heute einen Krankenstand von 2,8 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Branchendurchschnitt. Über 20.000 Euro Kosten spart der Unternehmer dadurch im Jahr. Seine Investitionen in eine bessere Ausrüstung haben sich längst bezahlt gemacht.

Weiterführende Informationen gibt es im Internet unter www.maler-bomm.de