Branche -

Schutz vor Schäden auf dem Bau Gerichtsurteile zu Bauschäden: Baufirma und Bauherr in der Pflicht

Baustellen bergen erhebliche Risiken. Sowohl Bauherren als auch Baufirmen müssen sich deshalb umfassend absichern. Denn wer für fahrlässig verursachte Schäden aufkommen muss, ist letztlich immer eine Frage des Einzelfalls.

Frank C. wollte sich und seiner Familie den lange gehegten Traum erfüllen: Ein Eigenheim sollte her. Er kaufte ein Grundstück in einer rheinland-pfälzischen Kleinstadt in der Nähe von Koblenz, beauftragte einen Architekten mit der Planung. Eine Baufirma aus der Region, die ihm von mehreren Bekannten empfohlen worden war, sollte Keller und Rohbau erstellen, beim Innenausbau würde er vieles selbst machen, gemeinsam mit Freunden. Doch die Probleme begannen schon beim Ausheben der Baugrube: Plötzlich sickerte Grundwasser ein, die Böschung zum Nachbargrundstück geriet ins Rutschen. Am Haus des Nachbarn bildeten sich Setzungsrisse. Der Nachbar ließ ein Gutachten anfertigen und verklagte Frank C. auf Schadensersatz – einen sechsstelligen Betrag.

Frank C. wollte seinerseits den Architekten und die Baufirma zur Rechenschaft ziehen – schließlich waren sie für Bauausführung, Planung und Bauüberwachung zuständig. Doch mehrere Gutachter kamen zu dem Schluss, dass kein Fehlverhalten vorlag – der Wassereinbruch sei nicht vorhersehbar gewesen. Letztlich urteilte das Oberlandesgericht Koblenz, dass Frank C. seinem Nachbarn die Kosten für den Schaden erstatten müsse (Aktenzeichen: 5 U 18/03). Begründung: Als Bauherr hafte er verschuldensunabhängig für sämtliche zurechenbaren Einwirkungen auf das Nachbargrundstück. Zum Glück übernahm die Bauherrenhaftpflichtversicherung, die Frank C. vor dem Baubeginn abgeschlossen hatte, den Schaden.

Der Fall zeigt: Wer ein Haus baut, sollte schon beim Grundstückskauf an den Abschluss wichtiger Versicherungen denken – und die Baufirmen sollten die Bauherren bereits beim Vertragsschluss darauf hinweisen. Denn ein Hausbau birgt erhebliche Gefahren. "Bauherren müssen schon vor dem ersten Spatenstich ausreichend abgesichert sein", mahnt Mathias Zunk vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Ansonsten könne der Traum vom Eigenheim schnell im Albtraum enden. Denn während der Bauphase kann einiges schief gehen – und ohne die passende Absicherung können Schäden die Bauherren finanziell ruinieren. Und ein ruinierter Bauherr ist natürlich auch nicht im Interesse der Baufirmen, denn wenn er seine Rechnungen nicht bezahlen kann, bleiben die Unternehmen auf ihren Kosten sitzen.

Auch Baufirmen müssen sich umfassend absichern

Aber auch die Bauunternehmen selbst müssen sich umfassend absichern, damit fahrlässig verursachte Schäden sie nicht in die Pleite treiben. Wie groß in dieser Hinsicht das Risiko ist, zeigt ein aktueller Fall aus dem niedersächsischen Oldenburg, über den der D.A.S. Leistungsservice informiert: Bei Tiefbauarbeiten mit einem Rammgerät war das Nachbarhaus beschädigt worden – erhebliche Risse in den Wänden sorgten dafür, dass diese nach außen nicht mehr dicht waren, ein Fenster war sogar aus der Laibung gerissen worden. Die Eigentümer verlangten nun vom Bauunternehmer 20.000 Euro – und bekamen vor dem Oberlandesgericht Oldenburg Recht (Az.: 12 U 61/16). Begründung: Das Einrammen von Eisenträgern in unmittelbarer Nähe zum Nachbarhaus habe gegen die anerkannten Regeln der Baukunst verstoßen – die Schäden seien vorhersehbar und für solche Arbeiten typisch gewesen. Daher sei nicht der Bauherr, sondern die Baufirma für den Schaden heranzuziehen.

Auch dass Vorschäden an dem Bestandsgebäude bestanden hatten, änderte an der Haftung der Baufirma nichts: Die alten, bestehenden Risse in der Fassade hätten sich einem Sachverständigen zufolge aufgrund der Tiefbauarbeiten auf mehrere Zentimeter verbreitert und seien nun durch die gesamte Hauswand gegangen, sodass das Haus keinen Schutz mehr gegen die Witterung biete. Die Betriebshaftpflichtversicherung des Bauunternehmens beglich letztlich den Schaden.

Wer für Schäden aufkommen muss, ist einzelfallabhängig

Der Fall ist eine Mahnung an Baufirmen wie Bauherren, sich jeweils umfassend abzusichern. Denn wer für einen fahrlässig verursachten Schaden auf einer Baustelle aufkommen muss, ist immer eine Frage des Einzelfalls. Gerade in Städten, wo Wohnraum begrenzt ist und nur noch Baulücken bebaut werden können, an die oftmals direkt ein Altbau angrenzt, sind die Risiken erheblich: Das Baugerüst kann umstürzen und das Nachbarhaus beschädigen, herabfallende Teile können Passanten verletzen und parkende Autos beschädigen – und spielende Kinder können in die Baugrube fallen. Mitunter werden auch Bauherr und Baufirma gemeinsam in die Pflicht genommen – der Geschädigte kann dann beide Parteien zur Rechenschaft ziehen und den jeweils anderen belangen, wenn bei der ersten Partei nichts zu holen ist. Ein guter Haftpflichtschutz ist daher für Bauherr wie Baufirma Pflicht.

Bei kleineren Bauvorhaben an bereits bestehenden Immobilien, beispielsweise einem Dachausbau, reicht in den meisten Fällen die private Haftpflichtversicherung des Bauherrn aus. Sie schließt kleinere Bauvorhaben mit ein, je nach Tarif mit einer Bausumme zwischen 25.000 und 50.000 Euro. Wer neu baut oder sehr umfassend renoviert, "sollte aber auf jeden Fall eine Bauherrenhaftpflichtversicherung abschließen", betont Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Die Police kommt dann für fahrlässig verursachte Schäden auf, etwa weil die Baustelle unzureichend gesichert wird. Unberechtigte Ansprüche werden abgewehrt. "Die Deckungssumme sollte mindestens auf fünf Millionen Euro für Personen- und Sachschäden festgelegt werden", so die Expertin. Die Beitragshöhe richtet sich dabei nach den Baukosten, geplante Eigenleistungen müssen gesondert angegeben werden. Bezogen auf die Kosten, die der Bau eines Eigenheims verschlingt, ist der Beitrag für eine solche Haftpflichtpolice gering.

Auch auf Bauleistungsversicherung achten

Eine Feuerrohbauversicherung schließen die meisten Bauherren automatisch ab: Sämtliche Banken bestehen nämlich darauf und vergeben ohne eine solche Police keinen Kredit. Die Feuerrohbauversicherung schützt aber während der Bauphase ausschließlich vor Feuerschäden. Um den Rohbau gegen Unwetterschäden oder mögliche Beschädigungen durch Unbekannte abzusichern, ist zusätzlich eine Bauleistungsversicherung notwendig. Eine solche Police sollten Baufirmen ihren Auftraggebern dringend ans Herz legen, denn sie kann einem späteren Streit vorbeugen. Gerade wenn auf der Baustelle gelagertes Baumaterial, das noch nicht verbaut wurde, gestohlen wird, ist oftmals unklar, wer für den Schaden aufkommen muss. Ist eine Bauleistungsversicherung vorhanden, muss diese Frage gar nicht erst geklärt werden, denn dann begleicht der Versicherer den Schaden. Laut Angaben des Bundes der Versicherten wird daher in vielen Fällen so verfahren, dass der Beitrag für die Bauleistungsversicherung zwischen Bauherr und Baufirma geteilt wird.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten