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Jahressteuergesetz 2019 Geplante Steueränderungen für 2020: Was Sie wissen sollten

Die Bundesregierung hat Ende Juli einen geänderten Entwurf zum "Jahressteuergesetz 2019" veröffentlicht. Die geplanten Steueränderungen zum 1. Januar 2020 sind im Entwurf des "Gesetzes zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften" zu finden. Zahlreiche dieser Änderungen sollten Sie unbedingt schon heute berücksichtigen, damit Ihnen die neuen steuerlichen Vorteile nicht durch die Lappen gehen oder um auf nachteilige Steueränderungen 2020 vorbereitet zu sein.

Wichtig bei Ihren Planspielen: Das Jahressteuergesetz 2019 ist noch nicht veröffentlicht. Es handelt sich um ein "geplantes" Gesetz.

Elektrolieferfahrzeuge – Steuervorteil bei Kauf 2020

Planen Sie den Kauf eines Elektro­lieferfahrzeugs und es eilt damit nicht, sollte der Kauf besser erst ab Januar 2020 über die Bühne gehen. Denn ab 2020 winkt Ihnen neben der normalen Abschreibung eine 50-prozentige Sonderabschreibung für Elekrtolieferfahrzeuge.

Voraussetzung: Es muss ein neues (bislang ungenutztes) Elektrolieferfahrzeug mit Erstzulassung 2020 ­angeschafft werden. Der Kauf eines vorher beim Verkäufer nur zu ­Vorführzwecken genutzten Fahrzeugs ist steuerlich nicht begünstigt. Auch schwere Lastkraftwagen mit mehr als 7,5 Tonnen sind von der Förderung ausgeschlossen. Diese neue Sonderabschreibung soll bei Kauf in den Jahren 2020 bis 2030 winken.

Beispiel: Kaufen Sie noch im Dezember 2019 für 80.000 Euro ein neues Elektrolieferfahrzeug, können Sie 2019 eine gewinnmindernde Abschreibung von 833,33 Euro verbuchen (80.000 Euro: 8 Jahre Nutzungsdauer × 1/12 für Dezember). Ab dem Jahr 2020 beträgt die Jahresabschreibung dann 10.000 Euro.

Kaufen Sie das E-Lieferfahrzeug dagegen erst im Januar 2020, ist nach den geplanten Änderungen folgende Abschreibung im Jahr 2020 möglich: 50.000 Euro (80.000 Euro: 8 Jahre Nutzungsdauer = lineare Abschreibung 10.000 Euro; 80.000 Euro × 50 Prozent = Sonderabschreibung 40.000 Euro).

E-Firmenwagen: Verlängerung der Steuervergünstigungen

Die im Jahr 2019 verabschiedete Neuregelung, wonach für die Privatnutzung eines Elektro- und Hybrid-Firmenwagens nur noch die Hälfte versteuert werden muss, stieß in Unternehmen bislang auf wenig Gegenliebe. Das lag wohl daran, dass diese Regelung nur für Anschaffungen zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 31. Dezember 2021 gelten sollte.

Im Jahressteuergesetz 2019 ist nun geplant, dass die Halbierung der Bemessungsgrundlage bei der E-Firmenwagenbesteuerung bei Anschaffungen bis 31. Dezember 2030 gelten soll. Nutzt ein Arbeitnehmer einen E-Dienstwagen und darf diesen in der Arbeit kostenfrei aufladen, ist dieser Vorteil lohnsteuerfrei. Diese steuerliche Vergünstigung soll ebenfalls bis zum Lohnzahlungszeitraum 2030 verlängert werden.

Tipp: Waren Sie bisher unentschlossen, ob Sie sich einen "normalen" Firmenwagen zulegen oder doch lieber ein Elektro- oder Hybridfahrzeug, sollten Sie aufgrund der geplanten beständigen Steuervergünstigung vom Steuerberater eine Vergleichsrechnung vornehmen lassen, wie sich ein Kauf jeweils steuerlich für Ihren Handwerksbetrieb auswirkt.

Vorteile bei der Gewerbesteuer für E-Autos

Bei der Festsetzung der Gewerbesteuer gibt es ein paar Besonderheiten. Zum Gewerbeertrag rechnet das Finanzamt anteilige Zins- und Lizenzaufwendungen, Mieten und Pachten für Immobilien und Mieten und Pachten für bewegliche Gegenstände. Zu den beweglichen Gegenständen zählen auch Dienstwagen, die ein Unternehmer least.

Für Elektro- und Hybridfahrzeuge, bei denen der zu versteuernde Privatanteil halbiert wird, soll ab 2020 auch bei der Hinzurechnung zum Gewerbeertrag nur noch die Hälfte der anteiligen Leasingraten berücksichtigt werden.

Kleiner Wermutstropfen: Diese steuerliche Vergünstigung soll allerdings nur für E-Fahrzeuge greifen, für die ab 1. Januar 2020 Leasingverträge abgeschlossen werden.

Neue Pauschalbesteuerung für Jobtickets

Auch Arbeitnehmer können sich über eine Neuregelung im Jahressteuergesetz 2019 freuen. Denn ab dem Tag der Verkündung dieses Gesetzes darf der Arbeitgeber die Aufwendungen des Mitarbeiters für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr übernehmen und darf die Steuer dafür mit pauschal 25 Prozent übernehmen, selbst wenn die Übernahme der Aufwendungen nicht zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erfolgt.

Mit anderen Worten: Sie können mit Ihrem Arbeitnehmer eine Gehaltsumwandlung von laufendem Gehalt in das Gehaltsextra Jobticket vereinbaren und dürfen die Steuern dafür übernehmen. Die Vergünstigung soll gelten für
  • Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und
  • private Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr.

Steuerbefreiung für Weiterbildungsleistungen

Bei Lohnsteuerprüfungen des Finanzamts in Handwerksbetrieben war bisher die Überprüfung von vom Arbeitgeber spendierten Weiterbildungsmaßnahmen programmiert.
Gingen die in der Weiterbildung vermittelten Kenntnisse über eine arbeitsplatzbezogene Fortbildung hinaus, wurde der Zufluss eines geldwerten Vorteils beim Arbeitnehmer unterstellt.

Folge: Lohnsteuernachzahlungen. Ab dem Tag nach Verkündigung dieses Gesetzes dürfte dieses Problem zumindest für zukünftige Weiterbildungsleistungen kein Thema mehr sein. Denn Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers für Maßnahmen nach § 82 Abs. 1 und 2 SGB III sowie Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers, die der Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit des Arbeitnehmers dienen, sind dann ohne Wenn und Aber lohnsteuerfrei.

In § 82 Abs. 1 und 2 SGB III sind Weiterbildungen erfasst, die Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse vermitteln, die über eine arbeitsplatzbezogene Fortbildung hinausgehen. Gemeint sind beispielsweise Sprachkurse oder Computerkurse, die offensichtlich nicht arbeitsplatzbezogen sind.

Zusammenfassende Meldung

Haben Sie Geschäftsbeziehungen zu im EU-Ausland ansässigen Unternehmen und erbringen in diesem Zusammenhang steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen? Wenn ja, müssen Sie beim Finanzamt eine Zusammenfassende Meldung (ZM) abgeben und diese Umsätze erklären. Nach Inkrafttreten des Jahressteuergesetzes 2019 ahnden die Finanzämter es sehr streng, wenn Sie die ZM nach § 18a Umsatzsteuergesetz (UStG) nicht oder nicht vollständig ausgefüllt übermitteln. Die Finanzämter dürfen ab diesem Zeitpunkt die Umsatzsteuerfreiheit der innergemeinschaftlichen Lieferung versagen.

Tipp: Ist Ihr Unternehmen zur Abgabe einer solchen ZM verpflichtet, Sie wissen aber nicht genau, was dabei zu beachten ist? Dann sollten Sie die dafür verantwortlichen Mitarbeiter Ihres Betriebs entweder zeitnah schulen lassen oder Sie überlassen die Ausfüllarbeiten künftig Ihrem Steuerberater.

Aktienverlust unbedingt noch 2019 realisieren

Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs würde die Ausbuchung wertloser Aktien aus dem privaten Depot durch die Bank dazu führen, dass das Finanzamt die Verluste steuerlich anerkennen und mit Gewinnen aus anderen Kapitalanlagen steuersparend verrechnen muss. Doch aufgrund einer geplanten Änderung 2020 sollten Sie der Ausbuchung der wertlosen Aktien aus Ihrem Depot zuvorkommen und schnellstmöglich verkaufen.

In Jahressteuergesetz 2019 ist vorgesehen, dass die Ausbuchung wertloser Aktien aus dem Depot eines Anlegers steuerlich irrelevant ist. ­Weder die Bank noch das Finanzamt müssen ab 2020 solche Verluste steuerlich berücksichtigen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich bei drohender Wertlosigkeit und Ausbuchung der Aktien, die Aktien noch bis zum 31. Dezember 2019 mit Verlust zu verkaufen. Nur in diesem Fall können Sie erreichen, dass das Finanzamt die Verluste steuerlich berücksichtigt.

Tipp: Werden Sie also unbedingt noch 2019 aktiv, wenn zu erwarten ist, dass wertlose Aktien voraussichtlich 2020 aus Ihrem Depot ausgebucht werden könnten.

Prepaid-Kreditkartenmodell weiterhin anwendbar

Möchte ein Arbeitgeber einem Mitarbeiter zusätzlich zum vertraglich geschuldeten Arbeitslohn eine freiwillige Sonderzahlung spendieren, kann er weiterhin auf das Prepaid-Kreditkartenmodell zurückgreifen. Im ­Referentenentwurf zum Jahressteuergesetz 2019 sollte dieses Steuersparmodell noch kippen. Doch im Regierungsentwurf vom 31. Juli 2019 ist diese geplante Änderung nicht mehr zu finden.

Und darum geht es: Wenden Sie dem Mitarbeiter keinen Barlohn zu, sondern zahlen Sie die freiwillige Sonderzahlung auf eine Prepaid-Kreditkarte ein und der Arbeitnehmer kann bei bestimmten Akzeptanzpartnern nur Waren und Dienstleistungen dafür beziehen (= Sachbezug), können Sie die Steuern für den Arbeitnehmer übernehmen. Führen Sie die 30-prozentige Pauschalsteuer nach § 37b EStG ab, wird Ihr Arbeitnehmer von Steuerabzügen verschont.

Tipp: Planen Sie die Anwendung dieses Steuersparmodells, sollten Sie sich einen Anbieter einer solchen Prepaid-Kreditkarte suchen. Zum anderen sollten Sie den steuerlichen Part Ihrem Steuerberater überlassen. Bei erstmaliger Anwendung sollten Sie zudem beim Finanzamt nachhaken, ob lohnsteuerlich alles passt. Sie können einen kostenlosen Antrag auf Erteilung einer Anrufungsauskunft nach § 42e EStG beim Finanzamt stellen und bekommen so umgehend ein Feedback, ob Sie dieses Steuersparmodell korrekt anwenden oder nicht.

Verbot des Abzugs für Betriebsausgaben einplanen

Bisher war der Betriebsausgabenabzug für Geldbußen, Ordnungsgelder und Verwarnungsgelder von Ge­richten oder Behörden anderer EU-Mitgliedsstaaten nicht ausgeschlossen. Ab dem Tag, an dem das Jahressteuergesetz 2019 in Kraft tritt, wird das anders. Diese Neuregelung soll rückwirkend für alle nach dem
31. Dezember 2018 festgesetzten sowie entstandenen Geldbußen, Ordnungsgelder und Verwarnungsgelder gelten.

Tipp: Kalkulieren Sie als Unternehmer bei Ermittlung der Steuernachzahlungen beziehungsweise Steuererstattungen ab diesem Jahr 2019 ­also unbedingt ein, dass die beschriebenen Strafzahlungen nicht mehr als Betriebsausgaben den Gewinn Ihres Handwerksbetriebes mindern dürfen.

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