Jeder vierte Deutsche ist bei Facebook und auch immer mehr Unternehmen nutzen das Online-Netzwerk. Datenschützer empfehlen nun jedoch den 'Gefällt mir'-Button von der eigenen Website zu entfernen. Über diese Funktion werden Daten der Nutzer ohne Zustimmung an Facebook übertragen.

'Gefällt mir'-Button in der Kritik
Die Kritik an Facebook wird immer lauter. Mehrere Datenschutzbeauftragte der Länder haben sich zu dem zweifelhaften Vorgehen von Facebook geäußert, über den 'Like'- oder 'Gefällt mir'-Button Daten von Nutzern zu sammeln und daraus Profile zu erstellen. Sie reagierten damit auf die Kritik ihres Kollegen aus Schleswig-Holstein, der bereits vergangene Woche eindringlich vor Verknüpfungen zu Facebook gewarnt hat. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte gestern, er habe seine Ministerien und Behörden auf Bundesebene schon "vor einiger Zeit" davon abgeraten, diese Buttons von Facebook auf ihren Internetseiten zu verwenden.
"Schon der Aufruf einer entsprechenden Seite führt zur Übertragung bestimmter Daten, darunter der IP-Adresse des Nutzers, an Facebook", sagte Schaar. Klicke jemand den 'Gefällt mir'-Button an, dann werde die Information zur angesurften Seite mit seinem Profil bei Facebook verknüpft. "Facebook weiß damit noch mehr über uns und kann diese Daten theoretisch auch an Dritte weitergeben." Solche Profile seien daher nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Betroffenen gestattet.
Schaar fordert Nachbesserungen
Schaar sagte, er halte wenig davon, künftig Bußgelder gegen Blogger oder Kleinunternehmen zu verhängen, die auf 'Like'-Buttons setzten: "Wir wollen vielmehr Facebook dazu bringen, seine Mechanismen so zu überarbeiten, dass sie unsere datenschutzrechtlichen Anforderungen erfüllen." Bei Googles Dienst "Analytics", der wie Facebooks Buttons die Reichweite von Veröffentlichungen messe, sei das schon gelungen.
"Deshalb begrüße ich es auch, dass sich jetzt Landesdatenschützer zu den 'Like'-Buttons äußern." Das Problem werde zudem auf europäischer Ebene diskutiert, um "kurzfristig" eine einheitliche Position der Datenschutzbehörden zu erreichen. Damit werde der Druck erhöht.
Facebook-Nutzer reagiert mit neuen Funktionen
Facebook passte wiederum bereits am Dienstagabend einige Funktionen an, mit denen Nutzer bestimmen können, wer welche Informationen oder Fotos von ihnen zu sehen bekommt. In den kommenden Tagen sollen nach und nach alle die Möglichkeit erhalten, einfacher als bisher zu entscheiden, welche Freunde welche Nachrichten zu sehen bekommen.
Die Plattform führt dafür neue Funktionen ein, die stark an das konkurrierende und noch relativ neue Angebot "Google Plus" erinnern und so bei Facebook bisher nur in abgespeckter Form zu finden waren: Nutzer können Kontakte in Gruppen aufteilen und beim Veröffentlichen von Neuigkeiten auswählen, welche Gruppen diese zu sehen bekommen, ob ihre Freunde, ihre Kollegen oder alle Besucher ihres Profils.
dapd/dhz