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Tarifstreit beendet Gebäudereiniger-Handwerk bekommt höhere Lohnzuschläge und mehr Urlaub

Eine höhere Überstundenvergütung, mehr Urlaub, einen Weihnachtsbonus und Zuschläge bei der Sonn- und Feiertagsarbeit: Der Tarifstreit zwischen den Arbeitgebern des Gebäudereiniger-Handwerks und der IG Bau ist beendet. Ein neuer Rahmentarifvertrag ist ausgehandelt. So geht es nun weiter.

Sechs Verhandlungsrunden haben die Tarifpartner, der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gebraucht, um eine Einigung zu finden für einen neuen Rahmentarifvertrag. Dieser regelt nicht die eigentlichen Löhne – dafür gibt es den Lohntarifvertrag – sondern alles, was Zuschläge, Sonderzahlungen und auch den Urlaub betrifft.

Nötig war eine Neufassung deshalb geworden, weil der Arbeitgeberverband den alten Tarifvertrag gekündigt hat. Den Anlass dazu gab ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts. Es besagt, dass Zuschläge für Mehrarbeit nicht nur für Vollzeit-, sondern auch für Teilzeitkräfte gelten. Das war im alten Rahmentarifvertrag der Branche anders geregt.

Tarifabschluss für das Gebäudereiniger-Handwerk: Das sieht die Einigung vor

Nun gibt es eine Einigung für eine Neufassung des Rahmentarifvertrags. Sie wurde in der Nacht zu diesem Freitag vereinbart, meldet die IG Bau. Die Neuregelungen für Überstunden von Teilzeitkräften erklärt die Gewerkschaft wie folgt: Teilzeitbeschäftigte, die über fünf Monate hinweg kontinuierlich ein Überstundenpensum von mindestens 15 Prozent leisten, sollen einen Anspruch darauf bekommen, dass ihr Arbeitsvertrag auf die tatsächlich geleistete, höhere Wochenstundenzahl angepasst wird. Für Überstunden werde künftig ab der neunten Arbeitsstunde ein Belastungszuschlag von 25 Prozent vom Stundenlohn bezahlt.

Der Bundesinnungsverband hatte eine komplette Gleichstellung von Vollzeit- und Teilzeitkräften zuvor immer abgelehnt mit der Begründung, dass dadurch Unfrieden in den Betrieben entstehen würde. Als Beispiel nannte Gebäudereiniger-Präsident Thomas Dietrich im Interview mit der DHZ: "Es würde zum Beispiel bedeuten, dass jemand in Teilzeit, der regulär pro Tag nur zwei Stunden arbeitet, für die dritte Stunde einen Zuschlag von 25 Prozent bekäme, die Vollzeitkollegen dagegen nicht. Ist das fair? Nein!" So sprach sich sein Verband schon lange für einen Belastungszuschlag für alle aus. Dieser steht nun im neuen Rahmentarifvertrag.

Des Weiteren wurden darin einige höhere Zuschläge vereinbart:

  • ein einheitlicher Nachtzuschlag von 30 Prozent (5 Prozent mehr als bislang),
  • einen Aufschlag von 80 Prozent an Sonn- und Feiertagen (statt bisher 75 Prozent) und
  • für die Arbeit am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag, an Neujahr und am 1. Mai Zuschläge von 200 Prozent des Lohns.
  • Außerdem sind für Industriereiniger (inklusive der Maschinenreinigung) 75 Cent pro Stunde extra vorgesehen.

Einigung fürs Weihnachtsgeld vertagt - Weihnachtsbonus kommt

Besonders lang steht das Thema "Weihnachtsgeld" bereits in der Diskussion der Tarifparteien. Schon in der Weihnachtszeit 2018 kam es deshalb zu Streiks. So wertet es die Gewerkschaft nun als großen Erfolg, dass das Gebäudereiniger-Handwerk nun einen Weihnachtsbonus bekommen soll. Dieser sieht nach Angaben der IG Bau so aus, dass alle Beschäftigten in diesem und im kommenden Jahr Heiligabend oder wahlweise den Silvestertag als bezahlten Arbeitstag frei bekommen. "Wenn sie arbeiten, erhalten sie als Weihnachtsprämie für diesen Tag einen 150-prozentigen Lohnzuschlag", teilt die Gewerkschaft mit.

Ob es auch ein tarifvertraglich vereinbartes Weihnachtsgeld – wie ein 13. Monatsgehalt – geben wird, vertagten Bundesinnungsverband und Gewerkschaft allerdings auf die nächsten Verhandlungen für den Lohntarifvertrag 2020. Eine solche Vereinbarung gehört nicht in den Rahmentarifvertrag.

Der Arbeitgeberverband verweist bei dem Thema allerdings auch darauf, dass der Vorwurf der Gewerkschaft des angeblichen "Lohn-Geizes" hierbei nicht richtig wäre. So würden die  Einstiegslöhne der Branche schon jetzt 15 Prozent über Mindestlohn liegen und seien allgemeinverbindlich. "Die Ausbildungsvergütung steigt 2020 bundesweit auf bis zu 1050 Euro im Monat. Gesellen steigen bei uns oftmals über 2.500 Euro ein. Als erste Handwerksbranche überhaupt schaffen wir die Angleichung von Ost- und Westlöhnen bis 2020", rechnete Dietrich vor.

Urlaub von 30 Tagen für alle Vollzeitkräft im Gebäudereiniger-Handwerk

Noch zu klären war für den neuen Rahmentarifvertrag außerdem die Frage nach einer verbesserten Urlaubsregelung. Diese sieht künftig vor, dass es ab 2021 für alle Beschäftigten einen einheitlichen Urlaub von 30 Tagen auf Vollzeitbasis geben soll – egal, wie lange sie in der Branche arbeiten. Neueingestellte haben nach Angaben der IG Bau, so die Vereinbarung, im kommenden Jahr bereits einen Anspruch von 29 Urlaubstagen.

Auch wenn die Einigung aus der vergangenen Nacht bereits verkündet wird, müssen rein formal noch verschiedenen Gremien der Arbeitgeberseite und der Gewerkschaft darüber beraten und zustimmen. Letzteres gilt jedoch als ziemlich sicher. Gemeinsam strebe man dann die Allgemeinverbindlichkeit des Rahmentarifvertrages an, meldet die IG Bau. jtw

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