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Gastkommentar Prof. Ingo Froböse über Tattoos und ihre Risiken

Jeder fünfte Deutsche soll tätowiert sein. Im Profi-Fußball hingegen findet man kaum noch einen Sportler ohne Hautschmuck. Dabei können Tattoos die Leistungsfähigkeit durchaus negativ beeinflussen, sagt Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Kaum ein Profifußballer kommt noch ohne daher. Die Rede ist von den künstlerischen Verzierungen auf und unter die Haut – Tattoos. Dabei bleibt es meist nicht bei kleinen Motiven, sondern oft wird großflächig "tapeziert". Die Haut ist schließlich eines der wichtigsten und sogar das größte Organ des Körpers.

Das Immunsystem hat viel Arbeit

Unter Anbetracht der Tatsache, dass rund 60 bis 70 Prozent der Tinte nicht in der obersten Hautschicht haften bleiben, sondern bis in die Blutbahn eindringen, können Leistungseinbußen folgen. Insbesondere die Regenerationsfähigkeit, vor allem nach frischen Tattoos, kann unter zu viel Tinte leiden, weil das Immunsystem damit richtig viel Arbeit hat. Die Farbe kann zudem in die naheliegenden Lymphknoten dringen, was diese grün und blau färben kann. Damit können diese ihre Entgiftungs- und Entsorgungsfunktion nur noch eingeschränkt wahrnehmen.

Dazu kommt, dass die thermoregulatorischen Eigenschaften der Haut, also die Fähigkeit Wärme abzugeben, eingeschränkt ist. Vor allem das Schwitzen wird bei großflächigen Tattoos negativ beeinflusst, denn nicht selten werden die Schweißdrüsen beschädigt oder zerstört.

Keine Langzeitstudien zu Tattoofarben

Ein weiterer bedenkenswerter Punkt ist, dass zum aktuellen Zeitpunkt keinerlei Langzeitstudien zu Tattoofarben und ihrer Wirkung im menschlichen Organismus existieren. Aber nicht nur Leistungssportler und ambitionierte Freizeitathleten sind betroffen. Auch körperlich aktive oder arbeitende Menschen sollten sich über den Körperkult Gedanken machen. Wer uneingeschränkt leistungsfähig sein möchte und unbekannte Risiken ausschließen will, sollte zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht noch von großflächigen Tätowierungen absehen.

Über den Autor

Ingo Froböse

Ingo Froböse ist Professor für Prävention und Rehabilitation durch Sport und Bewegung an der Deutschen Sport­hoch­schule Köln.Er ist Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung.

Der Autor zahlreicher Bücher steht regelmäßig im ARD-Morgenmagazin den Fragen der Zuschauer in der Rubrik "Sportschlau" Rede und Antwort.

Mehr Informationen unter ingo-froboese.de.

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