DHZ-Gespräch mit dem Internetexperten Georg Wittmann
Jana Tashina Wörrle
Ganz oder gar nicht: Social Media lebt von Aktualität
Georg Wittmann arbeitet bei ibi research an der Universität Regensburg und forscht dort über elektronische Geschäftsprozesse und die Beteiligung kleiner Betriebe an sozialen Netzwerken und anderen Formen des Web 2.0.
DHZ: Herr Wittmann, wie wichtig ist es für Handwerksbetriebe, mitzumachen bei Facebook, Twitter und Co.?
Wittmann: So einfach kann man das nicht beantworten. Ich denke, dass sich jeder Betrieb mit dem Thema einmal beschäftigen sollte und dann entscheiden muss, ob es für ihn Sinn macht. Alle Aktivitäten im so genannten Web 2.0 - egal ob Facebook, Twitter oder auch andere soziale Plattformen - sollten immer kunden- und zielgerichtet sein. Jeder Betrieb muss sich also die Fragen stellen: Brauchen das meine Kunden? Spricht das meine Kunden an und nutzen sie es? Ein Betrieb, der den Endverbraucher zum Kunden hat, muss deshalb eher dort vertreten sein, als ein Betrieb der Zuliefererbranche, der es hauptsächlich mit Firmenkunden zu tun hat.
DHZ: Was sollten Unternehmer vor dem Start bei Social Media beachten?
Wittmann: Zu Beginn ist es wichtig, sich erst einmal über diese Kommunikationswege zu informieren. Man braucht eine Strategie und muss die Kosten und den Nutzen gegeneinander abwägen. Natürlich kostet es erst einmal kein Geld, sich eine einfache Facebook-Seite einzurichten, aber es kostet Zeit und wenn man eine Agentur damit beauftragt, kostet es auch Geld. Wenn sich ein Unternehmen dafür entscheidet, mitzumachen, muss es dies auch vernünftig machen und dafür sorgen, dass dieser Kanal lebt. Es muss seine Fans und Freunde animieren mitzumachen. Wenn der Betrieb beispielsweise nur ein oder zwei Kontakte auf der Seite hat, kann das auch negativ wirken und seinem Image schaden.
DHZ: Welche der Social-Media-Formen empfehlen Sie Handwerksbetrieben?
Wittmann: Man sollte nichts überstürzen. Wenn man mit dem Thema Social Media beginnt, dann am besten erst einmal mit einem dieser Kanäle. Ich denke für den Anfang bietet Facebook ein großes Potenzial, weil hier die Kundeninteraktion hoch ist und weil es die Möglichkeit bietet, vieles erst einmal auszuprobieren, wie Fotos, Videos oder kurze Texte einzustellen. Der Kurznachrichtendienst Twitter unterstützt dies nur eingeschränkt. Ich denke, Twitter ist eher eine Ergänzung. Hier muss man vielleicht auch einfach mal kreativ kopieren und von anderen etwas lernen - natürlich unter der Wahrung des Urheberrechtsschutzes. Es lohnt sich, einfach mal zu schauen, wie andere Handwerksbetriebe damit umgehen und was sie veröffentlichen. Man muss nicht immer alles neu erfinden.
DHZ: Welche Chancen und welche Risiken bietet Social Media?
Wittmann: Es bietet einen innovativen zusätzlichen Kommunikationskanal zu bestehenden Kunden und auch zu potenziellen neuen Kunden. Man kann dort seine Referenzen zeigen und auch neue Aufträge generieren. Die Kunden können sich einen Eindruck davon machen, wie sich der Betrieb selbst präsentiert, wie andere auf ihn reagieren. Und man kann auch direkt Kontakt zu Kunden aufnehmen. Risiken ergeben sich dann, wenn man das ganze nicht mit vollem Herzen betreibt. Wenn auf Kommentare oder Fragen gar keine oder keine adäquate Reaktion kommt, kann man schnell ein angestaubtes Image bekommen. Man eröffnet hier nun mal einen Kanal, über den auch Kritik kommen kann. Da muss man wissen, wie man damit umgeht, so dass am Ende kein negativer Eindruck bei den Kunden hängen bleibt. Wichtig ist aber auch, das Thema mit den Mitarbeitern abzustimmen, so dass sich zum Beispiel keiner auf seiner privaten Netzwerkseite negativ über das Unternehmen äußert. Zusätzlich muss man sich auch mit dem Thema Datenschutz auseinandersetzen und wissen, wie man mit den Daten umgeht, die dort veröffentlicht werden.
DHZ: Was sind die häufigsten Fehler, die Nutzer von Social-Media begehen?
Wittmann: Ein typischer Fehler ist, dass viele zu schnell und ohne konkreten Plan an die ganze Sache herangehen. Bei Facebook müssen beispielsweise auch ganz besondere Vorgaben beachtet werden. Das geht los bei den Bildgrößen, die man kennen muss, damit das Bild gut aussieht. Man muss wissen, wie lang die Texte sein dürfen, die man in die so genannte Statuszeile schreibt, und vieles mehr. Ganz wichtig sind auch die Einstellungen der Seite an sich. Man muss sich entscheiden, was und für wen die Bilder et cetera sichtbar sein sollen. Um hier ein großes Chaos zu vermeiden, sollte man auch die Zuständigkeiten für Facebook im Betrieb klären, so dass nicht jeder Mitarbeiter unkontrolliert etwas hineinschreibt. Gleichzeitig muss sich aber auch jemand dafür verantwortlich fühlen, so dass regelmäßig etwas veröffentlicht wird.