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Public Viewing, Steuertipps, Wetten unter Kollegen Fußball-WM am Arbeitsplatz: Das sollten Sie rechtlich wissen

Der Anpfiff rückt näher, die letzten Kollegen tragen ihren Tipp für das WM-Spiel ein und das erste Bier wird geköpft. Auch dieses Jahr finden wieder einige Spiele der Fußball-WM während der Arbeitszeit statt. Was Chefs und Mitarbeiter rechtlich zu Public-Viewing im Betrieb, Wetten unter Kollegen und Alkohol am Arbeitsplatz wissen müssen.

Am 14. Juni startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Die deutsche Elf bestreitet ihr erstes Gruppenspiel gegen Mexiko am 17. Juni – einem Sonntag. Zum Auftakt in die WM sollte es also nur in den wenigsten Fällen Konflikte mit der Arbeitszeit und dem Arbeitgeber geben. Es sei denn, der Mitarbeiter schleppt sich am Montagmorgen verkatert in die Arbeit.

Anders sieht es am 3. Spieltag aus. Die vielleicht entscheidende Vorrundenpartie gegen Südkorea beginnt am Mittwoch, 27. Juni, bereits um 16 Uhr. Das könnte dafür sorgen, dass der Chef die eine oder andere Anfrage von seinen Mitarbeitern bekommt. Darf ich früher Feierabend machen? Wie wäre es mit Public Viewing im Betrieb? Könnten Sie nicht auch etwas Grillgut und Bier springen lassen?

Themen, die aus rechtlicher Sicht nicht ganz unproblematisch sind. Ecovis-Rechtsanwalt Friedhelm Köster beantwortet die wichtigsten Fragen zur Fußball-WM am Arbeitsplatz:

Fußball-WM am Arbeitsplatz: Das müssen Chefs und Mitarbeiter beachten

DHZ: Die Spiele bei der Fußball-WM starten zum Teil während der Arbeitszeit. Wie vermeiden Chefs, dass die Arbeit darunter leidet?

Friedhelm Köster: Grundsätzlich muss der Arbeitgeber nicht dulden, dass die Mitarbeiter Fußballspiele mitverfolgen, ganz egal auf welchem Übertragungsweg – also auch nicht im Liveticker auf dem Handy. Um Probleme zu vermeiden, sind klare Anweisungen sinnvoll. Also sollte der Chef eindeutig regeln, ob und wann die Kolleginnen und Kollegen die Spiele während der Arbeit mitverfolgen oder früher nach Hause gehen dürfen.

DHZ: Public Viewing hat sich bei Weltmeisterschaften längst etabliert. Was muss rechtlich beachtet werden?

Köster: Die Fifa hat eine ganze Reihe von Regeln für Public Viewing aufgestellt. Als Faustregel gilt: Für gewerbliche Veranstaltungen müssen Unternehmen eine Lizenz kaufen. Gewerblich ist Public Viewing dann, wenn es Eintritt kostet oder die Gäste eine bestimmte Menge an Speisen oder Getränken abnehmen müssen. Für nicht gewerbliche Veranstaltungen mit mehr als 5.000 Zuschauern brauchen Unternehmen eine kostenlose Lizenz. Diese gibt es bei der Fifa. Wer eine Veranstaltung plant, sollte sich mit seinem Berater abstimmen, denn die Fifa kennt keinen Spaß, wenn Regeln verletzt werden. Das trifft ganz besonders auf Werbung und Sponsoring-Aktivitäten zu.

Fakten, Mythen und Kuriositäten rund ums Bier

DHZ: Wie sieht es mit einer Lizenz für kleinere Unternehmen aus, die im Betrieb gemeinsam mit der Belegschaft die WM-Spiele verfolgen möchten?

Köster: Wer keinen Eintritt verlangt, der braucht fürs gemeinsame Fußball schauen keine Lizenz. Das gilt natürlich auch für Unternehmer, die gemeinsam mit den Mitarbeitern beispielsweise beim Grillen die Spiele ansehen.

DHZ: Das heißt also, Fernseher aufstellen und los geht’s?

Köster: Nein, so einfach ist es dann doch nicht. Die GEMA ist möglicherweise mit von der Partie. Wird das Übertragungsgerät extra für die Weltmeisterschaft installiert, braucht das Unternehmen dafür eine Lizenz, denn die Musik und die Beiträge der Journalisten sind urheberrechtlich geschützt. Dafür müssen Betriebe Geld bezahlen.

DHZ: An was müssen Chefs außerdem denken?

Köster: An das Finanzamt. Zu einem Fußball-Event gehören neben Fernseher, Beamer und Leinwand für die Übertragung meistens auch Getränke und Essen. Damit Unternehmer die Ausgaben der Feier als Betriebsveranstaltung steuerlich geltend machen können, muss sich der Teilnehmerkreis überwiegend aus Betriebsangehörigen und deren Begleitpersonen zusammensetzen. Die Aufwendungen für die Veranstaltung sind pro Mitarbeiter bis zum Freibetrag von 110 Euro brutto lohnsteuer- und sozialabgabenfrei. Zudem ist in diesem Fall der Vorsteuerabzug zulässig. Allerdings gilt der Freibetrag nur für zwei Veranstaltungen im Jahr. Wer also schon während der WM zweimal feiert, kann die Weihnachtsfeier steuerlich nicht mehr geltend machen.

DHZ: Was gilt, wenn die Mitarbeiter ihre eigenen Getränke und ihr eigenes Grillgut mitbringen?

Köster: Wenn der Chef nichts ausgibt, dann kann er auch nichts absetzen.

DHZ: Darf beim Public Viewing im Betrieb während der Spiele Alkohol getrunken und nach der Partie weitergearbeitet werden?

Köster: Bei Alkohol am Arbeitsplatz verlieren sowohl Gesetzgeber als auch Versicherer ihren Humor. Und der Jurist sagt natürlich immer: Es kommt darauf an. Oder die Dosis macht das Gift. Grundsätzlich gilt, sofern der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung erbringen kann, kann es dem Arbeitgeber egal sein, ob jemand ein Bier getrunken hat. Ein generelles Alkoholverbot gibt es nicht. Es sei denn, im jeweiligen Betrieb ist das generell anders geregelt oder auch bei gefahrengeneigten Berufen. Hier ist Alkohol ein No-Go. Allein, wenn man bedenkt, dass man nach dem Fußball schauen noch Auto, Bus oder Gabelstapler fährt.

DHZ: Wie sieht es mit WM-Tippspielen unter Kollegen mit Geldeinsatz aus – ist das rechtlich erlaubt?

Köster: Grundsätzlich sind Wetten im Büro nicht verboten, aber eben nicht während der Arbeitszeit, sondern in den Pausen. Arbeitnehmer schulden ihren Chefs ihre Arbeitsleistung, das sollten Mitarbeiter immer beachten, wenn sie sich mit dem Tippen auf die Spiele beschäftigen. Und in den Vorrunden kann die Tipperei recht viel Zeit in Anspruch nehmen. fre

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