Zuletzt war Johanna Wanka fast drei Jahre lang Ministerin für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen. Jetzt folgt sie auf Annette Schavan in das Amt der Bundesbildungsministerin. Damit ist sie unter den Ministern im Bundeskabinett die einzige, die aus Ostdeutschland stammt.
Anna-Maja Leupold

Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin, Professorin, Rektorin, Präsidentin der Kultusministerkonferenz und zuletzt Ministerin für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen. Mit dem Thema Wissenschaft hat sich Johanna Wanka ihr ganzes Berufsleben lang auseinandergesetzt. Für die nächsten sieben Monate übernimmt sie im Bundeskabinett den Posten der Bundesbildungsministerin. Damit tritt Wanka die Nachfolge von Annette Schavan an, die am Wochenende wegen der Aberkennung ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf zurückgetreten war.
Wanka, die 1951 im sächsischen Rosenfeld geboren wurde, gilt als Bildungsexpertin. Im Jahr 2010 hatte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff die CDU-Politikerin von der Oppositionsbank in Brandenburg auf die Regierungsbank nach Hannover geholt. Sie wurde Ministerin für Wissenschaft und Kultur und mit diesem Amt war Wanka die erste ostdeutsche Ministerin in einer westdeutschen Landesregierung.
Auch ohne Abitur an die Hochschule
In ihrer knapp dreijährigen Amtszeit hat sich Wanka für die Öffnung der niedersächsischen Hochschulen gegenüber anderen Zielgruppen stark gemacht. Mit dem Modellvorhaben "Offene Hochschule Niedersachsen" schaffte die Ministerin spezielle Studienangebote für Berufstätige. Außerdem setzte Wanka mit dem Projekt auf die Erleichterung von Übergängen zwischen beruflicher und Hochschulbildung sowie die bessere Einbindung von Weiterbildungsangeboten in die Hochschulbildung.
Ein Ministeramt hatte Wanka zuvor schon in Brandenburg bekleidet. Im Oktober 2000 war die Parteilose vom damaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) in die Koalition von SPD und CDU berufen worden. In der Großen Koalition war sie Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Kurz nach Amtsantritt trat Wanka in die CDU ein. Neben ihrem Amt als Ministerin war sie von Januar 2009 bis Juni 2010 zudem CDU-Vorsitzende in Brandenburg.
Karriere in der Wissenschaft
Vor ihrem Wechsel in die Politik hatte Wanka in der Wissenschaft Karriere gemacht. Sie studierte ab 1970 Mathematik an der Universität Leipzig. Nach ihrem Examen im Jahr 1974 wechselte sie an die Technische Hochschule Merseburg. Dort arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin und legte 1980 ihre Promotion erfolgreich ab. Das Thema lautete: "Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potential-theoretischen Mitteln".
Als Teil der Bürgerbewegung der ehemaligen DDR begann Wanka 1989 sich politisch zu engagieren. Sie war Mitbegründerin des "Neuen Forums" in Merseburg, für das sie von 1990 bis 1994 im Kreistag Merseburg saß.
Nach der Wende wurde Wanka 1993 an der Fachhochschule Merseburg zur Professorin für "Ingenieurmathematik" berufen. Kaum ein Jahr später wurde sie Rektorin der Fachhochschule. Dieses Amt hatte Wanka bis zu ihrem Wechsel in die Politik im Jahr 2000 inne.
Johanna Wanka gilt als konservativ, pragmatisch und ehrgeizig. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.