Die deutsche Konjunktur nimmt wieder Fahrt auf. Die kaum spürbare Schwächephase der vergangenen Monate ist nach Ansicht der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute vorbei. In ihrem aktuellen Frühjahrsgutachten sagen die Experten für 2012 ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent voraus, 2013 sollen es sogar zwei Prozent werden.

Die konjunkturelle Talsohle ist überwunden, die Produktion wird ansteigen und die Finanzmärkte stabilisieren sich. Kurz gesagt: Die Wirtschaftsforscher sind zufrieden mit der Entwicklung in Deutschland und bescheinigen der Wirtschaft deshalb einen neuen Aufschwung. Auch wenn die europäische Schuldenkrise noch nicht überwunden sei, so hat sich der Markt in Deutschland so stabil gehalten, dass es jetzt wieder weitergehen kann mit dem Boom.
Bankenkollaps vorerst abgewendet
Mittlerweile habe sich das weltwirtschaftliche Umfeld wieder aufgehellt, heißt es in der Stellungnahme der Experten. Hierzu habe einerseits die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Banken im Euroraum mehr Geld zur Verfügung zu stellen und andererseits die Einigung der Staaten zum Fiskalpakt sowie zum dauerhaften Rettungsschirm ESM beigetragen. So konnte ein Bankenkollaps in den Krisenländern vorerst abgewendet werden. Doch die immer noch kriselnden Euroländer wie Italien, Irland oder Spanien müssten sich anstrengen, damit die Kapitalmärkte ihr Vertrauen nicht wieder verlieren. Die geplanten Reformen müssten konsequent umgesetzt werden und greifen, dann werde es so positiv weitergehen.
Auch für Deutschland geben die Institute eine Spar-Warnung heraus, denn sie sehen zwar die positive Entwicklung der Wirtschaft, womit auch die Defizitquote des Staates sinke, doch gleichzeitig warnen sie davor, die Sparanstrengungen nicht schleifen zu lassen. Die Verschuldungsquote mit über 80 Prozent werten sie als "sehr hoch", auch wenn sie für dieses Jahr von einem Rückgang von 0,6 Prozent ausgehen.
Dieser Rückgang und die damit steigenden Einnahmen des Staates werden 2012 stark von den Einnahmen der Wirtschaft getragen. Die Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen sind nach Angaben der Institute klar aufwärts gerichtet. Zusätzlich zeigt auch das aktuelle Konsumklima, dass die deutschen Verbraucher gewillt sind, Geld auszugeben. Durch diese guten Aussichten prognostizieren die Autoren des Gutachtens für 2012 eine Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts um 0,9 Prozent. Für das folgende Jahr sind sie entsprechend optimistischer, hier gehen sie sogar von einem Wachstum von zwei Prozent aus.
Deutschland gilt als "sicherer Hafen"
Wenn die Wirtschaft wächst, gehen auch die Arbeitslosenzahlen zurück und so konnten die Institute auch hier mit positiven Prognosen glänzen: In diesem Jahr soll die Zahl der Menschen ohne Arbeit von 2,98 Millionen auf 2,8 Millionen sinken, 2013 sollen es nur noch 2,6 Millionen sein.
Auch wenn die Konjunktur im übrigen Euroraum erst einmal sehr schwach bleibe, müssen sich die deutschen Unternehmen nicht vor einem unsicheren Geldmarkt fürchten. Das Zinsniveau im Euroraum werde durch die Attraktivität Deutschlands als "sicherer Hafen" gedrückt, betonen die Experten. Und der Export ist und bleibt deshalb trotz der Rezession im wichtigsten Absatzgebiet deutscher Hersteller und des sich nur langsam verbessernden weltwirtschaftlichen Umfelds aufwärts gerichtet.
Das Frühjahrgutachten erstellen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute jedes Jahr gemeinsam. Genauso wie beim Herbstgutachten fügen hierbei das ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München, das Institut für Weltwirtschaft in Kiel, das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle und das Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung ihre Konjunkturdaten und zukünftigen Prognosen zusammen. jtw