Corona-Krise, Mindestlohn und Nachwuchssorgen setzen dem Friseurhandwerk zu. Die neu gewählte Präsidentin des Zentralverbands Manuela Härtelt-Dören möchte die Interessen der Branche bündeln, um mehr Schlagkraft zu erreichen.

Frau Härtelt-Dören, Ihr Amtsantritt als neue Präsidentin des Friseurhandwerks fällt in eine schwierige Zeit. Wie ist die Stimmung in der Branche angesichts der Corona-Lage?
Manuela Härtelt-Dören: Wir sind sehr angespannt. Es zeigt sich, dass die Politiker im Sommer ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Wenn wir nun deswegen eine 3G- oder eine 2G-Regel haben, dann können wir damit leben. 2G-Plus oder gar 2G plus PCR würde unserer Branche aber das Genick brechen. Die Kunden machen das nicht mit, das käme einem Lockdown gleich.
Wie sind die Betriebe durch die bisherige Corona-Zeit gekommen?
Durch die Schließungen waren wir in einer Art Schockstarre. Als wir dann öffnen durften, wurden wir regelrecht von den Kunden überrannt. Über den Sommer kam eine leichte Stabilisierungsphase, so dass viele Betriebe ihre Zahlen aufholen konnten. Trotzdem besteht die Gefahr, dass einige Betriebe jetzt im Nachgang pleite gehen.
Die Salons haben sich also noch nicht wieder erholt?
Wir können ja immer noch nicht voll ausgelastet arbeiten. Wir müssen Mindestabstände berücksichtigen und einen sehr hohen Hygienstandard einhalten, wir können also nie alle Bedienungsplätze nutzen.
Viel schwerer wiegt aber, dass der Bund jetzt kontrolliert, ob die Hilfsgelder richtig ausgezahlt wurden. Deren Höhe hatten die Steuerberater auf Grundlage der Betriebskosten berechnet. Da wir aber im Mai, Juni und Juli höhere Umsätze hatten, rechnet man das gegen. Ich sehe voll und ganz ein, dass Kontrollen gemacht werden. Aber man kann nicht aufgrund der drei Monate, in denen es uns gut gegangen ist, alles zurückfordern für die Monate, in denen wir überhaupt keine Einnahmen hatten. Da muss man schon das ganze Jahr veranschlagen.
"2G-plus oder gar 2G plus PCR würde unserer Branche das Genick brechen."
Manuela Härtelt-Dören, Präsidentin ZV Friseure
Was sind also Ihre Forderungen an die Politik?
Vor allem dürfen wir nicht wieder geschlossen werden. Uns wurde zugesagt, dass wir zur Grundversorgung gehören, und wir haben bewiesen, dass wir mit unseren hohen Hygienestandards gut arbeiten können. Was wir brauchen, sind bundeseinheitliche Regelungen, sowohl bei den Corona-Maßnahmen als auch bei den Hilfsgeldern. Bisher war das ein Flickenteppich. Wir müssen es schaffen, dass – wenn es wieder zu solchen Situationen kommt – auch ein Unternehmerlohn fließt. In einigen Bundesländern war das der Fall, in anderen gab es zwar Kurzarbeitergeld für die Beschäftigten und Hilfsgelder für die laufenden Kosten. Aber es gab keinen Ausgleich für den ausgefallenen Lohn des Unternehmers selbst.
Durch die Pandemie hatten Sie massive Einbrüche bei den Ausbildungszahlen 2020. Hat sich das im neuen Ausbildungsjahr erholt?
Nein, gar nicht, es hat sich noch weiter verschärft. Das ist ein großes Thema. Wir müssen unseren Beruf wieder mit jungen Leuten befüllen und das Duale Ausbildungssystem stärken. Wir wollen aber auch mit der Industrie als Werbeträger zusammenarbeiten, mit gemeinsamen Kampagnen an Schulen und in den Sozialen Medien. Insgesamt werden wir unsere Öffentlichkeitsarbeit ausbauen.
Wobei es wenige Handwerksbranchen gab, die in der Pandemie so präsent in der Öffentlichkeit waren wie die Friseure…
… und das möchte ich weiter stärken. Wir wollen in der Öffentlichkeit bleiben, auf Plakaten und in Filmen zeigen, wie toll unser Beruf ist. Und wir wollen zeigen, dass wir als Verband Positives für die Friseure tun.
Das wäre dann Öffentlichkeitsarbeit nach Innen, richtig?
Ja, denn uns fällt immer wieder das gleiche Problem auf die Füße. Wenn wir mit Verdi über Tariflöhne verhandeln, bekommen wir nie die Allgemeinverbindlichkeit wegen des zu geringen Organisationsgrads der Friseure.
"Je höher unser Organisationsgrad ist, desto mehr können wir umsetzen."
Manuela Härtelt-Dören, Präsidentin ZV Friseure
Stattdessen steht nun laut Ampel-Koalitionsvertrag eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro an. Was bedeutet das für Ihre Branche?
Das fügt der Tarifautonomie einen schweren Schaden zu. Wir als Friseure würden unseren Mitarbeitern gern wesentlich mehr an Stundenlohn zahlen und viele tun das auch. Aber wenn ich 25 bis 30 Euro Stundenlohn bezahle, dann muss ich dem Endverbraucher für seinen Haarschnitt mehr berechnen. Da haben wir aber jetzt schon eine Grenze erreicht. Der Mindestlohn wird also strukturgefährdende Folgen für die Branche haben. Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, den wir seit Jahren fordern, würde uns nicht nur bei den Löhnen, sondern auch im Einkaufsbereich entlasten.
Um Ihren Forderungen mehr Gewicht zu geben, brauchen Sie also einen höheren Organisationsgrad. Wie wollen Sie den erreichen?
Wir müssen überzeugende Arbeit leisten. Ich möchte die Basis stärken, denn ich glaube, dass wir in den Innungen vor Ort viel früher erfahren, wo der Schuh drückt. Von dort kann es auf Landesebene und dann auf Bundesebene weitergegeben werden, damit wir da ein besseres Gehör haben und schnellere Lösungen finden. Ich wünsche mir dieses lösungsorientierte Arbeiten, damit auch der einzelne Friseur sieht, was wir tun und was wir leisten. Dieses Zusammengehören, Zusammenstehen haben wir in der Krise gezeigt und viel durchsetzen können. Deswegen ist es mir so wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen.
Dennoch herrscht jetzt Streit mit der bayerischen Landesinnung, die einen Präsidiumsposten für sich gewünscht hätte und mit Austritt droht. Wie geht es weiter?
Ich bemühe mich mit aller Kraft, dass die bayerischen Friseure im Zentralverband bleiben und wir zusammenhalten. Ich glaube, dass unsere Vorstellungen gar nicht so unterschiedlich sind, nur die Kommunikation war fehlerhaft. Wichtig ist doch, welche Ideen kommen und wie wir sie umsetzen können und nicht die Größe eines Verbandes. Ich freue mich auf jeden Fall auf jedes konstruktive Gespräch, das ich mit meinen Kollegen führen kann.