Frisuren im Lockdown Friseure verärgert über frisch geschnittene Haare von Fußballprofis

Frisch geschnittene Konturen, perfekt rasierte Nacken und Schläfen – wer sich aktuell einige Profifußballer anschaut, ist verwirrt über die gepflegten Frisuren. Dabei müssen sie sich wie alle anderen auch an die aktuellen Corona-Auflagen halten. Friseurbesuche sind auch für sie verboten. Der Verband der Friseure appelliert nun an ihre Vorbildfunktion.

Jessica Schömburg

Im Lockdown müssen Friseure ihren Betrieb schließen. Wer arbeitet, dem drohen hohe Geldstraßen. Trotzdem erscheinen einige Profifußballer top gestylt auf dem Fußballplatz. - © Ivan Dragiev - stock.adobe.com

Seit vier Wochen sind die Friseurbetriebe in Deutschland erneut geschlossen. Doch bei manchen öffentlichen Personen sieht man nicht wie erwartet lange Zottelmähnen, sondern glatt geschnittene Frisuren. Vor allem Profisportler rücken immer wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit.

In den vergangenen Tagen häuften sich Medien-Berichte über die Frisuren von Fußballprofis. Angesichts des aktuellen Lockdowns erschienen einige Spieler mit auffällig frisch geschnittenen Haaren. So titelte beispielsweise die Bildzeitung "Topgestylt trotz Corona-Lockdown" und berichtete über Robert Andrich von Union Berlin. Dieser habe sich von einem befreundeten Friseur die Haare schneiden lassen.

Der Zentralverband der Friseure zeigt sich ebenfalls verwundert über das Auftreten der Fußballer. Der Verband hat einen offiziellen Brief an den Deutschen Fußball-Bund verfasst und appelliert an die Vorbildfunktion der Sportler. "Mit großer Verwunderung mussten wir an den vergangenen Spieltagen feststellen, dass ein Großteil der Fußballprofis sich mit frischgeschnittenen Haaren auf dem Platz präsentierte", heißt es in dem Brief. Der Verband spricht von "einrasierten Scheiteln, auf wenige Millimeter getrimmtes Nacken- und Schläfenhaar und sauberen Konturen". Diese Frisuren könnten nur professionelle Friseure mit Profi-Equipment schneiden.

Verhalten der Fußballer fördert Schwarzarbeit

Viele der 80.000 Friseurbetriebe in Deutschland seien in ihrer Existenz bedroht, Beschäftigte und Betriebsinhaber müssen derzeit mit Kurzarbeitergeld oder ganz ohne Einkommen zurechtkommen. Frischfrisierte Fußball-Stars würden eine gesamte Branche unter Druck setzen. Der Unmut gegenüber topgestylten Fußballern, und in der Folge Kundenanrufen, die zu Schwarzarbeit und Regelverstößen wie Hausbesuchen überreden wollen, wachse.

"Es ist ein großes Privileg, dass der Profifußball trotz einer Pandemie weiterhin stattfinden darf. Fußballer sind Vorbilder, nicht nur für junge Leute", heißt es in dem Schreiben weiter: "Wir appellieren daher an Sie und den DFB: Zeigen Sie in Zeiten wie diesen Solidarität und setzen Sie mit uns ein Zeichen gegen Schwarzarbeit. Lassen Sie uns den Weg der Pandemiebekämpfung gemeinsam gehen."