Petition der Friseure Friseure, Kosmetiker und Bäcker wollen 7 Prozent MwSt

Mehrere Handwerksbranchen fordern eine Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent. Mit einer Petition hat das Friseurhandwerk seiner Forderung erneut Ausdruck verliehen. Welche Gründe dafür sprechen.

Friseuse mit Maske schneidet einer Kundin die Haare
Mit einer Petition wollen Friseurunternehmer ihrer Forderung nach sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Friseurdienstleistungen Nachdruck verleihen. - © Microgen - stock.adobe.com

Nach zwei Jahren Pandemie hängen viele Friseur- und Kosmetiksalons in den Seilen, die Liquiditätspuffer sind aufgebraucht. Steigende Energiepreise, Mieten und Personalkosten machen dem Handwerk zusätzlich zu schaffen. Eine Gruppe von Friseurunternehmern spricht von einer "existenziellen Krise" und hat eine Petition gestartet, die die Absenkung der Mehrwertsteuer für Friseurdienstleistungen auf sieben Prozent fordert. Unterstützung erhält die Initiative vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. Dieser hatte eben jenen Schritt bereits Ende März in einem Schreiben an Finanzminister Christian Lindner gefordert.

Höhere Personalkosten abfedern

Ein Punkt, der den Initiatoren große Sorge macht: Die Erhöhung des Mindestlohns ab dem 1. Oktober dieses Jahres. Sie prognostizieren, dass die Personalkosten dann um 15 Prozent steigen werden, denn die Anhebung des Mindestlohns ziehe eine Anpassung der Gehaltsstrukturen nach sich. Kunden müssten für ihren Friseurbesuch folglich deutlich tiefer in die die Tasche greifen. Ob sie dazu bereit sein werden, sei fraglich. Die Köpfe der Kampagne sehen eine Abwanderung zu Solo-Selbstständigen, die nicht an den Mindestlohn gebunden sind. Auch Schwarzarbeit verursache Preiskonkurrenz und würde voraussichtlich zunehmen.

Voraussetzungen für Ausbilder schaffen

Ein weiterer Effekt: Durch die höheren Lohnkosten könnten Arbeitgeber insgesamt weniger Personal einstellen. In Folge leide auch die Ausbildung neuer Fachkräfte. Denn dafür benötige ein Friseursalon neben finanzieller Gesundheit auch eine Mindestanzahl an Mitarbeitern. "Nur ein finanziell gesunder Betrieb, mit ausreichend Personal, kann eine qualifizierte Ausbildung sicherstellen. Aber eine solche Betriebsstruktur wird durch den Staat, aufgrund viel zu hoher Mehrwertsteuerbelastung von 19 Prozent auf Friseurdienstleistungen, verhindert", kritisiert Heiko Schneider, Friseurunternehmer aus Hoyerswerda. Schon jetzt seien nur 20 Prozent der Betriebe in der Lage, auszubilden.

Wettbewerbsverzerrung abmildern

Bei Schneider und anderen Gründern der Kampagne "Friseure brauchen Zukunft – 7% Jetzt!“ handelt es sich um Unternehmer die teilweise ein ganzes Netz von Filialen besitzen. Sie beklagen eine Wettbewerbsverzerrung: Von den rund 80.000 Friseursalons in Deutschland müssten circa 30.000 aufgrund der Kleinstunternehmer-Regelung keine Mehrwertsteuer ausweisen. Die Senkung der Mehrwertsteuer solle diesem Punkt entgegenwirken.

Nach eigenen Angaben vertreten die Urheber Oliver Schmidt, Heiko Schneider, Marc Breckwoldt, Wolfgang Pertsch und Gabriele Diemert-Pertsch über 100 Betriebe mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. Unterschreiben innerhalb von sechs Wochen mehr als 50.000 Menschen ihre Petition, befasst sich der Petitionsausschuss des Bundestags einzeln damit.

Kosmetiker sind ebenfalls gefährdet

Ähnlich wie den Friseuren ergeht es dem Kosmetik-Handwerk. Mehrere Lockdowns haben schwere finanzielle Schäden hinterlassen, die vom Landesverband des Bayrischen Kosmetikhandwerks als existenzgefährdend eingestuft werden. Im Falle dieses Gewerks seien vor allem Frauen betroffen, da sie 90 Prozent der Beschäftigten ausmachen. Viele von ihnen seien Solo-Selbstständige, Alleinverdiener oder gar alleinerziehende Mütter, erklärt die zweite Vorsitzende Kristina Pauli.

Handlungsfähigkeit erhalten

Sie leiden nach Angaben des Verbands unter Terminstornierungen aufgrund der Omikron-Variante des Corona-Virus. Planungssicherheit gebe es nicht. Zudem würden sich die Corona-Soforthilfen als Bumerang erweisen, da ihre Versteuerung und die anstehenden Rückzahlungen in ungewisser Höhe das unternehmerische Handeln einschränke. Des Weiteren seien die zeitlichen und finanziellen Aufwendungen für zusätzliche Hygienemaßnahmen wie beispielsweise Schnelltests, Schutzwände oder Liegenbezüge immer noch enorm hoch. Neben diesen Faktoren, mit denen auch andere Branchen kämpfen, kommt für die Kosmetik-Brache erschwerend die NiSV-Verordnung hinzu. Sie verpflichtet Mitarbeiter, die mit starken Lichtquellen, Ultraschallgeräten, Niederfrequenzgeräten, Hochfrequenzgeräten, Gleichstromgeräten und Magnetfeldgeräten im nicht-medizinischen Bereich arbeiten, zu kostenintensiven Schulungen.

Mehrwertsteuersenkung kompensiert Kosten

Angesichts dieser Herausforderungen stellt der Landesverband des Bayrischen Kosmetikhandwerks klar: "Die Senkung der Mehrwertsteuer auf unsere Dienstleistung von 19 Prozent auf sieben Prozent wäre das schnellste, beste und hilfreichste Entgegenkommen der Politik. Hier könnte man die steigenden Kosten für Energie, Logistik und Preisanpassung der Zulieferer am ehesten kompensieren und somit die Preisgestaltung für Endkunden moderat halten." Darüber hinaus brauche es eine Überarbeitung der NiSV-Verordnung sowie spezielle Hygiene-Zuschüsse. Um die Branche handlungsfähiger zu machen, sei es außerdem sinnvoll, Corona-Hilfen zu separieren und nicht als Betriebseinnahme zu listen.

Gastrodienstleistungen: 7 Prozent besser als 0 Prozent

Auch mit Hinblick auf Lebensmittel wird die Mehrwertsteuer diskutiert. Verbraucherzentralen fordern nicht nur eine Senkung, sondern eine Abschaffung bei bestimmten Nahrungsmitteln. Auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft sowie Grünen-Politiker Cem Özdemir stimmen dem zu. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks widerspricht: "Die immensen Einnahmeverluste müssten gegenfinanziert werden. Eine Erhöhung der Lohnnebenkosten oder anderer Steuern wäre die Folge. Auch den Unternehmen würde die temporäre Absenkung nur kurzfristig etwas bringen."

Während eine Abschaffung der Mehrwertsteuer als zu großer Schritt erscheint, unterstreicht der Verband die Notwendigkeit einer Reduzierung: "Wir forderten schon vor Monaten eine dauerhafte Absenkung der Mehrwertsteuer für Gastrodienstleistungen auf sieben Prozent. Dies würde Unternehmen entlasten und auch für Verbraucher gut sein, für die Gastronomie jederzeit bezahlbar sein sollte."