Beste Freunde im Job – was geht, was nicht? Das macht Freundschaften zwischen Chef und Mitarbeitern knifflig

Wenn sich Kollegen gut verstehen, ist das gut für das Betriebsklima. Doch Konflikte am Arbeitsplatz stellen Freundschaften schnell auf eine harte Probe. Besonders heikel wird es, wenn sich Chef und Mitarbeiter anfreunden. Worauf es dann bei der Zusammenarbeit ankommt.

Beste Freunde: Katze und Hund
Wer mit seinem besten Freund im Team arbeitet, ist zwar motivierter, sollte aber darauf achten, Berufliches und Privates zu trennen. - © Kanchana - stock.adobe.com

"Beim Geld hört die Freundschaft auf." Und überhaupt: "Freundschaft im Betrieb, wenn dann nur auf gleicher Arbeitsebene."

Alte Weisheiten scheinen sich einig. Freundschaften bringen hauptsächlich Probleme im Arbeitsalltag mit sich. Die meisten Handwerker werden diese Ansicht jedoch kaum teilen. Die so wichtige Teamarbeit funktioniert dann gut, wenn sich die Kollegen verstehen. Oft entstehen aus Sympathie sogar Freundschaften.

Nach Feierabend einen Umtrunk mit dem Chef. Die Atmosphäre ist locker und der harte Tag vergessen. Am nächsten Morgen jedoch spielt er sich wieder wie ein großer auf. Nach Meinung der Kollegen fordert er zu viel Arbeitseinsatz. Hier ist vor allem Fingerspitzengefühl gefragt. Einerseits abends auf "gut Freund" machen und dann beim Lohn knausern und trotzdem Leistung einfordern, kann zu Konflikten führen. Welche Rolle darf also die Freundschaft bei der Arbeit spielen?

Rollen klar definieren

Wichtigster Schritt ist die klare Definition im Umgang miteinander. Seitens des Betriebs muss der Chef entscheiden, welche Arbeitsatmosphäre er will: Darf jeder jeden familiär duzen oder sollte eine geschäftliche Basis vorherrschen. Um alle Mitarbeiter zufriedenzustellen, muss dieses Bild mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmen. Denn ein Kollege, der Privates und die Arbeit lieber trennen will, wird sich in so einem Umfeld schnell unwohl oder ausgegrenzt fühlen. Bei einem Bewerbungsgespräch hilft ein offenes Gespräch über die jeweiligen Vorstellungen, um langfristig motiviert miteinander arbeiten zu können.

"Freundschaften zwischen Kollegen bereichern den Betrieb ungemein", sagt Sabine Hommelhoff vom Lehrstuhl für Psychologie im Arbeitsleben in Erlangen. Mitarbeiter gehen deutlich motivierter an ihre Arbeit und achten mehr auf sich, so Hommelhoffs Erfahrung. Diese positive Energie sei gesund für das Betriebsklima.

Neid kann zum Problem werden

Hommelhoff hat in einer Studie herausgefunden, dass Menschen mit vielen Freunden am Arbeitsplatz deutlich mehr Überstunden machen. Ebenso seien dies die zufriedeneren Mitarbeiter, da sie sich gegenseitig helfen und offener kritisches Feedback austauschen.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls kennt aber auch die Gefahren von engen Freundschaften: "Neid und das Gefühl von Benachteiligung schwingen oft mit", sagt sie. Sobald der Chef mit einem Kollegen enger in Kontakt stünde als zu anderen, sei dies ein Grund für unschöne Situationen. Sei es bei der Verteilung von Arbeitsaufträgen oder bei der Gehaltsfrage. Auch sei es schwierig, als Chef die Leistungen objektiv zu beurteilen. "Der einzig sinnvolle Weg sind offene Gespräche", so Hommelhoff. Nicht nur mit dem Freund, sondern eben auch mit den weiteren Mitarbeitern.

Vertrauensbruch bei falschem Umgang mit Fehlern

Der wohl härteste Test einer solchen Freundschaft ist der Umgang mit gravierenden Fehlern, die dem anderen passiert sind. Hat beispielsweise ein Kunde darunter zu leiden, kann der Chef seinen Mitarbeiter nicht aufgrund der Freundschaft anders behandeln als dessen Kollegen. Dann wäre zwar mit diesem alles stimmig, der Rest der Angestellten jedoch verärgert.

Ebenso ist ein Kollege in einer heiklen Situation, wenn er nicht weiß, ob er seinen Freund verteidigen soll oder ob das auch für ihn Konsequenzen haben kann. "Viele Freundschaften sind an diesem Punkt schon in die Brüche gegangen, weil Freunde das gegenseitige Vertrauen verlieren", weiß Hommelhoff. Sie empfiehlt, die Trennung von Privatem und Geschäftlichem bei Vorfällen im Arbeitsalltag klar anzusprechen, damit diese objektiv beurteilt werden können.