WLAN-Router kaufen Freie Wahl der Hardware: kein Routerzwang mehr

Internet-Provider in Deutschland können ihre Kunden nicht länger zwingen, bei der Einwahl ins Internet eine bestimmte Hardware zu verwenden. Der Bundestag beschloss einstimmig die Abschaffung des sogenannten "Routerzwangs".

Der Bundestag hat die Abschaffung des Routerzwangs beschlossen. Damit können Provider ihren Kunden nicht mehr vorschreiben, welche Hardware sie verwenden müssen. - © Foto: Peter Kneffel/picture alliance/dpa

Der Routerzwang ist Geschichte. Der Bundestag verabschiedete einstimmig den Antrag der Regierungskoalition. In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD damals eine "gesetzliche Klarstellung für den Netzzugang" beschlossen.

Demnach können die Internet-Provider in Deutschland ihre Kunden nicht länger zwingen, bei der Einwahl ins Netz eine bestimmte Hardware zu verwenden. Mit dem nun verabschiedeten Gesetz zur Abschaffung des sogenannten Routerzwangs setzen die Regierungsparteien ein Versprechen aus der Koalitionsvereinbarung um.

Einfache Begründung der Provider

Bislang konnten Anbieter von Breitband-Internetanschlüssen ihren Kunden vorschreiben, welche Router diese zur Einwahl ins Internet benutzen sollen. Die Begründung der Provider war simpel und zudem rechtlich nur schwer anzugreifen: Die Unternehmen definierten die Geräte einfach als Teil ihres Netzes, über das allein sie verfügen dürfen. Mit der Gesetzesänderung wird nun die Anschlussdose an der Wand als "Netzabschlusspunkt" definiert. Dadurch können die Nutzer selbst entscheiden welchen Router sie benutzen wollen. Außerdem müssen die Anbieter künftig ihren Kunden die technischen Zugangsdaten mitteilen, damit diese ihre selbst angeschafften Geräte auch für den Internet-Anschluss einrichten können.

Technik-Organisationen machen sich für Abschaffung des Routerzwangs stark

Gegen den Routerzwang hatten sich vor allem die Hersteller von Netzwerk-Endgeräten ausgesprochen. Aber auch Organisationen wie der "Chaos Computer Club" und die "Free Software Foundation Europe" hatten sich für die Änderung stark gemacht. Sie befürchten, dass die Provider ihre eigenen Router dazu nutzen, eigene Angebote im Netz zu bevorzugen, andere Dienste auszubremsen und Geld für inzwischen selbstverständliche Zusatzfunktionen wie WLAN zu verlangen.

Widerstand gegen die Abschaffung des Routerzwangs kam vor allem von den Kabelbetreibern. Diese Anbieter befürchten durch die von jedem Kunden frei wählbaren Router, technische Störungen. In einer Anhörung der Bundesnetzagentur behauptete etwa der Kabelanbieter UnityMedia, dass frei vom Nutzer gewählte Router zur "Beeinträchtigung eines ganzen Clusters mit mehreren hundert Teilnehmern" führen könnten. In der Folge seien "garantierte Bandbreiten, Sicherheitsfeatures und weitere Services nicht mehr im gewohnten Umfang" zu leisten.

Widerstand gegen die Neuregelung regt sich durch die Bedenken der Kabelanbieter deshalb auch im Bundesrat. Die Länderkammer kann das Gesetz allerdings nicht stoppen, sondern allenfalls verzögern.

Experten widerlegten Argumente

Das Gesetz wurde vom Bundestag auch deshalb einstimmig verabschiedet, weil zuvor die Argumente der Kabelnetzbetreiber von etlichen Experten als unzutreffend zurückgewiesen wurden. dpa/end