Ernährung Fleischkonsum: Das sind die Trends in Deutschland

Weltweit nimmt die Nachfrage von Fleisch weiter zu. In Deutschland dagegen geht der Verbrauch seit Jahren zurück und Geflügel gewinnt gegenüber Schwein und Rind an Beliebtheit. Tierschutzfragen treten zunehmend in den Mittelpunkt.

Der Konsum von Schwein und Rind ist im Vergleich zu Geflügel rückläufig. - © hedgehog94/stock.adobe.com

In den vergangenen 20 Jahren hat sich der weltweite Fleisch­verbrauch mehr als verdoppelt. Und die Nachfrage von Geflügel, Schwein und Rind scheint noch lange nicht gesättigt. Dies geht aus dem Fleischatlas 2021 hervor, der von der Heinrich-Böll-­Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz und der internationalen Monatszeitung ­"Le Monde diplomatique" veröffentlicht wurde. Bis 2028 könnte die Produktion demnach um weitere 40 Millionen Tonnen bzw. 13 Prozent steigen, schätzen die ­Studienautoren.

Sie führen die Entwicklung auf wachsende Bevölkerungen und gestiegene Einkommen zurück. Besonders die Länder des globalen Südens seien die große Wachstumsmärkte für die Fleischproduzenten. Gemeint sind damit Staaten, die früher als Entwicklungs- und Schwellenländer bezeichnet wurden. Sie befinden sich hauptsächlich in Asien, Afrika, Latein- und Südamerika.

Der ökologische Fußabdruck der Fleischproduktion ist nach Meinung der Forscher jetzt schon dramatisch. Um die angestrebten Klimaschutzziele bis 2030 erreichen zu können, müssten die Industrieländer ihren Fleischverbrauch demnach um mindestens fünfzig Prozent reduzieren.

Steigendes Ernährungsbewusstsein

In Deutschland ist der Konsum von Fleisch gegen den weltweiten Trend bereits seit Jahren leicht rückläufig. 57,3 Kilogramm Fleisch hat jeder Deutsche 2020 verzehrt. 2018 waren es noch knapp vier Kilogramm mehr pro Person. Zum Vergleich: In den USA sind es mehr als 100 Kilogramm pro Einwohner. Dabei ging besonders der Konsum von Schweinefleisch zurück, während der Verzehr von Geflügel zunimmt. Die Forscher führen die Entwicklung auf wachsende Bedenken in der Bevölkerung hinsichtlich Gesundheit, Tierwohl und Umweltschutz zurück.

Ausgeprägt scheint der bewusstere Verzehr von Fleisch oder der vollständige Verzicht vor allem unter den Jüngeren, wie die Ergebnisse der Studie zeigen. Dazu wurde eine repräsentative Befragung unter den 15- bis 29-Jährigen durchgeführt. Knapp 13 Prozent von ihnen gaben an, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, was etwa doppelt so viele sind, wie in der Gesamtbevölkerung. Viele von ihnen ernähren sich jedoch erst seit Kurzem fleischfrei. So gab rund ein Drittel an, im Vorjahr noch Fleisch gegessen zu haben.

Das Ernährungsverhalten scheint eng mit politischen Einstellungen verknüpft. 75 Prozent der Veganer und Vegetarier bezeichnen sich als Teil der Klimaschutzbewegung. Die Forderung nach höheren Standards bei der Tierhaltung zeigt sich aber auch bei den sogenannten Flexitariern, denjenigen die nur gelegentlich Fleisch essen, und den Omnivoren, die grundsätzlich nicht auf Fleisch und tierische Produkte verzichten. Nur 5,2 Prozent unter allen befragten jungen Menschen stimmen der Aussage zu, dass "die heutige Tierhaltung im Grundsatz in Ordnung ist". Weit über 90 Prozent lehnen die Tierhaltungsstandards hingegen teilweise oder gänzlich ab.

Auch der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) ist der Ansicht, dass es jetzt höchste Zeit ist, politische Maßnahmen zu ergreifen. "Die Tierschutzgesetzgebung muss auf den Prüfstand. Unter wissenschaftlicher Begleitung muss ein gesellschaftlicher Konsens hergestellt werden, wie Tierhaltung aussehen soll", heißt es vom Verband. Der DFV bemängelt etwa, dass die Behörden ihrer Kontrollpflicht nicht gerecht werden. Demnach bekämen Nutztierbestände in Schleswig-Holstein rechnerisch nur alle 37,3 Jahre Besuch vom Amtstierarzt, in Bayern sogar nur alle 48,1 Jahre. "Das ist völlig unhaltbar", findet das Fleischerhandwerk.

Tierschutz auf europäischer Ebene regeln

Ein verbessertes und kontrolliertes Tierschutzgesetz hat nach Ansicht des DFV den Vorteil, dass die Verbesserungen für alle Nutztiere gelten und nicht nur in den Ställen derjenigen Bauern, die an freiwilligen Tierwohl-Aktivitäten teilnehmen.

Dabei müsse es jedoch eine europäische Lösung geben. Denn komme es nur zu national höheren Standards, die die Produktion in Deutschland verteuern, bestünde die Gefahr, dass die Tierhaltung dann in solche Länder abwandere, die geringere Standards haben. "Dem Tierschutz wäre dann ein Bärendienst erwiesen", so der Verband.

Ablehnend steht das Fleischerhandwerk hingegen der Idee einer Tierwohl-Abgabe auf jedes Kilogramm Fleisch oder Wurst gegenüber. "Die Dokumentations- und Nachweispflichten, die eine Tierwohl-Abgabe zwangsläufig auslösen würde, sind von einem Handwerksbetrieb kaum oder gar nicht zu leisten."

Auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch und Wurstwaren hält der DFV für kontraproduktiv. "Das würde nicht nur bei sehr preisbewussten Verbrauchern den Anreiz verstärken, zu Billigprodukten zu greifen", ist der Verband überzeugt.

Die vollständige Studie kann unter www.boell.de heruntergeladen werden.