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Wie oft wird der Firmenwagen von wem genutzt? Firmenwagen: Aufgepasst bei Leasing-Sonderzahlung

Bei der Leasing-Sonderzahlung für den Firmenwagen drohen bei der Einnahmen-Überschussrechnung ungeahnte Steuerrisiken.

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Grundsätzlich kann die Leasing-Sonderzahlung für geleaste Firmenwagen bei der Einnahmen-Überschussrechnung im Jahr der Zahlung in voller Höhe als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Doch aufgepasst!

Fällt die Nutzung des Firmenwagens danach unter zehn Prozent, droht die rückwirkende Kürzung des Betriebsausgabenabzugs für diese Leasing-Sonderzahlung. Auf diese Besonderheit weist aktuell die Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen hin.

So mancher Finanzbeamte dürfte diese Kurzinfo der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen dazu verwenden, um bei einer betrieblichen Nutzung eines Firmenwagens von unter zehn Prozent den Betriebsausgaben für Leasing-Sonderzahlungen rückwirkend zu kürzen. Dem können Sie nur entgegenwirken, wenn Sie die betriebliche Nutzung des Firmenwagens während der Leasingdauer überwachen und dafür sorgen, dass die betriebliche Nutzung nicht unter zehn Prozent fällt.

Praxisbeispiel zeigt steuerliche Folgen

Beispiel: Handwerkerin Frauke Becker leaste im Dezember 2013 für ihren Malerbetrieb einen neuen Firmenwagen und leistete für den 48-monatigen Leasingzeitraum eine Leasing-Sonderzahlung in Höhe von 15.000 Euro. Diese Sonderzahlung zog Sie im Jahr 2013 in voller Höhe vom Gewinn ihres Malereibetriebs ab. Die betriebliche Nutzung des Firmenwagens betrug nachweislich mehr als 50 Prozent. Das Finanzamt stellt bei Bearbeitung der Steuererklärungen 2016 fest, dass der Firmenwagen ab Januar 2016 nur noch unter 10 Prozent betrieblich genutzt wird (ausschließlich private Nutzung des Firmenwagens durch den Ehemann von Frauke Becker).

Folge: Das Finanzamt wird den Steuerbescheid 2013 nach § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO ändern und in diesem Jahr den Betriebsausgabenabzug für die Leasing-Sonderzahlung um 7.187 Euro kürzen (23/48 von 15.000 Euro).

Firmenwagen: Das gilt grundsätzlich bei der Leasing-Sonderzahlung

Bekommt ein Arbeitnehmer einen Dienstwagen zur Verfügung gestellt, muss er für die Privatfahrten und für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit einen geldwerten Vorteil als Arbeitslohn versteuern. Bei der Ermittlung dieses geldwerten Vorteils nach der Fahrtenbuchmethode hat der Bundesfinanzhof nun ein Machtwort zur Behandlung einer Leasing-Sonderzahlung gesprochen. Arbeitnehmer dürfen sich freuen.

Bei der Ermittlung der Gesamtkosten des Dienstwagens, die wiederum zur Ermittlung des geldwerten Vorteils notwendig sind, haben die Finanzämter bei Leasing-Sonderzahlungen bisher eine höchst umstrittene Auffassung vertreten. Selbst wenn der Arbeitgeber bilanziert und die Leasing-Sonderzahlung in der Bilanz auf mehrere Jahre verteilte, schlugen die Finanzbeamten die Leasing-Sonderzahlung den Pkw-Gesamtkosten in einem Betrag im Erstjahr der Dienstwagennutzung zu. Zu Unrecht, wie nun der Bundesfinanzhof klarstellte. Die bilanzielle Behandlung der Leasing-Sonderzahlung und die lohnsteuerliche Behandlung fallen nicht auseinander (BFH, Urteil v. 3.9.2015, Az. VI R 27/14; veröffentlicht am 18.11.2015).

Beispiel: Ein Arbeitnehmer bekommt im Dezember erstmals einen Dienstwagen zur Verfügung gestellt. Die Gesamtkosten ohne Leasing-Sonderzahlung betragen im Dezember 2.000 Euro. Der Pkw wird im Dezember zu 16 Prozent privat genutzt. Die Leasing-Sonderzahlung von 15.000 Euro wird in der Bilanz auf die Laufzeit des Leasing-Vertrags von 3 Jahren verteilt. In diesem Jahr wirken sich zeitanteilig (nur für Dezember) 417 Euro als Betriebsausgaben aus (15.000 Euro : 3 Jahre = 5.000 Euro pro Jahr, im Erstjahr zeitanteilig für nur einen Monat).

So rechnet der Arbeitgeber So rechneten die Finanzämter bislang
Gesamtkosten ohne Leasing-Sonderzahlung 2.000 Euro 2.000 Euro
Leasing-Sonderzahlung 417 Euro 15.000 Euro
Gesamtkosten 2.417 Euro 17.000 Euro
Bei der Lohnsteuer zu versteuernder geldwerter Vorteil (Privatnutzung 16 Prozent) im Erstjahr 386,56 Euro 2.720 Euro

Tipp: Sind Sie unsicher, wie Sie den geldwerten Vorteil für die private Pkw-Nutzung ermitteln müssen, können Sie beim Finanzamt die Erteilung einer Anrufungsauskunft beantragen (§ 42e EStG). Das Finanzamt sagt Ihnen dann klipp und klar, ob Sie lohnsteuerlich alles richtig machen. Dieser Service des Finanzamts ist gratis. dhz

Steuern sparen mit dem Leasing-Pkw : So urteilte der BFH

Geldwerter Vorteil bei Leasing-Pkw

Least ein Handwerksbetrieb einen Pkw und stellt diesen als Firmenwagen einem Arbeitnehmer zur betrieblichen und privaten Nutzung zur Verfügung, muss ein geldwerter Vorteil für die Privatfahrten und für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit versteuert werden. Bei einem Leasing-Pkw kann diese Besteuerung ausnahmsweise wegfallen.

Nutzt ein Arbeitnehmer einen betrieblichen Dienstwagen auch privat oder zu Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, kann der geldwerte Vorteil nach den beiden folgenden Varianten ermittelt werden:

  • Fahrtenbuchmethode: Anhand der Aufzeichnungen eines Fahrtenbuchs können die tatsächlichen Kosten je Kilometer ermittelt und bei Berechnung des zu versteuernden geldwerten Vorteils herangezogen werden.
  • Schätzmethode: Alternativ dazu kann der geldwerte Vorteil nach der 1%-Regelung ermittelt werden. Für Privatfahrten müssen danach 1% des inländischen Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung pro Monat versteuert werden.

Kein geldwerter Vorteil, wenn Pkw dem Arbeitnehmer zuzurechnen ist 

Ausnahmsweise kann von der Ermittlung und Besteuerung eines geldwerten Vorteils im Zusammenhang mit der Nutzung eines Dienstwagens abgesehen werden, wenn dieser nicht dem Handwerksbetrieb, sondern dem Mitarbeiter zuzurechnen ist. Das ist nach Ansicht des Bundesfinanzhofs bei einem Leasing-Pkw denkbar (BFH, Urteil v. 18.12.2014, Az. VI R 75/13).

Das ist der Fall, wenn der Arbeitnehmer sämtliche Leasingraten und sämtliche anderen anfallenden Kosten mit diesem Dienstwagen trägt. In diesem Fall handelt es sich bei dem Pkw um ein Privatfahrzeug des Arbeitnehmers. Ein geldwerter Vorteil muss in diesem Fall nicht versteuert werden – zumindest nicht für die Privatfahrten.

Tipp: Die Richter des Bundesfinanzhofs stellten jedoch klar, dass trotz der Zuordnung des Pkws zum Privatvermögen des Arbeitnehmers die Besteuerung eines geldwerten Vorteils vorzunehmen sein kann. Und zwar immer dann, wenn der Arbeitgeber von der Leasinggesellschaft besonders günstige Konditionen erhält, die unter normalen Umständen keinem Leasing-Nehmer zustehen würden. Würde ein fremder Leasing-Nehmer 4.000 Euro Leasingraten zahlen müssen, der Arbeitnehmer muss jedoch nur 1.500 Euro bezahlen, ist ein geldwerter Vorteil von 2.500 Euro zu versteuern.

Das Bundesfinanzministerium hat die Sichtweise des Bundesfinanzhofs bestätigt und fortentwickelt (BMF, Schreiben v. 15.12.2016, Az. IV C 5 – S 2334/16/10003).

Steuersparmodell mit Leasing-Pkw gekippt

In der Praxis kommt es häufig vor, dass der Firmen-Pkw geleast wird und dabei überhöhte Leasingraten bezahlt werden. Die Kaufoption am Ende des Leasingvertrags zu einem Preis, der deutlich unter dem Zeitwert des Fahrzeugs liegt, wird vom Ehegatten ausgeübt. Ziel des Ganzen: Der Ehegatte verkauft den Pkw privat und deshalb steuerfrei mit einem üppigen Gewinn. Doch dieses Steuersparmodell hat der Bundesfinanzhof nun offiziell gekippt.

Typischer Fall aus der Praxis: Der selbständige Handwerker Huber schloss vor vier Jahren einen Leasing-Vertrag über einen Firmenwagen ab. Die Leasingraten, die Huber als Betriebsausgaben in seinem Handwerksbetrieb verbuchte, waren sehr hoch. Das führte dazu, dass der Pkw am Ende des Leasingzeitraums noch einen Zeitwert von 28.000 Euro hatte, jedoch per Kaufoption für 17.000 Euro zu haben war. Die Kaufoption übte die Ehefrau von Huber aus. Sie kaufte das Auto privat und verkaufte es ein Jahr später für 25.000 Euro. Da Verkäufe von Privatvermögen steuerfrei sind, kassierte die Ehefrau den Verkaufsgewinn von 8.000 Euro steuerfrei.

Bundesfinanzhof kippt dieses Steuersparmodell 

Der Bundesfinanzhof schob diesem Steuersparmodell nun einen Riegel vor. Da während des Leasingzeitraums die hohen Leasingraten gezahlt wurden, stellt der Pkw ein entnehmbares betriebliches Wirtschaftsgut dar. Folge: Die Differenz zwischen vereinbartem Restwert und dem Zeitwert des Pkws ist durch Ausübung der Kaufoption durch Dritte vom Unternehmer zu versteuern (BFH, Urteil v. 26.11.2014, Az. X R 20/12). In unserem Ausgangsfall hätte Huber also eine gewinnerhöhende Entnahme von 8.000 Euro in seinem Handwerksbetrieb erfassen müssen.

Tipp: Rückfragen des Finanzamts bei selbständigen Handwerkern dürften also vorprogrammiert sein, wenn nach hohen Leasingraten der Firmenwagen nicht vom Handwerksbetrieb gekauft wird. Auch bei der Prüfung von Leasinggesellschaften wird der Prüfer Ausschau nach solchen Steuersparmodellen halten und gegebenenfalls das Finanzamt des Handwerkers informieren, tätig zu werden und eine Entnahme zu besteuern. dhz

Dieser Beitrag wurde am 8. September 2017 aktualisiert.
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