Creditreform-Studie Firmenpleiten auf höchstem Stand seit 13 Jahren

12.900 Unternehmen meldeten im ersten Halbjahr 2026 Insolvenz an – ein Plus von 7,8 Prozent. Besonders hart trifft es Dienstleister und junge Firmen. Warum der Höhepunkt der Pleitewelle laut Creditreform noch nicht erreicht ist.

Bei Unternehmen, die höchstens zwei Jahre am Markt sind, stieg die Zahl der Pleiten im ersten Halbjahr 2026 um 25,3 Prozent. - © Christoph Jirjahlke - stock.adobe.com

Die Firmenpleiten in Deutschland erreichen den höchsten Stand seit 13 Jahren. Im ersten Halbjahr 2026 mussten 12.900 Unternehmen Insolvenz anmelden, 7,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus einer Studie der Creditreform Wirtschaftsforschung aus Neuss hervor.

Bau und Dienstleister im Minus, Handel im Plus

Im Baugewerbe stiegen die Insolvenzen um 4,5 Prozent. Noch stärker traf es den Dienstleistungssektor mit einem Plus von 12,6 Prozent. Knapp 7.900 Pleiten entfielen auf diesen Bereich – das sind 61,2 Prozent aller Fälle. Einzig im Handel sank die Zahl der Insolvenzen leicht um 1,3 Prozent.

"Der Dienstleistungssektor steht gleich von mehreren Seiten unter Druck", sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Viele Betriebe seien klein, hätten kaum Reserven und hingen von wenigen Auftraggebern ab. Gleichzeitig veränderten Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz die Geschäftsmodelle. "Wer sich nicht schnell genug anpasst, gerät ins Hintertreffen und wird selbst zum Treiber der steigenden Insolvenzzahlen."

Lange Rezession und teure Energie

Viele Unternehmen seien nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation finanziell ausgezehrt, heißt es in der Studie. Der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Öl- und Energiepreisschock hat die Situation zusätzlich verschärft.

"Die steigenden Insolvenzzahlen offenbaren eine tiefe strukturelle Krise bei unseren Unternehmen, die durch den Konflikt im Nahen Osten noch mal verschärft wurde", sagt Hantzsch. Der erhoffte Aufschwung sei ausgeblieben.

28,5 Milliarden Euro Schaden, 165.000 Jobs betroffen

Die Schadenssumme aus den Firmenpleiten beziffert Creditreform auf rund 28,5 Milliarden Euro. Das Geld fehlt vor allem Lieferanten, Kreditgebern und Sozialversicherungsträgern.

Rund 165.000 Arbeitsplätze hingen im ersten Halbjahr an insolventen Firmen – im Vorjahreszeitraum waren es 143.000. Hantzsch erwartet keine schnelle Entspannung: "Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht. Diese Entwicklung wird sich erst dann wieder stabilisieren, wenn die Wirtschaft endlich wächst. Nach jetzigem Stand also frühestens 2027."

Junge Firmen scheitern besonders häufig

Besonders viele Insolvenzen treffen junge Unternehmen. Bei Firmen, die höchstens zwei Jahre am Markt sind, stieg die Zahl der Pleiten um 25,3 Prozent. Bei drei bis vier Jahre alten Betrieben legten die Insolvenzen um 11,1 Prozent zu.

Hantzsch erklärt das mit einer Gründungswelle: "Viele Menschen suchen ihr Heil in der Selbstständigkeit, weil die Spannungen am Arbeitsmarkt signifikant zunehmen. Mehr Gründungen heißt aber auch, dass mehr scheitern. Das schwierige Umfeld verzeiht keine Fehlkalkulationen."

Auch große Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten trifft es härter: Hier legten die Insolvenzen um 28,6 Prozent zu. Den Großteil der Fälle stellen dennoch Kleinbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten – sie machen 81 Prozent aller Pleiten aus. Zu den größten Insolvenzen zählten laut Creditreform die Hotelkette "Revo Hospitality Group" mit rund 5.000 Beschäftigten und die "Feneberg Lebensmittel GmbH" aus Kempten im Allgäu mit etwa 2.900 Mitarbeitern.

Immer mehr Firmen können ihre Zinsen nicht zahlen

In einem Schwerpunkt untersucht die Studie, wie gut Unternehmen ihre Kredite noch bedienen können. Das Ergebnis: 2024 reichte bei 7,5 Prozent der Firmen das laufende Geschäftsergebnis nicht aus, um die fälligen Zinsen zu zahlen. 2015 lag dieser Anteil noch bei 6,5 Prozent.

Besonders betroffen ist erneut der Dienstleistungssektor: Dort schafft es fast jedes zehnte Unternehmen (9,1 Prozent) nicht, seine Zinslast aus dem Tagesgeschäft zu decken. Bei den Großunternehmen kletterte der Anteil von 7,0 Prozent (2015) auf 10,0 Prozent (2024).

Hantzsch sieht zwei Ursachen: Die lange Rezession und die schwache Konjunktur hätten Umsätze und Erträge gedrückt. Gleichzeitig waren viele Unternehmen mit Krediten belastet, die infolge der Inflationsbekämpfung der Europäischen Zentralbank 2022/2023 deutlich teurer geworden waren. "Kreditgeber müssen nun verstärkt mit Zahlungsausfällen rechnen." fre