Die Energiekrise verfolgt die Menschen bis in den Tod. Denn die exorbitant steigenden Gaspreise schlagen bis zu den Krematorien durch. Der Bundesverband Deutscher Bestatter hat frühzeitig Vorschläge unterbreitet, wie bei der Feuerbestattung Gas gespart werden kann.

Demnach könnte die vorgeschriebene Mindesttemperatur in den Nachbrennkammern der Öfen von 850 auf 750 Grad Celsius gesenkt werden. Zwischen 20 und 40 Prozent Gas ließen sich auf diese Weise einsparen, schätzt Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB), unter dessen Dach knapp die Hälfte der rund 160 Krematorien organisiert ist.
"Gleich nach Inkrafttreten der Frühwarnstufe haben wir die zuständigen Bundesministerien für Wirtschaft und Umwelt sowie die Bundesnetzagentur darauf hingewiesen, dass beim Absenken der Temperatur um 100 Grad keine zusätzlichen Emissionen entstehen. Das wurde seit 2008 bei mehreren Messungen nachgewiesen", sagt Neuser. Inzwischen hätten die ersten Landesumweltbehörden entsprechende Ausnahmegenehmigungen für die im Bundesimmissionsschutzgesetz (27. BImSchV) geregelte Mindesttemperatur erteilt.
Schichtarbeit senkt Gasverbrauch
Durch den Betrieb der Öfen im Mehrschichtsystem könnte der Gasverbrauch weiter verringert werden. Denn einen Großteil des Brennstoffs verbrauchen die Öfen beim Aufheizen. Würde ein Krematorium hingegen rund um die Uhr laufen, könnte es sogar weitgehend autark betrieben werden. Das lässt sich freilich kaum umsetzen. Es fehlt an Personal, das zudem durch Nacht- oder Sonntagszuschläge sehr teuer wäre. Andererseits reicht die Zahl der Verstorbenen in den Einzugsgebieten der Krematorien dafür gar nicht aus.
Im Bestattungsinstitut Gotha versucht man das angeschlossene Krematorium ebenfalls möglichst optimal auszulasten. "Wir fahren lieber von Montag bis Mittwoch Doppelschichten, als dass wir den Ofen jeden Wochentag anheizen", sagt Geschäftsführer Ronald Häring. Bei rund 1.200 Einäscherungen im Jahr kommt das Unternehmen auf einen Gasverbrauch von rund 225.000 Kilowattstunden. Nach Ankündigung der Stadtwerke muss Häring für das Gas künftig mit einer Preissteigerung von rund 50 Prozent kalkulieren.
Krematorien nicht systemrelevant
In die Zukunft blickt er aber nicht nur deshalb mit sorgenvoller Miene. "Wir wissen ja nicht, wo das alles noch hinführt. Was passiert zum Beispiel, wenn der Gasnotstand ausgerufen wird?", fragt sich der Bestatter. In diesem Fall entscheidet die Bundesnetzagentur, welche Großverbraucher kein Gas mehr bekommen. Und die Krematorien gelten – anders als die Bestatter – noch nicht als systemrelevant. Dabei werden bundesweit inzwischen knapp drei Viertel aller Verstorbenen feuerbestattet. In Ostdeutschland liegt die Quote noch deutlich höher. "Bei uns in Gotha sind es 97 Prozent", betont Häring. Die Erdbestattung komme da als Alternative nicht mehr in Betracht. Auf den Friedhöfen wäre es viel zu eng. Auch BDB-Chef Neuser hält eine Umstellung auf Erdbestattung schon aus logistischen Gründen für unmöglich. Die Verstorbenen würdevoll zu bestatten, gehöre aber zur Daseinsvorsorge des Staates.