Samuel Wendel entwickelt maßgeschneiderte Transportlösungen für Handwerkerfahrzeuge. Seine Firma FES entwickelt sich prächtig.
Ulrich Steudel

Im Allgemeinen wird die sprichwörtliche Tüftlerschmiede im Schwabenland verortet – dort, wo einst das Automobil erfunden wurde und Wilhelm Maybach zum „König der Konstrukteure“ aufstieg. Diesem Erfindergeist fühlt sich auch Samuel Wendel verbunden, wenn er an immer neuen Lösungen für die verschiedensten Transportaufgaben tüftelt. Seine Konstruktionen sind der Grundstein für die Erfolgsgeschichte der FES Innovations GmbH in Kaufungen bei Kassel.
Das noch junge Unternehmen hat sich auf den individuellen Ausbau von Handwerkerfahrzeugen spezialisiert, denn die Anforderungen an den Laderaum eines Transporters sind so vielfältig wie das Handwerk selbst. Zwar bieten die etablierten Ausrüster für viele Gewerke standardisierte Systeme nach dem Baukastenprinzip an, doch im betrieblichen Alltag stoßen Handwerker immer wieder an Grenzen. Entweder sie helfen sich selbst oder sie wenden sich an ihren Fahrzeughändler. Dann schlägt vielleicht die Stunde von Samuel Wendel und FES.
Der 39-jährige Hesse hat zunächst Gas- und Wasserinstallateur gelernt, aber schon bald sein Händchen für den Karosserie- und Fahrzeugbau entdeckt. Auf der Meisterschule saß er dann schon im Kurs der Metallbauer, spezialisierte sich auf Nutzfahrzeuge. Sein Meisterstück, ein Pritschenwagen mit Spriegelaufbau und integrierter Ladungssicherung, gehört in weiterentwickelter Form bis heute zum Angebot von FES.
Handycap-Systeme für Rollstuhlfahrer
Im Dezember 2003 gründete Samuel Wagner FES, was für Fahrzeug-Einrichtungs-Systeme steht. Seither ist das Unternehmen vom Ein-Mann-Betrieb auf rund 20 Beschäftigte gewachsen. Aber der Anfang war nicht leicht, erinnert sich der Firmengründer: „Tagsüber war ich bei Kunden unterwegs, abends habe ich in der Werkstatt geschraubt.“
Der Einsatz hat sich gelohnt. Der hohe Qualitätsanspruch und die Liebe zum Detail haben sich herumgesprochen und auf diese Weise die Nachfrage angekurbelt. Inzwischen ist das Unternehmen vom ersten Standort in Niesetal nach Kaufungen umgezogen und mit Schwiegervater Herbert Wendel ein Vertriebsprofi in die Geschäftsführung eingestiegen, der auf zweistellige Wachstumsraten verweisen kann.
Gewachsen ist auch die Angebotspalette von FES. So vertreibt das Unternehmen seit drei Jahren seine Produkte dank Internet auch überregional und rüstet Pkws mit Handicap-Systemen für Rollstuhlfahrer aus.
Flexible Trennwand für zweite Sitzreihe
Die meisten Konstruktionen gehen auf Kundenwünsche zurück, wie die flexible Trennwand, mit der ein Transporter ganz unterschiedlich konfiguriert werden kann. Müssen zum Beispiel mehrere Gesellen zur Baustelle mitfahren, wandert die Trennwand einfach von der B- zur C-Säule. Das schafft Platz für eine zweite Sitzreihe. „Der Handwerker hat mir seinen Transporter mehrere Wochen zur Verfügung gestellt. Das war für die Entwicklung natürlich ein Glücksfall“, sagt Samuel Wendel. Und weiter: „Wir sind für die Robustheit unserer Produkte bekannt, was besonders Baubetriebe zu schätzen wissen.“
Dass die Nachfrage nach seinen Konstruktionen schwinden könnte, davor fürchtet er sich nicht. Was auch an der Autoindustrie liegt. Um Gewicht zu sparen, setzen die Hersteller dünnere Bleche ein, die mit Sicken und Falzen die nötige Stabilität bekommen sollen. So finden sich an neueren Karossen kaum noch geeignete Flächen, die sich für Lüftungsöffnungen anbieten, wie sie etwa beim Gastransport Vorschrift sind. Beim Lüfter von FES wurde der geforderte Querschnitt von 100 cm2 auf zwei Löcher verteilt, so dass er sich längs und quer verbauen lässt.
Internationaler Schweißfachmann
Um den gewachsenen Anforderungen im Karosseriebau gerecht zu werden, hat Samuel Wendel in diesem Jahr seine Ausbildung zum internationalen Schweißfachmann abgeschlossen. Auf Ausbildung setzt er auch bei der Suche nach personeller Verstärkung für sein Unternehmen. Aktuell lernen drei Lehrlinge bei FES, zwei Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker und ein Kaufmann für Bürokommunikation. Für das neue Lehrjahr sollen weitere drei Azubis hinzukommen.
Die Signale stehen also weiterhin auf Wachstum. Mit dem Anbau einer Lagerhalle soll mehr Platz für die Produktion geschaffen werden. Und Ideen für neue Konstruktionen hat Samuel Wendel auch schon im Kopf. Nur verraten will er darüber noch nichts.