Eine aktuelle Studie deckt Defizite bei Führungskräften auf: Drei von vier Mitarbeitergesprächen verpuffen wirkungslos – und kosten Betriebe im schlimmsten Fall ihre besten Kräfte. Die Ergebnisse im Detail – plus: Eine kurze Checkliste für erfolgreiche Feedbackgespräche.

Mitarbeitergespräche finden zwar statt, bleiben aber häufig ohne Folgen. Das ist ein Ergebnis einer Studie der Königsteiner-Gruppe, für die bundesweit 1.073 Beschäftigte zur Feedbackkultur in ihrem Unternehmen befragt wurden. Darunter gab lediglich ein Viertel der Beschäftigten, die regelmäßig zum Gespräch gebeten werden, an, dass die vereinbarten Themen so umgesetzt wurden wie besprochen. Das entspricht 26 Prozent. Bei 24 Prozent der Befragten wurden die Ergebnisse entweder überwiegend nicht oder gar nicht realisiert, zwölf Prozent wissen sogar nicht einmal mehr, was vereinbart wurde.
"Ein Mitarbeitergespräch ist kein formaler Pflichttermin, sondern ein zentraler Moment der Wertschätzung und Entwicklung von Beschäftigten", sagt Nils Wagener, Geschäftsführer der Königsteiner-Gruppe. "Wenn dieser Moment schludrig vor- und nachbereitet wird, verliert das Gespräch seine Wirkung – und das Unternehmen im schlimmsten Fall den Mitarbeiter."
Mitarbeitergespräche müssen regelmäßig stattfinden
Die Studie zeigt, dass Mitarbeitergespräche zwar in vielen, jedoch nicht in allen Unternehmen zur gängigen Praxis gehören. Zwar werden sieben von zehn Beschäftigten mindestens einmal jährlich zum Mitarbeitergespräch gebeten. Allerdings führen 18 Prozent der Beschäftigten gar keine und 13 Prozent seltener als einmal pro Jahr solche Gespräche. Das jährliche Mitarbeitergespräch ist am gängigsten: 35 Prozent der Befragten werden mindestens einmal im Jahr dazu aufgefordert. Bei 22 Prozent werden monatliche oder vierteljährliche Gespräche geführt.
"Zusammengenommen ergibt sich ein Bild, in dem Feedback in der deutschen Arbeitswelt zwar grundsätzlich vorgesehen ist, aber leider oft zu unregelmäßig stattfindet. Viele Unternehmen verschenken so wertvolles Potenzial", sagt Nils Wagener. "Wer Mitarbeiter motivieren, fördern und an sich binden will, sollte regelmäßige Feedback-Prozesse als festen Bestandteil der Unternehmenskultur etablieren. Da wäre ein Rhythmus, der über das jährliche Prinzip hinausgeht, sicher hilfreich."
13 Prozent sehen sich aufgrund schlechter Mitarbeitergespräche nach neuem Arbeitgeber um
Den Studienergebnissen zufolge kritisieren Beschäftigte auch die Qualität des Austauschs mit ihren Vorgesetzten. Für 23 Prozent der Befragten habe sich ihre Führungskraft für das letzte Gespräch etwa zu wenig Zeit genommen. Jeder Fünfte (20 Prozent) gab eine unzureichende Vorbereitung seines Vorgesetzten an.
Auch die Nachbereitung des Gesprächs ist häufig unzureichend: Nur etwas mehr als ein Drittel der Beschäftigten (36 Prozent) berichten von einem Folgegespräch und lediglich 30 Prozent erhalten einen Entwicklungsplan. uls