Arbeitsrecht Fast jedes zweite Unternehmen sieht Teilkrankschreibung skeptisch

Zum 1. Januar 2028 soll die Teilkrankschreibung eingeführt werden. Gerade Kleinunternehmen sehen Probleme bei der praktischen Umsetzung: 40 Prozent halten das Instrument im eigenen Unternehmen generell nicht für sinnvoll umsetzbar.

Handwerker mit gesundheitlichen Problemen fasst sich an Kopf
Arbeiten trotz gesundheitlicher Einschränkungen? Die geplante Teilkrankschreibung soll einen reduzierten Einsatz ermöglichen – sofern Mitarbeiter, Arzt und Arbeitgeber zustimmen. - © Nataliya - stock.adobe.com

Fast die Hälfte der deutschen Unternehmen hält die geplante Teilkrankschreibung für nicht sinnvoll. Das zeigt eine Befragung von Personalabteilungen, die das ifo Institut gemeinsam mit dem Personaldienstleister Randstad durchgeführt hat. Nur etwa jedes vierte Unternehmen bewertet das Instrument positiv, weitere 25 Prozent stehen ihm neutral gegenüber.

Was die Teilkrankschreibung bedeutet

Bei länger andauernden Erkrankungen soll künftig eine Teilarbeitsunfähigkeit von 25, 50 oder 75 Prozent ärztlich festgestellt werden können. Voraussetzung ist, dass Beschäftigte, Ärzte und Arbeitgeber zustimmen. Die Idee dahinter: Erkrankte kehren schrittweise und in reduziertem Umfang in den Arbeitsalltag zurück, statt vollständig auszufallen.

Lehnt der Arbeitgeber die Teilbeschäftigung ab oder reagiert er nicht innerhalb von sieben Tagen, soll wieder eine vollständige Arbeitsunfähigkeit gelten. Arbeitgeber sind nicht verpflichtet, Arbeitsplätze oder Aufgaben für eine Teilkrankschreibung anzupassen.

Für die geleistete Arbeitszeit erhalten Beschäftigte weiterhin ihr Gehalt vom Arbeitgeber. Für die krankheitsbedingt ausfallenden Stunden zahlt die Krankenkasse ein anteiliges Krankengeld.

Abgrenzung bereitet die größten Schwierigkeiten

Als größte Herausforderung sehen die befragten Unternehmen die Abgrenzung zwischen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit. 76 Prozent der befragten Unternehmen vermuten hier Schwierigkeiten, 57 Prozent rechnen außerdem mit zusätzlichem organisatorischem Aufwand. 35 Prozent befürchten, dass erkrankte Mitarbeiter durch die teilweise Rückkehr überfordert werden könnten.

In Produktion und Logistik seltener umsetzbar

Wie praktikabel die Teilkrankschreibung ist, hängt nach Einschätzung der Unternehmen stark vom jeweiligen Einsatzbereich ab. Am ehesten halten die Befragten sie in der Verwaltung für umsetzbar – das sagen 55 Prozent. Im Vertrieb und Kundenservice sehen 33 Prozent eine Einsatzmöglichkeit.

Deutlich niedriger fallen die Werte in der Logistik mit elf Prozent und in der Produktion mit acht Prozent aus. Insgesamt halten 49 Prozent der Unternehmen eine Teilkrankschreibung in vielen Tätigkeiten für kaum umsetzbar. Knapp ein Drittel gibt an, das Instrument sei im eigenen Unternehmen generell nicht sinnvoll einsetzbar. Bei Kleinunternehmen sind es sogar 40 Prozent.

Wenig Hoffnung auf positive Effekte

Auch die Erwartungen an die möglichen Vorteile sind verhalten: 47 Prozent der Unternehmen rechnen mit keinen wesentlichen positiven Effekten. Ein Drittel hofft auf kürzere Fehlzeiten, 31 Prozent auf eine schnellere Rückkehr erkrankter Mitarbeiter. Weitere 21 Prozent sehen die Chance, dass Fachkräfte trotz gesundheitlicher Einschränkungen länger eingesetzt werden können. Zwölf Prozent sehen die Chance auf eine flexiblere Personalplanung. fre