Handwerker-Transporter im Visier Jagd auf Fahrzeuge: So schützen Sie sich vor Werkzeug-Dieben

Als Laurin Bock zu seinem Transporter zurückkehrt, ist der Schock groß: Das Fahrzeug ist aufgebrochen, seine teuren Maschinen sind weg. Solche Diebstähle kommen immer häufiger vor. Wie sich Handwerksbetriebe schützen können, was im Fall der Fälle zu tun ist und welche glückliche Wendung der Fall des Zimmerermeisters noch nahm.

Zerstörte Scheibe, durchwühltes Fahrzeug: Zimmerermeister Laurin Bock wurde Opfer eines Diebstahls. Unter anderem wurden mehrere Sägen aus seinem Handwerker-Fahrzeug entwendet. - © Screenshot/Instagram-Kanal "derholzbock.official"

Die Scheibe an der Rückseite des Transporters ist eingeschlagen, das Regal darin durchwühlt, Kisten und Material liegen wild verstreut im Fahrzeug herum. "Ich bin echt ein bisschen krass getroffen", sagt Laurin Bock in einer Instagram-Story. Der Zimmerermeister filmt sich und den Tatort, nachdem sein Transporter von Dieben aufgebrochen wurde. Für einen Termin hatte er das Fahrzeug in einer belebten Straße in Hamburg geparkt. "Im ersten Moment war ich total geschockt, habe mich dann aber hingesetzt und kurz meine Gedanken sortiert", so Bock. Schnell stellt er fest: Die Diebe haben drei Handkreissägen, eine Kettensäge sowie einen Akkuschrauber-Koffer entwendet. Der Handwerker schätzt den Wert des Diebesguts auf circa 4.000 Euro. Vor allem aber hat ihn der Vorfall emotional getroffen: "In meinem Akkuschrauber-Koffer hatte ich alle Gadgets, die ich während meines Berufslebens gesammelt habe. Und die 85er-Mafell war meine allererste Säge. Für die hatte ich sozusagen einen Kredit bei meinem Vater aufgenommen, den ich über Jahre Stück für Stück abgestottert habe", erzählt er.

Diebstahl aus Handwerker-Transportern sind ein großes Problem

Die emotionale Instagram-Story von Laurin Bock geht viral. So berichtet er, dass er zahlreiche Rückmeldungen von Handwerkerinnen und Handwerkern bekommen habe, denen Ähnliches passiert ist. Diebstähle aus Handwerker-Transportern sind ein zunehmendes Problem, bestätigt auch die Handwerkskammer zu Köln. Im letzten Jahr führte die Kammer gemeinsam mit der Polizei mehrere Infoveranstaltungen zu dem Thema durch. "Wir sind darauf aufmerksam geworden, nachdem uns mehrere Handwerksunternehmerinnen und -unternehmer von dem Problem berichtet haben. Wir sind dann nochmal in die Kommunikation mit der Polizei gegangen, die uns bestätigt hat, dass die Zahl der Fahrzeug-Aufbrüche stark zugenommen hat", sagt Claudia Betzing, Leiterin Standortpolitik bei der Handwerkskammer zu Köln.

Was Handwerker im Fall der Fälle tun sollten

Wie die Polizei Köln bei den Infoveranstaltungen berichtete, werden die teuren Werkzeuge vermutlich auf Märkten im Ausland weiterverkauft. Wurde der Transporter aufgebrochen, ist da zuallererst der finanzielle Schaden. Im schlimmsten Fall aber können Handwerker auch Aufträge nicht mehr wahrnehmen, weil das Fahrzeug nicht mehr fahrtüchtig ist oder das nötige Werkzeug fehlt. Was also können sich Handwerksunternehmer besser schützen? Das empfiehlt die Polizei Köln:

1. Polizei rufen und Individualnummern durchgeben

Laurin Bock hat zunächst die Polizei angerufen, nachdem er den Diebstahl bemerkt hat. Das ist auch der erste Schritt, den die Polizei Köln in einem Präventionsflyer für Handwerker empfiehlt: "Melden Sie jeden Diebstahl sofort der Polizei und halten Sie eine detaillierte Auflistung der entwendeten Werkzeuge sowie der Individualnummern bereit", heißt es darin. In der Regel verfügen alle teuren Maschinen und Werkzeuge über eine solche Individualnummer. Handwerker sollten diese notieren, um sie im Fall der Fälle an die Polizei weiterzugeben. "Denn findet die Polizei das Diebesgut, kann die Werkzeuge dem Besitzer aber nicht zuordnen, erhalten die Handwerker diese auch nicht zurück", erklärt Betzing.

2. Werkzeuge und Maschinen branden

Zudem empfiehlt die Polizei Köln weitere Kennzeichnungen, die es erleichtern, die Maschinen und Werkzeuge dem Besitzer zuzuordnen. Wer seine Werkzeuge großflächig mit Firmennamen, Fahrzeugkennzeichen oder Telefonnummer markiert, erschwert zudem den Weiterverkauf. Die Polizei Köln empfiehlt zur Kennzeichnung der Maschinen Brand- oder Brennstempel bzw. Gravuren. Mindestens sollten die Maschinen aber mit wasserfesten Stiften oder Firmenaufklebern gekennzeichnet werden.

3. Das Fahrzeug sichern

Um den Aufbruch so schwer wie möglich zu machen, sollte der Transporter zusätzlich mechanisch und elektronisch gesichert werden. Zum Beispiel durch Alarmanlagen, die den Dieb optisch oder akustisch abschrecken oder ihm zumindest die "Arbeit erschweren". Durch Bolzenriegelschlösser lassen sich Türen und Kofferraum zusätzlich verriegeln. Fenster können mit Metallgittern gesichert werden.

Für Werkzeugkoffer und andere Kisten bieten geprüfte Schlösser und Ketten zusätzlichen Schutz. Darin versteckt verbaute GPS-Ortungsgeräte können der Polizei und gegebenenfalls der Staatsanwaltschaft helfen, gestohlenes Werkzeug aufzuspüren oder festzustellen, ob es sich um Diebesgut handelt.

Weitere Tipps

Darüber hinaus empfiehlt die Polizei, keine Wertsachen oder Werkzeuge im Fahrzeug zurückzulassen – und auch den Abstellort des Fahrzeugs sorgfältig auszuwählen. So sollte das Fahrzeug zum Beispiel an gut beleuchteten Straßen oder in abschließbaren Garagen abgestellt werden.

"Die Polizei Köln hat auf unseren Infoveranstaltungen nochmal darauf hingewiesen, selbst sensibler für solche Straftaten zu werden. Wer komische Aktionen an Fahrzeugen wahrnimmt, sollte lieber einmal mehr die Polizei rufen als zu wenig", so Betzing.

>>> Weitere Tipps zum Thema gibt es auch in einem Präventionsflyer der Polizei Köln. Hier geht's zum Download über die Website.

Schöne Wendung im Fall des Zimmerermeisters

Auch Laurin Bock will nichts mehr dem Zufall überlassen. Nachdem er bei der Polizei war und Fotos von den Schäden gemacht hat, hat er die kaputte Fahrzeugscheibe gemeinsam mit einem Freund ausgewechselt, der eine eigene Werkstatt besitzt. Dafür hat er über ebay-Kleinanzeigen eine passende Scheibe sowie Scheibenkleber bestellt. Um die hintere Fahrzeugtür zusätzlich zu sichern, haben die beiden Lochbleche verschweißt. Außerdem möchte Bock innenliegende Türschlösser sowie eine Alarmanlage verbauen, um seinen Transporter weiter zu sichern. All das will er filmisch auf seinem Instagram-Kanal (@derholzbock.official) festhalten: "Ich möchte dadurch Leuten, denen dasselbe passiert, meinen Support geben", erklärt er seine Motivation.

Und der Zimmerer hatte noch Glück im Unglück: Seine erste Säge ist mittlerweile wieder aufgetaucht. Vermutlich weil sie zu schwer zum Tragen war, haben die Diebe die Maschine in einem Garten abgelegt. Der Hausbewohner fand die Säge, auf der nicht nur der Name des offiziellen Händlers, sondern auch eine Kundennummer vermerkt war. Über einen Anruf beim Händler konnte festgestellt werden, dass die Säge zu Laurin Bock gehört: "Ich habe mich richtig doll gefreut", sagt der Handwerker. "Erst erlebst du so was Schreckliches und dann gibt es aber wiederum Leute, die so ehrlich sind. Dem Herrn habe ich zum Dank erstmal eine Flasche Champagner vorbeigebracht."

Diebstahl aus Handwerker-Transportern: Kann man sich dagegen versichern lassen?

Im Fall eines Diebstahls aus dem Transporter sollten Handwerker nicht darauf hoffen, dass die Kfz-Versicherung zahlt. Diese deckt nämlich nur Schäden am Fahrzeug ab. Für die Versicherung des gestohlenen Inhalts kann sich aber eine sogenannte Werkverkehrsversicherung bzw. Autoinhaltsversicherung lohnen. Auch ganze Fahrzeugflotten können damit abgedeckt werden. Achtung: Oft sind nicht alle Risiken automatisch abgedeckt. So muss zum Beispiel bei Diebstählen in der Nachtzeit häufig eine spezielle Selbstbeteiligung gezahlt werden. Handwerker, die sich versichern wollen, sollten sich deshalb genau über die Konditionen der Versicherung informieren. Dementsprechend können auch die Kosten dafür stark variieren. Im Allgemeinen kann man für eine Autoinhaltsversicherung aber mit Kosten zwischen 100 und 500 Euro pro Jahr rechnen.