Wegen des Fachkräftemangels kommt das Baugewerbe schon jetzt mit dem Abarbeiten von Aufträgen kaum hinterher. Für das ehrgeizige Wohnungsbauprogramm der Ampelregierung könnte dies zum Problem werden. Um hier Verzögerungen zu vermeiden, muss das System der dualen Berufsbildung gestärkt werden, fordert Friedrich Hubert Esser.

Der Fachkräftemangel am Bau könnte die Pläne der Ampelkoalition behindern. Das zeigen gemeinsame Studien des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS).
Demnach wurden zwar 2020 erstmals seit 20 Jahren mehr als 300.000 Wohnungen fertiggestellt. Doch die Pläne der Koalition sehen 400.000 Wohnungen pro Jahr vor.
Bauüberhang aus Personalmangel
Tatsächlich schiebt das Baugewerbe schon heute einen Bauüberhang von 780.000 Wohnungen vor sich her, also solchen Bauvorhaben, die bereits genehmigt, aber noch nicht fertiggestellt sind. Die Ursache hierfür sehen die Studienautoren im Fachkräftemangel am Bau.
Von den 15 wichtigsten Engpassberufen seien bereits jetzt zwölf dem Baugewerbe oder einer ihm vorgelagerten Zulieferindustrie zuzuordnen. Betriebe haben größte Schwierigkeiten, Fachkräftestellen insbesondere im Hoch- und Tiefbau, in der Energietechnik sowie in den Bereichen Klempnerei, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik zu besetzen. Auch der Aus- und Trockenbau, die Isolierung, die Zimmerei, die Glaserei sowie die Rollladen- und Sonnenschutztechnik sind betroffen.
Wohnungsbaupläne könnten am Fachkräftemangel scheitern
Die Wohnungsbaupläne von SPD, Grünen und FDP würden die Nachfrage nach Fachkräften weiter erhöhen. "Um Verzögerungen in den Zielumsetzungen im Bereich Bauen und Wohnen zu verhindern, muss das System der dualen Berufsbildung unbedingt gestärkt werden", betont BIBB- Präsident Friedrich Hubert Esser. "Den Fachkräftemangel zu bewältigen, wird eine der größten Herausforderungen dieses Jahrzehnts werden", sagte BIBB-Chef Esser. Auch der Bedarf an Fachkräften im Gesundheitswesen werde in den kommenden Jahren sehr stark steigen.
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